Inzidenzrate der Parkinson-Krankheit sinkt22. Januar 2025 Foto: © wladimir1804 – stock.adobe.com Eine neue Kohortenstudie, die Krankenkassendaten aus Deutschland analysiert, zeigt einen interessanten Trend: Die Rate der Neuerkrankungen an Parkinson, auch altersspezifische Inzidenz genannt, geht zurück. Gleichzeitig verschob sich das durchschnittliche Diagnosealter nach oben, was auf einen späteren Ausbruch hindeutet. Forscher der Universität Luxemburg und des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) analysierten die Daten von fast 450.000 Versicherten aus den Jahren 2006 bis 2018 der größten deutschen Krankenkasse AOK und stellten fest, dass das Risiko, an Parkinson zu erkranken, bei Personen über 50 Jahren um etwa ein Fünftel sank, selbst wenn man bekannte Risikofaktoren wie Diabetes, Bluthochdruck und Schädel-Hirn-Traumata berücksichtigte. Gleichzeitig verschob sich das durchschnittliche Diagnosealter bei Männern um fast zwei Jahre und bei Frauen um etwas weniger als ein Jahr nach oben, was auf einen möglichen späteren Ausbruch hinweist. Regionale Unterschiede in einem komplexen globalen Kontext „Die rückläufigen Inzidenzraten in Deutschland sind ermutigend, müssen aber im Zusammenhang mit der steigenden Zahl von bereits Erkrankten gesehen werden, da Menschen generell immer länger leben. Außerdem tritt die große Zahl der Babyboomer jetzt in die älteren Altersgruppen ein, in denen das Parkinson-Risiko hoch ist. Daher wird die absolute Zahl der Parkinson-Fälle weiter ansteigen, auch wenn die altersspezifischen Inzidenzraten zurückgegangen sind und möglicherweise weiter sinken werden”, erklärt Dr. Anne Fink, Forscherin am Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) und Erstautorin der Studie. Die jüngsten deutschen Ergebnisse decken sich mit ähnlichen Studien in Kanada, Südkorea und den Niederlanden, die ebenfalls über sinkende oder stabile Parkinson-Raten berichten. Die gegensätzlichen Trends in Ländern wie den Vereinigten Staaten, in denen die Häufigkeit von Parkinson zunimmt, deuten jedoch auf eine Rolle regionaler gesellschaftlicher oder umweltbedingter Faktoren hin, wie etwa die Exposition gegenüber Pestiziden und industriellen Lösungsmitteln. „Wahrscheinlich spielt eine Vielzahl von Faktoren eine Rolle“, erklärt Prof. Jochen Schneider, Leiter der Gruppe Medical Translational Research am Luxembourg Centre for Systems Biomedicine (LCSB) und Department of Life Science and Medicine der Universität. „Frühere Forschungen haben gezeigt, dass bestimmte Pestizide neurotoxische Wirkungen haben. Paraquat zum Beispiel wurde mit der Parkinson-Krankheit in Verbindung gebracht und seine Verwendung wurde 2007 von der Europäischen Union (EU) verboten.“ Weitere Faktoren sind den Forschenden zufolge eine bessere Luftqualität und eine geringere Exposition gegenüber neurotoxischen Chemikalien wie Trichlorethylen (TCE), das häufig als industrielles Lösungsmittel in der Metallindustrie verwendet wird. Seit 2016 ist es in der EU verboten, da es mit Parkinson in Verbindung gebracht wird. In Regionen wie den Vereinigten Staaten, in denen TCE und Pestizide wie Paraquat nach wie vor weit verbreitet sind, ist die Häufigkeit von Parkinson dagegen gestiegen. Darüber hinaus weisen Forschungsergebnisse auf eine Rolle des Darmmikrobioms und der Darm-Hirn-Achse bei der Entwicklung der Parkinson-Krankheit hin. Isolierung biologischer und gesellschaftlicher Faktoren Während die genauen Gründe für den Rückgang der Parkinson-Inzidenz in Deutschland unklar bleiben, verdeutlichen die Ergebnisse die Komplexität der Krankheitsdynamik. Faktoren wie die Größe der Geburtskohorte, verbesserter Zugang zur Gesundheitsversorgung und veränderte Diagnosemuster könnten zu den beobachteten Trends beitragen. „Unsere Ergebnisse unterstreichen die Notwendigkeit weiterer Forschung, um die biologischen und gesellschaftlichen Faktoren, die diese Trends beeinflussen, zu entschlüsseln“, betont Fink. Ein besseres Verständnis der zugrundeliegenden Risikofaktoren könnte den Weg für innovative Strategien im Bereich der öffentlichen Gesundheit ebnen und ein gesünderes Altern weltweit fördern. „Der beobachtete Rückgang der Inzidenzraten gibt Anlass zur Hoffnung, aber da die diagnostizierten Patienten immer länger leben, brauchen wir weitere Forschung und Innovation in den Bereichen Diagnostik, krankheitsmodifizierende Therapien und Patientenversorgung“, schließt Schneider.
Mehr erfahren zu: "Genetischer Risikofaktor und Virusinfektion tragen gemeinsam zur Multiplen Sklerose bei" Genetischer Risikofaktor und Virusinfektion tragen gemeinsam zur Multiplen Sklerose bei Multiple Sklerose wird durch eine Infektion mit dem Epstein-Barr-Virus mitverursacht. Daneben spielen aber auch bestimmte Genvarianten eine wichtige Rolle. Wie Forschende der Universität Zürich zeigen, führt erst das molekulare Zusammenspiel […]
Mehr erfahren zu: "Projekt für Umgang mit psychisch belasteten Schülern startet" Projekt für Umgang mit psychisch belasteten Schülern startet Verhaltensauffälligkeiten nehmen auch im Schulalltag zu. Nach langer Planung startet in Sachsen nun ein Projekt, das Lehrkräfte sowie Schulleitungen entlasten soll.
Mehr erfahren zu: "Pandemie-Folgen: Tausende Teenager mit Angststörungen und Panikattacken" Pandemie-Folgen: Tausende Teenager mit Angststörungen und Panikattacken Auch mehrere Jahre nach Ende der Corona-Pandemie prägt diese Zeit noch Tausende Teenager in Baden-Württemberg in Form psychischer Erkrankungen.