Kardiometabolische Erkrankungen erhöhen das Demenzrisiko15. September 2022 © Robert Kneschke – stock.adobe.com (Symbolbild) Individuelle kardiometabolische Störungen und genetische Faktoren sind mit einem erhöhten Demenzrisiko assoziiert. Eine Arbeitsgruppe aus England und den USA untersuchten nun, ob kardiometabolische Erkrankungen das Demenzrisiko unabhängig vom genetischen Risiko erhöhen. Erstautor Xin You Tai und Kollegen analysierten Gesundheits- und genetische Daten von 203.038 Teilnehmern der UK Biobank europäischer Abstammung, die bei der Erstuntersuchung ≥60 Jahre alt waren, und keine Demenz aufwiesen. Die Nachbeobachtung erfolgte im Median über 12 Jahre. In einer Stichprobe von 12.236 Teilnehmern begutachteten sie zudem strukturelle Hirnveränderungen. Für jeden Teilnehmer berechneten die Wissenschaftler einen kardiometabolischen Multimorbiditätsindex bestehend aus Schlaganfall, Diabetes und MI (jeweils 1 Punkt) sowie einen polygenen Risikoscore für Demenz (niedriges, mittleres und hohes Risiko). Im Ergebnis war das mit einer hohen kardiometabolischen Multimorbidität verbundene Demenzrisiko 3-mal so hoch wie das mit einem hohen genetischen Risiko assoziierte (HR 5,55; 95%-KI 3,39–9,08; p<0,0001 bzw. HR 1,68; 95%-KI 1,53–1,84; p<0,0001). Teilnehmer mit einem hohen genetischen Risiko und einem kardiometabolischen Multimorbiditätsindex ≥2 hatten ein erhöhtes Risiko, an Demenz zu erkranken (HR 5,74; 95%-KI 4,26–7,74; p<0,0001), verglichen mit jenen mit niedrigem genetischen Risiko und ohne kardiometabolische Erkrankungen. „Von zentraler Bedeutung ist, dass wir keine Wechselwirkung zwischen kardiometabolischer Multimorbidität und polygenem Risiko fanden (p=0,18)“, heben die Autoren hervor. Die kardiometabolische Multimorbidität war zudem unabhängig mit umfangreicheren, weit verbreiteten strukturellen Veränderungen des Gehirns verbunden, einschließlich eines geringeren Volumens des Hippocampus (p<0,0001) und des Gesamtvolumens der grauen Substanz (p<0,0001). Fazit Offenbar haben kardiometabolische Erkrankungen einen stärkeren Einfluss auf die Entwicklung einer Demenz und damit einhergehende strukturelle Veränderungen im Gehirn als genetische Faktoren. Eine gezielte Behandlung kardiometabolischer Erkrankungen könnte den Autoren zufolge dazu beitragen, das Demenzrisiko unabhängig vom genetischen Risiko zu senken. (ah) Autoren: Tai XY et al. Korrespondenz: Xin You Tai; [email protected] Studie: Cardiometabolic multimorbidity, genetic risk, and dementia: a prospective cohort study Quelle: Lancet Healthy Longev 2022;3(6):e428–e436. Web: https://doi.org/10.1016/S2666-7568(22)00117-9
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