Ischämie bei partieller Nephrektomie hat nur geringen Einfluss auf histologische Veränderungen2. Mai 2022 Führt die Abklemmung des Nierenhilus für die Operation zu Schäden am verbleibenden Nierengewebe? Foto: Supak – stock.adobe.com Urologen aus China und den USA haben untersucht, ob sich nach partieller Nephrektomie (PN) Schäden im verbliebenen Nierenparenchym infolge der Ischämie zeigen. Sie fanden zwar eine histologische Verschlechterung, diese war aber nicht mit der Ischämie korreliert. Die meisten PN werden mit Hilusverschluss durchgeführt, um den Blutverlust zu reduzieren und die Visualisierung zu optimieren. Longbin Xiong und Kollegen überprüften für ihre retrospektive Studie in “European Urology” den histologischen Score für eine chronische Nierenerkrankung (CKD) des Nierenparenchyms vor und Jahre nach PN. Zudem analysierten sie Faktoren, die mit einem Anstieg des CKD-Scores und einer Abnahme der glomerulären Filtrationsrate (GFR) verbunden sind. Der histologische CKD-Score (0–12) stellt eine Zusammenfassung des glomerulären, tubulären, interstitiellen und vaskulären Status dar. Die Proben stammten von 147 Patienten mit Nierenzellkarzinom, die sich in 19 chinesischen Zentren und der Cleveland Clinic (USA), die sich einer PN und anschließender radikaler Nephrektomie (RN) aufgrund eines Tumorrezidivs unterzogen hatten. Die Wissenschaftler beurteilten den CKD-Status anhand von makroskopischem normalem Nierenparenchym, dass in den PN-Proben mindestens 5 mm vom Tumor entfernt lag. Bei den RN-Proben, bei denen ja das gesamte restliche Organ vorliegt, zogen sie dafür weit vom Tumor entfernte Stellen heran. Prädiktive Faktoren für einen erheblichen Anstieg des CKD-Scores (≥ 3) wurden durch logistische Regression bewertet. Von 65 Patienten lagen alle notwendigen Daten vor; sie wurden in die Analyse einbezogen. Das mittlere Intervall zwischen PN und RN betrug 2,4 Jahre. Die mediane Dauer der Warmischämie (n=42) und Hypothermie (n=23) betrug jeweils 23 min. Der histologische CKD-Score war nach RN bei 47 (72%) Patienten erhöht, wobei bei 29 (45%) eine deutlichere Zunahme (≥3) auftrat. Es gab keinen signifikanten Unterschied in der Veränderung des CKD-Scores in Bezug auf die Art und Dauer der Ischämie (p=0,7 bzw. p=0,4) oder das Intervall von PN zu RN (p>0,9). Patienten mit Komorbiditäten wie Bluthochdruck, Diabetes mellitus (DM) und/oder vorbestehender CKD zeigten jedoch eine erhöhte Rate und ein erhöhtes Ausmaß des Anstiegs des CKD-Scores. In der univariaten Analyse war Hypertonie/DM/CKD der einzige Prädiktor für einen wesentlichen Anstieg des CKD-Scores (Odds Ratio: 3,53 [1,12–11,1]). Der Rückgang der GFR war moderat und bei Patienten mit/ohne signifikantem CKD-Score-Anstieg ähnlich. Nach PN mit Abklemmung des Nierenhilus zeigte das erhaltene Nierenparenchym also in vielen Fällen eine histologische Verschlechterung, die mit dem Vorliegen von Komorbiditäten wie Bluthochdruck, Diabetes mellitus oder chronischer Nierenerkrankung korrelierte. Im Gegensatz dazu korrelierten die Art und Dauer der Ischämie nicht mit den histologischen Veränderungen nach PN. Eine anschließende Abnahme der Nierenfunktion war mild und unabhängig von histologischen Veränderungen. “Im Zusammenhang mit konventionellen, begrenzten Ischämiedauern scheint die histologische Verschlechterung des erhaltenen Parenchyms nach PN eher auf vorbestehende medizinische Komorbiditäten als auf Ischämie zurückzuführen zu sein”, folgern die Autoren. (ms)
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