Inzidenz der Parkinson-Diagnosen seit 2013 deutlich gesunken28. August 2022 Foto: © airdone – stock.adobe.com Ungeachtet der dynamisch fortschreitenden Alterung der Bevölkerung ist die Häufigkeit neu aufgetretener Parkinson-Diagnosen in den ärztlichen Abrechnungsdaten in Deutschland in den Jahren 2013 bis 2019 um bis zu 30 Prozent zurückgegangen. Das geht aus einer aktuellen Versorgungsatlas-Studie des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi) hervor. Während die Inzidenz im Mittel über alle Altersgruppen im Jahr 2013 noch bei 168 pro 100.000 Mitglieder der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) im Altersbereich ab 50 Jahren lag, sank dieser Wert bis 2019 auf 122 ab. Hierbei wurden drei Falldefinitionen zusammengefasst, anhand derer die Robustheit der ermittelten Trends überprüft wurde. Die Zahl der bundesweit vertragsärztlich diagnostizierten Neuerkrankungen des ideopathischen Parkinson-Syndroms (IPS) hat im gleichen Zeitraum im Mittel der drei Falldefinitionen von knapp 130.000 auf gut 112.000 abgenommen. Der kontinuierliche Rückgang der jährlichen Diagnoseinzidenz seit 2013 ist bundesweit in allen Altersgruppen ab 50 Jahren, in beiden Geschlechtsgruppen und überregional im gesamten Bundesgebiet festgestellt worden. Das sind die zentralen Ergebnisse einer aktuellen Versorgungsatlas-Studie des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi) zu „Inzidenztrends des diagnostizierten ideopathischen Parkinson-Syndroms in den Jahren 2013 bis 2019“. „Die Parkinson-Krankheit geht mit einer Vielzahl insbesondere alterstypischer Erkrankungen einher. Das lenkt den Fokus auf die Komplexität der medizinischen Versorgung dieser besonderen Gruppe von Patientinnen und Patienten. Die Behandlung erfordert eine intensive Zusammenarbeit und Kommunikation zwischen den beteiligten Haus- und Fachärztinnen und -ärzten sowie Gesundheitsfachberufen. Bemerkenswert ist, dass die Inzidenzen auch im ländlichen Raum immer weiter zurückgehen. Dort waren die Erkrankungszahlen in früheren Jahren immer höher als im städtischen Raum“, sagte der Zi-Vorstandsvorsitzende Dr. Dominik von Stillfried. Über Gründe für den Rückgang der Parkinson-Inzidenz könne man derzeit lediglich spekulieren, die untersuchten GKV-Abrechnungsdaten böten hierfür keine weiteren Anhaltspunkte, so von Stillfried weiter. „Denkbare kausale Zusammenhänge zwischen der Nutzung landwirtschaftlicher Chemikalien und dem Risiko an IPS zu erkranken, stehen angesichts der bislang häufig gefundenen erhöhten Erkrankungsrisiken in ländlichen Räumen seit geraumer Zeit im Fokus der wissenschaftlichen Debatte. Ob Veränderungen des Pestizideinsatzes ein geringeres Risiko für das Auslösen von Folgeerkrankungen wie etwa Parkinson bergen und für den Rückgang der Neuerkrankungszahlen mitverantwortlich sein könnten, muss noch weiter wissenschaftlich untersucht und validiert werden“, bekräftigte der Zi-Vorstandsvorsitzende. Neben einer erhöhten Exposition durch Agrarchemikalien fallen der Konsum von Milchprodukten, die Hormonersatztherapie, Diabetes mellitus Typ 2, aber auch psychische Vorerkrankungen einschließlich Depressionen, bipolare Störungen und Stimmungsschwankungen in die Gruppe möglicher nicht genetischer oder nicht ausschließlich genetischer Risikofaktoren.
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