Jährliche Influenza-Impfungen: Trotz Abschwächung immer noch besser als keine Immunisierung23. Mai 2023 © Sherry Young – stock.adobe.com (Symbolbild) Da es Hinweise darauf gibt, dass eine jährlich wiederholte Influenza-Impfung die Wirksamkeit des Vakzins beeinträchtigen könnte, haben die Autoren einer neuen systematischen Übersichtsarbeit und Metaanalyse dies anhand von Publikationen in den Datenbanken Medline, Embase und CINAHL Complete untersucht. Die Forschenden sichteten die Datenbanken nach entsprechenden Veröffentlichungen aus dem Zeitraum 01.01.2016–13.06.2022 und durchsuchten zudem das Web of Science nach Arbeiten, die vom Beginn der Datenbank bis zum Stichtag 13.06.2022 publiziert worden waren. Für Studien, die vor dem 01.01.2016 veröffentlicht wurden, zogen die Forschenden veröffentlichte systematische Reviews heran. Zwei Gutachter prüften die Arbeiten, extrahierten Daten, bewerteten das Bias-Risiko der Studien mithilfe des ROBINS-I-Tools (Risk Of Bias In Non-Randomized Studies of Interventions) und bewerteten die Stärke der Evidenz mittels GRADE (Grading of Recommendations, Assessment, Development and Evaluation). Eingeschlossen wurden Beobachtungs- und randomisierte kontrollierte Studien, in denen die Wirksamkeit von Impfstoffen gegen Influenza A(H1N1)pdm09, Influenza A(H3N2) oder Influenza B untersucht wurde, und dies in 4 Impfgruppen: aktuelle, vorjährige, aktuelle und vorjährige sowie keine Saison (Referenz). Für jede Studie berechnete man den absoluten Unterschied in der Impfstoffwirksamkeit (ΔVE) nur für die aktuelle bzw. vorjährige Influenza-Saison im Vergleich zur Impfung in der aktuellen bzw. vorjährigen saisonalen Impfung, um die mit Wiederholungen verbundene Abschwächung der Wirksamkeit abzuschätzen. Die gepoolte Impfstoffwirksamkeit und ∆VE wurden nach Saison, Altersgruppe und insgesamt berechnet. Man identifizierte 4979 Publikationen, wählte 681 für eine vollständige Überprüfung aus und schloss 83 in die systematische Überprüfung und 41 in Metaanalysen ein. ΔVE für die Impfung in beiden Saisons im Vergleich zur aktuellen Saison betrug −9% (95%-KI −16 bis −1; I2=0%; geringe Sicherheit) für Influenza A(H1N1)pdm09, −18% (95%-KI −26 bis −11; I2=7%; geringe Sicherheit) für Influenza A(H3N2) und −7% (95%-KI −14 bis 0; I2=0%; geringe Sicherheit) für Influenza B, was laut den Autoren auf einen geringeren Schutz bei aufeinanderfolgender Impfung hinweist. Fazit Für alle Typen, A-Subtypen und B-Linien bot die Impfung in beiden Impfsaisons jedoch einen besseren Schutz als keine Impfung. Die so geschätzten Auswirkungen einer vorjährigen Impfung beurteilen die Autoren der Metaanalyse als besorgniserregend: Ihre Ergebnisse rechtfertigen ihrer Meinung nach eine weitere Untersuchung, seien jedoch nicht konsistent oder schwerwiegend genug, um zum jetzigen Zeitpunkt ein alternatives Impfschema zu unterstützen. (ac) Autoren: Jones-Gray E et al. Korrespondenz: Sheena G. Sullivan; [email protected] Studie: Does repeated influenza vaccination attenuate effectiveness? A systematic review and meta-analysis Quelle: Lancet Respir Med 2023;11(1):27–44. Web: https://doi.org/10.1016/S2213-2600(22)00266-1