IQWiG erkennt Zusatznutzen von Enzalutamid bei kastrationsresistentem Prostatakarzinom mit hohem Metastasierungsrisiko18. August 2020 Foto: Ralf Baumgarten Neue Daten aus der Studie PROSPER zeigen erstmals einen Vorteil beim Gesamtüberleben, der schwerer wiegt als die Nachteile bei einigen Nebenwirkungen. So lautet die aktuelle Bewertung des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) zur Enzalutamid-Therapie des kastrationsresistenten Prostatakarzinoms mit hohem Metastasierungsrisiko. Bereits 2018 und 2019 hat das IQWiG untersucht, ob der Wirkstoff Enzalutamid erwachsenen Männern mit nicht metastasiertem, kastrationsresistentem Hochrisiko-Prostatakarzinom einen Vorteil gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie bietet, also gegenüber einem abwartenden Vorgehen unter Beibehaltung der konventionellen Androgendeprivationstherapie (ADT). Auf Basis des ersten und zweiten Datenschnitts der Studie PROSPER war ein Zusatznutzen nicht belegt. Da die Studie noch lief, hatte der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) seinen entsprechenden Beschluss befristet. Nach Ablauf der Frist hat das IQWiG den Wirkstoff auf Basis des dritten Datenschnitts der mittlerweile abgeschlossenen Studie erneut bewertet. Nun gibt es in der Bewertungsnomenklatur des IQWiG einen “Anhaltspunkt für einen beträchtlichen Zusatznutzen” – vor allem wegen des längeren Gesamtüberlebens bei einer Behandlung mit Enzalutamid.Neue Daten zur Bewertung von Mortalität und NebenwirkungenFür die Endpunktkategorien Morbidität und gesundheitsbezogene Lebensqualität ergaben sich gegenüber der Erstbewertung keine neuen Erkenntnisse, sodass sich das Ergebnis der Bewertung für diese Endpunkte nicht verändert hat: Ein Zusatznutzen ist jeweils nicht belegt.In der Endpunktkategorie Mortalität gibt es auf Basis des dritten Datenschnitts nunmehr einen “Anhaltspunkt für einen beträchtlichen Zusatznutzen”: Im Enzalutamid-Arm der Studie überlebten die Patienten im Mittel deutlich länger als im Vergleichsarm.In der letzten Endpunktkategorie, bei den Nebenwirkungen, ist die Bilanz laut IQWiG durchwachsen: Bei den Erkrankungen der Nieren und Harnwege ergibt sich ein Anhaltspunkt für einen erheblichen Vorteil von Enzalutamid, wobei nicht ganz klar ist, ob es sich wirklich um Nebenwirkungen der Behandlung oder um Symptome der Erkrankung handelt. Bei vier weiteren spezifischen Nebenwirkungen gibt es Anhaltspunkte für Nachteile des Wirkstoffs gegenüber dem Abwarten unter Fortführung der ADT, im Ausmaß gering bis beträchtlich. Diese Nachteile stellen die Vorteile, insbesondere das längere Gesamtüberleben, aus Sicht des Bewertungsinstituts aber nicht infrage, sodass aus der Bewertung insgesamt ein “Anhaltspunkt für einen beträchtlichen Zusatznutzen” von Enzalutamid gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie resultiert.IQWiG rät zu Studie mit Enzalutamid, Apalutamid und DarolutamidFür dasselbe Anwendungsgebiet, also die Behandlung von Männern mit nicht metastasiertem kastrationsresistentem Prostatakarzinom, die ein hohes Risiko für die Bildung von Metastasen haben, gibt es zwei weitere Wirkstoffe: Apalutamid hat das IQWiG kürzlich – ebenso wie nun Enzalutamid – wegen einer Befristung des ersten G-BA-Beschlusses neu bewertet; dabei zeigte sich ein “Hinweis auf einen beträchtlichen Zusatznutzen” gegenüber Abwarten unter Beibehaltung der bestehenden konventionellen ADT. Die kürzlich erfolgte erste Bewertung von Darolutamid ergab ebenfalls einen “Hinweis auf einen beträchtlichen Zusatznutzen”. Daher hält das Institut “spätestens jetzt”, wie es in einer Mitteilung heißt eine Studie sinnvoll, die diese Wirkstoffe nicht mit einem Abwarten unter Fortführung der ADT, sondern direkt miteinander vergleicht. (IQWiG/ms)
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