Internationales Forschungsteam findet Zusammenhang zwischen Blutgruppe und Fähigkeit zur Höhenanpassung4. Januar 2024 Prof. Dr. Lars Kaestner. (Bild: Universität des Saarlandes/Thorsten Mohr) Mit unterschiedlichen Blutgruppen-Merkmalen gehen unterschiedliche physiologische Eigenschaften einher. Einen Zusammenhang zwischen der Fähigkeit zur Höhenanpassung und dem Rhesus-Faktor hat nun ein internationales Forschungsteam finden können, an dem Lars Kaestner von der Universität des Saarlandes federführend beteiligt ist. Ihre Erkenntnisse wurden im Fachjournal “PNAS” veröffentlicht. „Es gibt ja die wildesten Theorien, die Blutgruppen Eigenschaften zuschreiben“, sagt Lars Kaestner. „Ich habe das immer für Unsinn gehalten“, so Biophysiker und Spezialist für die Biologie und Physik von Blutzellen weiter. Bei so genannten „Blutgruppen-Horoskopen“, die der einen Blutgruppe zum Beispiel nachsagen, dass ihre Träger emotional seien, die der anderen Blutgruppe dagegen nüchtern-kalkulierend, dürfte die Einschätzung des Fachmannes auch weiterhin richtig sein. In einem anderen Fall hingegen wackelt diese Einschätzung: „In jüngerer Vergangenheit gibt es Hinweise darauf, dass die Blutgruppe mit bestimmten physiologischen Eigenschaften einhergeht“, erklärt Lars Kaestner. In einer nun publizierten Studie konnte er gemeinsam mit seinem Kollegen Angelo D’Alessandro von der Universität von Colorado in Denver (USA) und weiteren Kolleginnen und Kollegen aus Frankreich, Italien, der Schweiz und Kanada erstmals einen Zusammenhang zwischen dem Rhesus-Faktor und der Fähigkeit zur Höhenanpassung finden. „Wir haben in einer großen statistischen Analyse zeigen können, dass BPG (2,3-Biphosphoglycerinsäure) mit Proteinvarianten aus der Rhesus-Gruppe korreliert“, sagt Kaestner. Und erläutert im Nachgang, was dieser für Laien schwer verständliche Satz bedeutet: „Bei sechs Probanden, die uns auf eine Expedition nach La Rinconada in Peru, die höchstgelegene, dauerhaft bewohnte Siedlung der Welt, begleitet haben, konnten wir feststellen, dass nach einer gewissen Zeit in der Höhe mehr BPG in den roten Blutzellen zu finden war. BPG spielt eine wichtige Rolle, u.a. beim Sauerstofftransport durch das Hämoglobin, an welches es andockt.“ Der Körper der Probanden wurde also nach einer gewissen Adaptionszeit besser mit Sauerstoff versorgt, da er mehr BPG hergestellt hat. Interessanterweise waren alle sechs untersuchten Probanden rhesus-positiv, das heißt, ihre Erythrozyten weisen auf ihrer Oberfläche bestimmte Membranproteine auf, die im Blut von rhesus-negativen Personen nicht auftreten. Die Mehrheit der Menschen, rund 85 Prozent, trägt das Blutgruppen-Merkmal rhesus-positiv. „Da die Untersuchung des Blutes von sechs Probanden jedoch nur begrenzte statistische Aussagekraft besitzt, haben wir uns an D’Alessandro von der Universität Denver gewandt. Der weltweit anerkannte Fachmann konnte auf die Daten von über 13.000 Blutspendern zurückgreifen und so mithilfe statistischer Methoden und Künstlicher Intelligenz untersuchen, ob der an wenigen Probanden beobachtete Zusammenhang auch für größere Menschenmengen zutrifft und damit statistisch gesichert werden kann“, erläutert Professor Kaestner. „In dieser sehr großen Analyse trat zutage, dass auch ohne Höhenanpassung, Menschen mit bestimmten Varianten des Rhesus-Proteins, sogenannten SNPs, signifikant mehr BPG bilden“, so Lars Kaestner weiter. „Die neuen Erkenntnisse können dazu beitragen, besser zu verstehen, wie die Blutgruppe die BPG-Synthese und die Sauerstoffversorgung unter anderen hypoxischen, also sauerstoffarmen Bedingungen beeinflusst, etwa beim Sport oder bei Notfall-Bluttransfusionen“, so das Fazit des Saarbrücker Experten. Sein US-Kollege D’Alessandro ergänzt weitere Fragen, die aus ihrer nun publizierten Beobachtung folgen könnten: „Wird man bei einem Marathon besser abschneiden, wenn man rhesus-positiv ist? Oder überleben Patienten, die zum Beispiel bei einem Unfall stark blutende Wunden erleiden, eher, wenn sie rhesus-positiv sind? Das wissen wir noch nicht. Was wir aber wissen, ist, dass der Rhesus-Status einen Einfluss darauf hat, wie das BPG hergestellt wird. Wir versuchen nun, Strategien zu entwickeln, um den BPG-Gehalt in gelagerten Blutkonserven zu erhöhen.” Dies wäre für die Verbesserung der Effizienz von Bluttransfusionen von entscheidender Bedeutung.
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