Kardiale Dysfunktion nach Brustkrebs: Rolle der kardiotoxischen Therapie und kardiovaskuläre Risikofaktoren

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Diverse Brustkrebs-Therapien wirken bekanntlich kardiotoxisch. Dazu zählen Anthrazykline, Trastuzumab/Pertuzumab und Bestrahlung.

Da bisher wenig über die langfristigen Risiken bekannt war, konnten keine Leit­linien zur Überwachung der Über­lebenden entwickelt werden. Eine aktuelle Studie spricht nun für eine echokardiographische Über­wachung über mehrere Jahre nach kardio­toxischer Therapie. Zudem sollte untersucht werden, was es in punkto Risiko­minimierung bringt, kardio­vaskuläre Risikofaktoren zu kontrollieren, ergänzen die Forscher um Dr. Geoffrey Bostany vom Institute for Cancer Outcomes and Survivorship in ­Birmingham, USA.

In ihrer Studie unter­zogen sich Brustkrebspatientinnen nach Abschluss einer kardiotoxischen Therapie alle 2 Jahre einem echokardiographischen Screening. Dabei wurde eine neu aufgetretene kardiale Dysfunktion als links­ventrikuläre Ejektionsfraktion (LVEF) <50% nach Beginn der kardio­toxischen Therapie definiert, die früh oder spät auftreten konnte.

Das Team wertete 2808 Echo­kardiogramme von 829 Frauen aus. Wie die Autoren berichten, betrugen das mediane Alter bei der Brustkrebsdiagnose 54,2 Jahre (Spanne 20,3–86,3) und das mediane Follow-up 8,6 Jahre (Spanne 1,8–39,8). Von den Teil­nehmerinnen erhielten 39,7 % Anthrazykline, 16 % Trastuzumab/Pertuzumab, 6,2 % sowohl Anthrazykline als auch Trastuzumab/Pertuzumab und 38,1 % lediglich eine Bestrahlung.

Bei der kumulativen Inzidenz kardialer Dysfunktion verzeichneten die Forscher – ab Beginn der kardiotoxischen Therapie – einen Anstieg von 1,8 % nach 2 Jahren auf 15,3 % nach 15 Jahren. Die multivariable Cox-Regressionsanalyse ergab die folgenden Risikofaktoren: nichthispanisch schwarz (HR 2,15; 95 %-KI 1,37–3,38), kardiotoxische Therapien (Anthrazykline: HR 2,35; 95 %-KI 1,25–4,4; Anthrazykline und Trastuzumab/Pertuzumab: HR 3,92; 95-KI 1,74–8,85; Referenz: alleinige Bestrahlung der linken Brust), selektive Östrogenrezeptor-Modulatoren (HR 2,0; 95 %-KI 1,2–3,33) und vor der Krebserkrankung bestehende Hypertonie (HR 3,16; 95 %-KI 1,63–6,1).

Spät trat eine kardiale Dysfunktion am häufigsten bei Patientinnen auf, die gegenüber Anthrazyklinen und Bestrahlung exponiert waren, früh am häufigsten bei jenen, die Anthrazykline und Trastuzumab/Pertuzumab erhielten. Unter denjenigen, deren Behandlung Trastuzumab/Pertuzumab umfasste, war die Prävalenz sowohl früh als auch spät einsetzender kardialer Dysfunktion gleich. Adjustierte Längsschnittanalysen hätten eine jähr­liche Abnahme der LVEF um 0,29 % (p=0,009) über 20 Jahre nach der Brustkrebsdiagnose gezeigt, ergänzt das Team. (sf)

Autoren: Bostany G et al.
Korrespondenz: Dr. Smita Bhatia; [email protected]
Studie: Cardiac Dysfunction Among Breast Cancer Survivors: Role of Cardiotoxic Therapy and Cardiovascular Risk Factors
Quelle: J Clin Oncol 2025;43(1):32–45.
Web: doi.org/10.1200/JCO.23.01779