Intrinsisch ungeordnete Proteine besser verstehen27. November 2025 Simon Ebbinghaus (l.) und Puja Shresta untersuchen Proteinbestandteile. Foto:© Privat Instabile Proteine sind oft an Krebs oder neurodegenerativen Erkrankungen beteiligt. Ein besseres Verständnis dieser intrinsisch ungeordneten Proteine (IDPs) könnte zu neuen Therapie-Ansätzen führen. Jetzt haben Forschende das YB1-Protein charakterisiert. Das Forschungsteam um Puja Shrestha und Prof. Simon Ebbinghaus (Ruhr-Universität Bochum und Research Center Chemical Sciences and Sustainability) hat eines dieser Proteine genauer untersucht und sein dynamisches Verhalten beschrieben. Ihre Arbeit ist in der Fachzeitschrift „Advanced Science“ vom 28. Oktober 2025 veröffentlicht. Kälteschockdomäne von YB1 im Fokus In Zentrum der Studie stand ein gefalteter Bereich – die Kälteschockdomäne (CSD/CSDex) – innerhalb des YB1-Proteins, einem IDP mit mehreren Funktionen in der Zelle. Die Forschenden wollten wissen, wie dieser Bereich seine strukturelle Stabilität aufrechterhält. Das Protein ist an vielen der wichtigsten Aktivitäten der Zelle beteiligt, darunter dem Transkription, Translation und der RNA-Metabolismus. „Aufgrund seines engen Zusammenhangs mit Krebswachstum und Arzneimittelresistenz könnte das Verständnis der Faltung und Funktion des YB1-Proteins dabei helfen, neue therapeutische Ansätze zu entwickeln“, hofft Doktorandin Shrestha. CSDex unter physiologischen Bedingungen nur mäßig stabil Das Team stellte fest, dass CSDex unter physiologischen Bedingungen eine mäßige Stabilität aufweist. Die Hälfte der Moleküle befindet sich in ihrer gefalteten Struktur, während die andere Hälfte ungefaltet bleibt. Bindet das Protein an Nukleinsäuren, geht es fast vollständig in seine gefaltete Form über. „Das deutet darauf hin, dass diese Wechselwirkungen das Protein auf eine Weise stabilisieren, die dazu beiträgt, es in seiner funktionellen Form zu fixieren“, so Ebbinghaus. Ein IDP, aber viele verschiedene Strukturen Darüber hinaus zeigt das Team, dass das Protein viele verschiedene Strukturen annehmen kann, was eine schnelle und effiziente Wechselwirkung mit einer Vielzahl von Nukleinsäuren ermöglicht. Die mäßige Stabilität des CSDex könnte einen natürlichen Kompromiss darstellen, der ihm die Flexibilität verleiht, effizient mit vielen verschiedenen Molekülen zu interagieren und gleichzeitig vielfältige Funktionen zu erfüllen.„CSDex-Nukleinsäure-Wechselwirkungen führen beispielsweise zur Überproduktion verschiedener Proteine oder zur Reparatur von Nukleinsäuren, wodurch Krebszellen resistenter gegen Chemotherapie werden“, erklärt Shrestha. In zukünftigen Forschungen könnten Moleküle entwickelt werden, die auf CSDex-Nukleinkomplexe abzielen und krankheitsbezogene Wechselwirkungen spezifisch blockieren. Förderung: Die Arbeiten wurden unterstützt durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft im Rahmen des Exzellenzclusters RESOLV (EXC 2033-390677874).
Mehr erfahren zu: "Vorklinische Studie: Immuntherapie bei Eierstockkrebs mit gezielter Proteinblockade stärken" Vorklinische Studie: Immuntherapie bei Eierstockkrebs mit gezielter Proteinblockade stärken Eine aggressive Form von Eierstockkrebs spricht schlecht auf herkömmliche Therapien an und kann sich effektiv vor dem Immunsystem verstecken. Forschende der Universitätsmedizin Halle haben nun die Mechanismen dieser Immunflucht aufgedeckt.
Mehr erfahren zu: "Kolorektalkarzinome: Mikrobiell gebildete sekundäre Gallensäuren beschleunigen die Entstehung" Kolorektalkarzinome: Mikrobiell gebildete sekundäre Gallensäuren beschleunigen die Entstehung Erstmals haben Forschende in funktionellen Studien die kausale Rolle mikrobiell gebildeter sekundärer Gallensäuren bei der Entstehung von Kolorektalkarzinomen nachgewiesen. Die Erkenntnisse stehen im Zusammenhang mit einer fettreichen, westlichen Ernährungsweise.
Mehr erfahren zu: "Multiples Myelom: Doppelter Angriff auf entartete B-Zellen" Multiples Myelom: Doppelter Angriff auf entartete B-Zellen Das Multiple Myelom ist trotz moderner CAR-T-Zelltherapien schwer zu behandeln. Ein Team um Dr. Armin Rehm stellt in „Molecular Therapy“ eine verbesserte CAR-T-Zelltherapie vor, die die entarteten Zellen gleich an […]