Kampf des Immunsystems gegen Viren: Fundamentale Rolle der Membranstruktur von Mitochondrien entdeckt25. Juli 2025 Prof. Dr. Philipp Lang, Institut für Molekulare Medizin II. (Copyright: UKD) Eine Studie an der Medizinischen Fakultät der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf (HHU) unter Leitung von Prof. Philipp Lang und Prof. Andreas Reichert, die nun in der Fachzeitschrift Cell Reports veröffentlicht wurde, konnte zeigen, dass Änderungen der mitochondrialen Innenmembranstruktur, also der inneren Wand der Mitochondrien, die Vermehrung zahlreicher Viren deutlich verlangsamt. Neben zahlreichen wichtigen Aufgaben im Zellstoffwechsel übernimmt das Mitochondrium auch eine wichtige Rolle bei der Integration von Signalen in die Zelle, die für die Entstehung von Krebs und bei der Immunantwort der Zellen von entscheidender Bedeutung sind. Eine ihrer wichtigsten Aufgaben liegt in der Bereitstellung und Speicherung von energiereichen chemischen Verbindungen wie Adenosintriphosphat (ATP) – dem universellen Energieträger in der Zelle. Damit diese Prozesse problemlos ablaufen können, benötigen Mitochondrien die Hilfe einer bestimmten Membranarchitektur der inneren Membran, den sogenannten Cristae. Ob und wie diese Strukturen die Vermehrung von verschiedenen Viren beeinflussen oder wie die Immunantwort darüber moduliert wird war bisher kaum verstanden. Eine Studie an der Medizinischen Fakultät der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf unter Leitung von Lang (Institut für Molekulare Medizin II) und Reichert (Institut für Biochemie und Molekularbiologie I) konnte nun zeigen, dass Änderungen der mitochondrialen Innenmembranstruktur die Vermehrung zahlreicher Viren, unter anderem auch des Coronavirus und des Zikavirus, deutlich verlangsamt. Die Forscher nutzten dabei zunächst die Beobachtung, dass durch die Gabe von Oligomycin, einem bekannten Inhibitor der ATP-Synthase, die Virusreplikation stark eingeschränkt wurde. Dies wurde jedoch nicht durch die Reduktion der mitochondrialen ATP-Produktion bewirkt, sondern durch eine Veränderung der Struktur der Innenmembran der Mitochondrien. „Diese Ergebnisse zeigen, wie wichtig die Verbindung zwischen mitochondrialer Membranstruktur, Immunmetabolismus und anti-viraler Immunität ist“, meint Lang. Auch die Entfernung einer zentralen Untereinheit des Proteinkomplexes „Mitochondrial Contact Site and Cristae Organizing System“ (MICOS), dem MIC60, die essentiell für die Ausbildung einer normalen Membranstruktur in Mitochondrien ist, führte zu einer reduzierten Virusvermehrung. Dies wurde sowohl in Zellkulturen als auch in einem Mausmodell, in dem MIC60 in dendritischen Zellen gelöscht wurde, nachgewiesen. In weiteren Experimenten konnte gezeigt werden, dass diese Veränderungen auch Auswirkungen auf den Immunmetabolismus haben und zum Beispiel der antivirale Immunmetabolit Itaconsäure vermehrt produziert wird. „Dieses Wissen ist von großer medizinischer Bedeutung für das Verständnisses unseres Immunsystems und könnte langfristig der Entwicklung von neuen antiviralen Therapien dienen.“ so Reichert. An der Studie waren außerdem die Klinik für Allgemeine Pädiatrie, Neonatologie und Kinderkardiologie, das Institut für Anatomie II, das Biologisch-Medizinische Forschungszentrum (BMFZ) der HHU, die Electron Microscopy Core Facility der Medizinischen Fakultät, das Helmholtz Zentrum München – Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt in Neuherberg, das Luxembourg Institut of Health, das Deutsche Zentrum für Infektionsforschung in Bonn und das Institut für Experimentelle Infektionsforschung, TWINCORE, Hannover beteiligt.
Mehr erfahren zu: "Gastrointestinale Organoide: Ein Schatz in der Gefriertruhe" Gastrointestinale Organoide: Ein Schatz in der Gefriertruhe Ein Forschungsteam der Ruhr-Universität Bochum geht einen neuen Weg, um beim Pankreaskarzinom die Wirksamkeit von Chemotherapeutika vorab zu testen: Mit großem Aufwand werden Organoide der Tumoren angelegt.
Mehr erfahren zu: "CKM-Syndrom: Starker Anstieg des hs-CRP-Werts bereits im Frühstadium" CKM-Syndrom: Starker Anstieg des hs-CRP-Werts bereits im Frühstadium US-amerikanische Daten deuten an, dass sich das hochsensitive C-reaktive Protein (hs-CRP) bereits in Stadium 1 des kardiovaskulär-renalen-metabolischen (CKM-)Syndroms nahezu verdoppelt. Die Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung einer frühzeitigen Prävention von Herz-Kreislauf- […]
Mehr erfahren zu: "MHH-Team will erstmals Blutstammzellen in großem Maßstab herstellen" MHH-Team will erstmals Blutstammzellen in großem Maßstab herstellen Eine Blutstammzelltransplantation kann Leben retten. Doch oft mangelt es an Spenderzellen. Ein Team der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) und der LMU München möchte nun Blutstammzellen produzieren. Ihr Projekt „smartiBONE“ wird […]