Kampf gegen die Resistenzentwicklung von M. tuberculosis gegen Bedaquilin13. Juni 2019 Foto: © vmagele-picture/Adobe Stock Im Sommer 2018 nahm Südafrika als erstes Land weltweit einen neuen Wirkstoff gegen multiresistente Tuberkuloseerreger in seine nationalen Behandlungsrichtlinien auf. Jetzt berichten Wissenschaftler der Stellenbosch University (SU), wie sie in einem interdisziplinären Team untersuchen, wie Mycobacterium tuberculosis Resistenzen gegen dieses Medikament entwickeln kann. Bedaquilin war nach Jahrzehnten der erste neue Wirkstoff gegen Tuberkulose, der entwickelt wurde. Es verbessert das Überleben von Patienten mit multiresistenter Tuberkulose und verhilft den damit behandelten Patienten möglicherweise zu einer kürzeren Behandlungszeit mit weniger Nebenwirkungen. Wissenschaftler der SU versuchen nun in Zusammenarbeit mit einem interdisziplinären Team von Forschern und Klinikern, die Möglichkeit dieser Therapie zu erhalten, indem sie untersuchen, wie Mycobacterium tuberculosis Resistenzen gegen dieses Medikament entwickeln kann. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse sollen in die Erstellung von Leitlinien für die Tuberkulose-Behandlung eingehen und sicherstellen, dass die richtige Kombination von Arzneimitteln gegen Tuberkulose zusammen mit Bedaquilin eingesetzt wird, um Behandlungsergebnisse zu optimieren und das Risiko einer Resistenzentwicklung gegen das Arzneimittel zu minimieren. “Wir müssen Bedaquilin vor der Entwicklung von Resistenzen schützen. Daher ist es wichtig zu verstehen, wie schnell und durch welche Mechanismen sich Bedaquilinresistenzen entwickeln”, sagt Dr. Margaretha de Vos, eine der Hauptautoren eines kürzlich im “New England Journal of Medicine” veröffentlichten Leserbriefes. Die darin getroffene Aussagen basieren auf Forschungen von De Vos und Kollegen aus der Abteilung für Molekularbiologie und Humangenetik der Fakultät für Medizin und Gesundheitswissenschaften (FMHS) der SU. Die SU-Forscher untersuchten die Entwicklung einer Bedaquilinresistenz bei einem 65-jährigen Patienten aus Kapstadt unter Verwendung einer Kombination neuartiger Techniken. Dafür führten sie eine Sequenzierung des gesamten Genoms des Bakterium in Patientenproben durch, die in verschiedenen Stadien der Erkrankung genommen worden waren. Zudem nahmen sie eine gezielte Tiefen-Sequenzierung von Rv0678 vor, einem Bakterien-Gen, das mit Bedaquilinresistenz assoziiert ist. Außerdem wurde basierend auf einer Kultur untersucht, wie diese auf den Wirkstoff ansprach. Die Studie zeigte, dass eine Resistenz gegen Bedaquilin auftrat, obwohl der Patient das Standardbehandlungsschema eingehalten hatte, laut dem Bedaquilin zusammen mit mindestens fünf Antibiotika eingenommen werden muss, gegen die das Bakterium nicht resistent ist. “Diese Ergebnisse zeigen, dass es von entscheidender Bedeutung ist, unsere Bemühungen zur Überwachung von Patienten, die Bedaquilin erhalten, zu verstärken und neue Diagnoseinstrumente zu entwickeln, mit denen sich Bedaquilinresistenzen schnell identifizieren lassen. Wenn wir Bedaquilinresistenzen schnell identifizieren, können wir die Therapie verändern und so eine Ausbreitung verhindern”, sagt Rob Warren, Professor für Mikrobiologie und Mitautor des Leserbriefes. Helen Cox, eine der Mitautoren, betont, dass “es zwar wichtig ist, das Auftreten von Resistenzen gegen neue Medikamente wie Bedaquilin zu überwachen, diese Daten jedoch nicht darauf hindeuten sollten, dass wir den Zugang zu Bedaquilin für Tausende von Patienten in Südafrika einschränken, die dringend eine bessere Therapie bei arzneimittelresistenter Tuberkulose brauchen”.
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