IQWiG: Vorläufige Bewertung zum Nutzen der Feldenkrais-Methode bei Störungen der Beweglichkeit

Foto: ©contrastwerkstatt – stock.adobe.com

Über die Feldenkrais-Methode sollen ungünstige Bewegungsabläufe und Körperhaltungen vermieden und durch günstigere ersetzt werden. Den Nutzen der Methode bei unterschiedlichen Indikationen bewerteten nun Expertinnen und Experten im Auftrag des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) – mit ernüchternden Ergebnissen.

Mit der Feldenkrais-Methode soll durch eine bewusstere Körperwahrnehmung die Koordination von Bewegungsabläufen optimiert werden. Sie geht auf den Physiker und Neurophysiologen Moshé Feldenkrais zurück. Da die Feldenkrais-Methode formal nicht als Heilmittel gelistet ist, übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Behandlungskosten nur in Ausnahmefällen.

Bürgeranfrage

Ausgangspunkt des nun veröffentlichten, noch vorläufigen Berichtes war die Anfrage einer Bürgerin. Sie hatte die Erfahrung gemacht, dass Rückenschmerzen oft mit Medikamenten behandelt werden, manchmal sogar Operationen empfohlen werden. Vor diesem Hintergrund fragte sie das IQWiG, ob Feldenkrais eine Methode sein könnte, die gegebenenfalls eine medikamentöse oder operative Therapie überflüssig machen könnte. Im Rahmen des IQWiG-Verfahrens ThemenCheck Medizin können Bürgerinnen und Bürger Vorschläge für spezielle Fragestellungen beim IQWiG einreichen. Diese werden dann in einer Gesundheitstechnologie-Bewertung (Health Technology Assessment, HTA) evaluiert. Die HTA-Berichte werden nicht vom IQWiG selbst verfasst, sondern von externen Sachverständigen. Deren Bewertung wird gemeinsam mit einer allgemein verständlichen Kurzfassung (HTA kompakt) und einem IQWiG-Herausgeberkommentar veröffentlicht.

Wenig Studien, hohes Verzerrungspotenzial

Im Auftrag des IQWiG untersuchen nun also Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler unter der Federführung der medizinischen Hochschule Hannover (MHH) die Frage, ob die Feldenkrais-Methode bei Störungen der Beweglichkeit helfen kann. Sie konnten bei ihrer Recherche zum Nutzen der Feldenkrais-Methode sechs randomisierte kontrollierte Studien für fünf unterschiedliche Indikationen identifizieren. Keine dieser sechs Studien wurde in Deutschland durchgeführt, alle Studien wiesen laut IQWiG ein hohes Verzerrungspotenzial auf. Anhaltspunkte für einen (höheren) Nutzen konnten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler demnach nur bei zwei Indikationen ermitteln.

Möglicher Nutzen bei Parkinson und chronischen unteren Rückenschmerzen

Bei Betroffenen mit Morbus Parkinson gibt es nach Auffassung der Sachverständigen einen Anhaltspunkt für einen höheren Nutzen der Feldenkrais-Methode gegenüber Bildungsprogrammen in Form von Vorträgen (passive Strategie). Dies betrifft die Verbesserung der Beweglichkeit und der gesundheitsbezogenen Lebensqualität am Therapieende.

„Die Evidenzlage bei Betroffenen mit chronischen Schmerzen im unteren Rückenbereich ist im Vergleich mit aktiven Strategien uneinheitlich“, erklärt das IQWiG. Gegenüber einem Training mit Übungen für die Rumpfstabilität gebe es in einer Studie einen Anhaltspunkt für einen höheren Nutzen der Feldenkrais-Methode am Ende der fünfwöchigen Therapie wegen besserer Beweglichkeit und besserer gesundheitsbezogener Lebensqualität. Gegenüber der Teilnahme an einer mehrmonatigen Rückenschule gebe es in einer weiteren Studie zwar einen Anhaltspunkt für einen höheren Nutzen der Feldenkrais-Methode hinsichtlich Schmerzverringerung, aber gleichzeitig auch einen Anhaltspunkt für einen geringeren Nutzen dieser Methode in Bezug auf die gesundheitsbezogene Lebensqualität. Unmittelbar am Ende der Therapie seien aber keine Unterschiede in den Effekten der beiden Verfahren festgestellt worden.

Weiterer Forschungsbedarf

Bei weiteren Indikationen oder für einen langfristigen Nutzen der Feldenkrais-Methode konnten die beauftragten Expertinnen und Experten demnach keinen Anhaltspunkt finden – allerdings auch nicht für ein schädliches Potenzial der Methode. Wobei Angaben zu Todesfällen und zu unerwünschten Ereignissen in den Studien fehlen, wie das IQWiG selbst einschränkt. „Die Frage nach dem Nutzen der Feldenkrais-Methode im Vergleich zu aktiven Strategien wie einer Physiotherapie bleibt grundsätzlich noch offen“, lautet daher das Fazit des Instituts. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sehen weiteren Forschungsbedarf – vor allem zu langfristigen Effekten der Feldenkrais-Methode, ihrer Anwendung bei verschiedenen Indikationen und gegenüber anderen, üblicherweise in der Praxis angewendeten aktiven Vergleichstherapien wie etwa der etablierten Physiotherapie.

Zu dem noch vorläufigen HTA-Bericht bittet das IQWiG nun um Stellungnahmen bis zum 23.02.2022. Alle interessierten Personen, Institutionen und (Fach-)Gesellschaften können Stellungnahmen abgeben. Gegebenenfalls führt das IQWiG eine wissenschaftliche Erörterung zur Klärung von weitergehenden Fragen aus den schriftlichen Stellungnahmen durch. Die Ergebnisse aus der Anhörung können zu Änderungen und/oder Ergänzungen des vorläufigen HTA-Berichtes führen.