Kann eine Immuntherapie ALS heilen?

Dreidimensionale Illustration der Degeneration eines Motoneuros. (Quelle: © Dr_Microbe stock.adobe.com)

Forscher identifizieren Alpha-5-Integrin als molekularen Link zwischen inflammatorischen ­Prozessen und der Pathobiologie der ALS. Ein Antikörper könnte daher ein Therapieansatz sein.

Mithilfe eines monoklonalen Antikörpers, der sich gegen Alpha-5(α5)-Integrin richtet und in der Krebs­forschung ­bereits getestet wurde, ist es Forschenden der Oregon Health & ­Science University in Portland, USA, gelungen, das Fortschreiten der Amyotrophen Lateralsklerose (ALS) im Mausmodell aufzuhalten.

Die Forschungsarbeit basiert auf der Erkenntnis, dass bei der ALS Mikrogliazellen und periphere Makrophagen am Fortschreiten der Erkrankung und der Degeneration der Moto­neurone beteiligt sind. Mithilfe der Massenzytometrie (CyTOF) identifizierten die Forschenden α5-Integrin in Mikroglia und peripheren Nervenmakrophagen mit ausgeprägten pro­inflammatorischen Eigenschaften im Superoxid-Dismutase-1 G93A-Mausmodell der ALS (SOD1G93A).

Untersuchungen zur Verteilung von α5-Integrin in menschlichem Autopsiematerial von ALS-Patienten (sporadische und genetische Formen von ALS, einschließlich C9ORF72, SOD1, TARDBP und TBK1) und in SOD1G93A-Mäusen zeigten eine auffällige räumliche Zonierung der α5-Integrin-Expression, die auf den primären motorischen Kortex und das Rückenmark beschränkt war, während sie in sensorischen Bahnen und sensorischen Neuronen nur spärlich vorhanden war. Dies deute darauf, dass α5-Integrin bei ALS-Patienten vorwiegend von Mikroglia und Endothelzellen exprimiert wird, erklärten die Forscher.

Die Hypothese der Wissenschaftler lautete daher, dass die Verabreichung eines monoklonalen Antikörpers gegen α5-Integrin an SOD1G93A-Mäuse die motorischen Funktionen der Tiere schützen, das Fortschreiten der Krankheit verzögern und das Überleben der Mäuse verlängern könnte. Und tatsächlich fanden die Forscher bei Versuchstieren, denen sie den Antikörper verabreicht hatten, eine bessere ­Motorik, einen besseren Allgemeinzustand und weniger Symp­tome sowie ein längeres Überleben als bei Kontrolltieren.

„Als wir die Expression von α5-Integrin in unseren Versuchstieren blockierten, konnten wir die Krankheit tatsächlich verlangsamen“, erklärte Bahareh Ajami, Ph.D., Assistenzprofessorin für molekulare Mikrobiologie und Immunologie und Verhaltensneurowissenschaften an der OHSU School of Medicine. „Zum jetzigen Zeitpunkt können wir nicht sagen, dass der Antikörper ein Heilmittel für ALS ist, aber es ist ein sehr interessanter Anfang“, ergänzte die Forscherin.