Jeder Zehnte bereut Therapiewahl bei lokalisiertem Prostatakrebs

Falsche Therapie gewählt? Mehr als 10% der Männer bereuen später ihre Entscheidung. Foto: (C)2014 Igor Stevanovic – stock.adobe.com

Laut einer aktuellen Studie in „JAMA Oncology“ bedauern mehr als 10% der Patienten mit lokalisiertem Prostatakrebs später ihre Therapieentscheidung. Dabei war der Anteil bei denjenigen größer, die sich einer aktiven Behandlung unterzogen.

Um der Frage nachzugehen, wie Behandlungen von lokalisiertem Prostatakrebs mit späterem Bedauern verbunden sind, führten Christopher J. D. Wallis vom Vanderbilt University Medical Center in Nashville (Tennessee, USA), eine prospektive, bevölkerungsbezogene Kohortenstudie durch. Sie verwendeten dazu 5 Register, in denen Daten zu Überwachung, Epidemiologie und Endergebnissen erhoben wurden (Surveillance, Epidemiology, and End Results, SEER). Die Teilnehmer waren zwischen 01.01.2011 und 31.12.2012 behandelt worden.

Unter den 2072 Männern, die in die Analyse eingeschlossen wurden (mittleres Alter 64 [IQR, 59-69] Jahre), drückten 5 Jahre nach der Diagnose 183 operierte Patienten (16%) ein Bedauern aus, 76 (11%) waren es unter Strahlentherapie und 20 (7%) unter aktiver Überwachung. Nach Anpassung an Unterschiede zu Studienbeginn war die Wahrscheinlichkeit, dass die Patienten ihre Entscheidung bereuten, im Vergleich zur aktiven Überwachung höher bei Operation (angepasste Odds Ratio [aOR] 2,40 [95%-KI, 1,44-4,01]), aber nicht bei Strahlentherapie (aOR 1,53 [95%-KI 0,88-2,66]).

Die Wissenschaftler untersuchten auch die Faktoren, die signifikant mit einer behandlungsbezogenen Reue verbunden waren. Unter den von Patienten berichteten funktionellen Ergebnissen betraf dies nur die sexuelle Dysfunktion (aOR für die Veränderung der Sexualfunktion gegenüber dem Ausgangswert 0,65 [95%-KI 0,52–0,81]). Auch die vom Patienten subjektiv wahrgenommene Behandlungswirksamkeit (aOR 5,40 [95 % KI, 2,15–13,56]) und die Nebenwirkungen (aOR 5,83 [95 % KI, 3,97 – 8,58] im Vergleich zu den Erwartungen der Patienten vor der Behandlung waren mit späterem Bedauern verbunden. Bestimmte Patientenmerkmale zum Zeitpunkt der Behandlungsentscheidung waren ebenfalls signifikant mit Bedauern assoziiert: partizipative Entscheidungsfindung (aOR 0,80 [95 % KI, 0,69–0,92]), soziale Unterstützung (aOR, 0,78 [95% KI 0,67 – 0,90]) und Alter (aOR 0,78 [95 % CI, 0,62 – 0,97]).

“Die Ergebnisse dieser Kohortenstudie legen nahe, dass mehr als 1 von 10 Patienten mit lokalisiertem Prostatakrebs behandlungsbedingtes Bedauern erfahren”, resümieren die US-Urologen. Unterschiede gibt es offenbar in Bezug auf die Behandlungsansätze. Bedeutend für ein späteres Bedauern sind die funktionellen Ergebnisse, besonders aber eine Diskrepanz zwischen den Patientenerwartungen und dem Outcome. Künftige Studien sollten nach Ansicht der Autoren untersuchen, ob im Kontext gemeinsamer Entscheidungsfindung eine bessere Vorbereitung der Patienten in Hinblick auf ihre Erwartungen und eine mögliche Toxizität der Therapie späteres Bedauern reduzieren kann.

(ms)