Kann Bewegungstherapie Stürze verhindern?3. März 2022 Wie wirken sich Bewegungstherapien wie Tai Chi auf das Sturzrisiko älterer Menschen aus? Für eine großangelegte Studie sucht der Fachbereich Integrative Medizin am Universitätsklinikum Ulm Teilnehmerinnen und Teilnehmer ab 65 Jahren. Foto: Die Lounge/Markus Köller Die ENTAiER-Studie soll die Wirksamkeit von achtsamen Bewegungstherapien auf das Sturzrisiko bei Senioren untersuchen. Hierfür werden Teilnehmer ab 65 Jahren gesucht, deren Bewegung nicht mehr die gewohnte Sicherheit aufweist und die mindestens eine lang andauernde (chronische) Erkrankung haben. Bewegung ist entscheidend für lebenslange Gesundheit und den Erhalt der Selbstständigkeit. Im Alter lassen jedoch die gewohnte Sicherheit und damit die Freude an der Bewegung nach. Die Gefahr zu stürzen und sich dabei zu verletzen steigt, die Angst vor Stürzen verunsichert Betroffene zusätzlich. Jeder dritte ältere Mensch stürzt einmal im Jahr. Leiden Menschen an chronischen Erkrankungen, erhöht sich das Sturzrisiko zusätzlich. Umgekehrt beugen Bewegung und körperliche Fitness vielen Erkrankungen vor und erleichtern den Umgang mit ihnen. Insbesondere sanfte, achtsame Bewegungsformen aus verschiedenen Kulturkreisen sind auch bei älteren Menschen immer beliebter. Vor diesem Hintergrund führen das Universitätsklinikum Freiburg und sieben kooperierende Zentren, darunter auch das Universitätsklinikum Ulm, die großangelegte ENTAiER-Studie durch. „Ziel der Studie ist es, herauszufinden, ob achtsame Bewegungstherapien wie Tai Chi und Eurythmie-Therapie die sichere Bewegung älterer chronisch kranker Menschen stärken und ihre Sturzgefahr vermindern“, erklärt Dr. Paul G. Werthmann, Prüfarzt der Studie im Fachbereich Integrative Medizin der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie am Universitätsklinikum Ulm (UKU). Die Studie wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung finanziert.Die ENTAiER-Studie soll 550 Menschen mit lang andauernder chronischer Erkrankung umfassen, deren Bewegung nicht mehr die gewohnte Sicherheit und damit ein erhöhtes Sturzrisiko aufweist. Per Zufall werden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer einer von drei Behandlungsgruppen zugeteilt. Eine Gruppe praktiziert über sechs Monate regelmäßig Tai Chi, eine zweite Gruppe wendet in diesem Zeitraum regelmäßig die Eurythmie-Therapie an. Die dritte Gruppe nimmt in dieser Zeit ausschließlich Angebote der Regelversorgung in Anspruch. „Wir möchten wissen, welche Auswirkungen die Übungen auf die Teilnehmenden haben. Welchen Einfluss hat die Bewegungstherapie auf die Balance und die Mobilität, auf das Risiko zu stürzen und die Angst vor Stürzen? Gibt es Auswirkungen auf die Selbstständigkeit bei Alltagstätigkeiten, die gesundheitsbezogene Lebensqualität sowie Stimmung und Kognition?“, so Werthmann. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer müssen bereit sein, über sechs Monate regelmäßig zu den Therapiestunden zu kommen und zwischendurch zu Hause zu üben. Zudem muss täglich ein Kreuz in einen Dokumentationsbogen eingetragen werden, es gibt monatlich ein Telefonat mit der Studienzentrale und insgesamt vier Untersuchungen im Studienzeitraum. Auch Menschen mit wenig Bewegungserfahrung und Menschen, die sonst eher eine zurückgezogene Lebensweise pflegen, sind willkommen. Die Teilnahme ist freiwillig und kostenlos. Auf hohe wissenschaftliche und ethische Qualität wird in der Studie streng geachtet.
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