Je größer, desto wählerischer?

(Symbolbild) Foto: © Peter van Dam – stock.adobe.com

Die Ernährungsweise von Säugetieren ist eng mit deren artspezifischer Körpermasse verknüpft. Dies hat ein internationales Forschungsteam unter Beteiligung der Universität Konstanz belegt. Die Studie ist in „Nature Ecology & Evolution“ erschienen.

Ernährungsspezialisten werden evolutionär zu Extremen getrieben und sind häufig besonders groß oder klein.

Jede Säugetierart ernährt sich anders. Der Maulwurf bevorzugt dicke Larven, der Löwe jagt Gnu und Antilope und das Nashorn begnügt sich mit kurzen Gräsern. Ein interdisziplinäres und internationales Forschungsteam unter Beteiligung der Evolutionsbiologin Xiang-Yi Li Richter von der Universität Konstanz hat nun untersucht, ob es einen Zusammenhang zwischen der durchschnittlichen Körpergröße einer Spezies und deren Ernährungsweise gibt. Dabei war Größe nicht als gemessene Höhe, sondern als Gesamtmasse zu verstehen. Das Ergebnis zeigt, dass vor allem Säugetiere am oberen Ende der Größenskala, wie beispielsweise Nashörner, und solche am unteren Ende zu einer Spezialisierung auf nur eine Nahrungsquelle neigen.

Spezialisten meistens am oberen oder unteren Ende der Skala

Für die Studie hat das Team anhand eines globalen Datensatzes insgesamt 3.487 an Land lebende Säugetierarten untersucht. Danach kategorisierten die Forschenden die Tiere anhand ihrer durchschnittlichen Körpermasse und der Zusammensetzung ihrer Nahrung. Die einzelnen Arten klassifizierten sie anschließend hinsichtlich der Anzahl der Ernährungsarten von eins bis sechs. Dabei rechneten sie eine Spezies mit nur einer Ernährungsart zu den Spezialisten. In der Analyse der Daten zeigte sich, dass insgesamt etwa ein Drittel aller untersuchten Säugetierarten Spezialisten sind. Im Zusammenhang mit der jeweiligen Größe einer Tierart ergab sich zudem, dass diese Spezialisten überdurchschnittlich häufig an den unteren und oberen Enden der Größenskala zu finden waren.

Für mittelgroße Tiere funktioniert Spezialisierung weniger gut

„Unsere Ergebnisse zeigen, dass Körpermasse im mittleren Bereich nicht von einer spezialisierten Ernährung begünstigt wird. Vielmehr scheinen Spezialisten evolutionär zu Extremen getrieben zu werden – entweder zu sehr kleinen Körpern, die Risiken und Ressourcenbedarf reduzieren, oder zu sehr großen Körpern, die eine Nahrungssuche über große Entfernungen und eine bessere Verteidigung gegen Raubtiere ermöglichen“, sagt Hauptautorin der Studie Shan Huang von der Universität Birmingham. Mittelgroße Tiere, die sich auf eine einzige Nahrungsquelle verlassen, haben es demnach im evolutionären Wettkampf schwer, gegen die Generalisten zu bestehen.

„Aus evolutionärer Sicht ist dieser Zusammenhang logisch. Großen und damit auch schweren Tieren fällt es leichter, weitläufige Areale zu erschließen. Sie können es sich quasi leisten, auf die Suche nach der bevorzugten Futterquelle zu gehen. Sie müssen nicht mit dem Vorlieb nehmen, was eben gerade in Reichweite verfügbar ist. Im Laufe von Jahrhunderten entwickelt sich daraus dann eine Spezialisierung“, schlussfolgert Li Richter.

Für ihre Studie haben die Forschenden Datenanalysen mit mathematischen Modellierungen kombiniert. Für diesen innovativen Ansatz war eine interdisziplinäre Zusammenarbeit unabdingbar. „Auf diese Weise wollten wir das, was tagtäglich in Populationen auf ökologischer Ebene geschieht, mit den großen Evolutionsmustern in Verbindung bringen, die wir über Millionen von Jahren beobachten“, sagt Li Richter.