Kardiovaskuläre Todesfälle bei extremen Temperaturen2. Mai 2023 © mbruxelle – stock.adobe.com (Symbolbild) Der Zusammenhang zwischen extremer Hitze oder Kälte und vermehrten kardiovaskulären Todesfällen ist nicht neu. Welche kardiovaskulären Erkrankungen im Speziellen für die gesteigerte Mortalität verantwortlich sind, ermittelten internationale Forscher unter Leitung von Barrak Alahmad von der Harvard T.H. Chan School of Public Health in Boston (USA). Für ihre Analyse werteten die Forschenden Daten aus 567 Städten in 27 Ländern auf 5 Kontinenten in einem Gesamtzeitraum von 40 Jahren (1979–2019) aus. Stadtspezifische tägliche Umgebungstemperaturen gewannen sie aus Wetterstationen und Klimareanalysemodellen. Zur Untersuchung der Assoziationen zwischen kardiovaskulärer Sterblichkeit und extrem heißen und kalten Temperaturen wandten sie in jeder Stadt Case-Crossover-Modelle an und führten anschließend eine Metaanalyse mit gemischten Effekten durch, um die Schätzungen der einzelnen Städte zusammenzufassen. Perzentile der Extremtemperaturen verglichen die Verfasser der Studie mit der „minimalen Sterblichkeitstemperatur“ (d. h. der Temperatur, die mit der geringsten Sterblichkeit verbunden war) an jedem Ort. Die Analysen umfassten Todesfälle aller kardiovaskulären Ursachen (32.154.935), ischämische Herzkrankheit (11.745.880), Schlaganfall (9.351.312), Herzinsuffizienz (3.673.723) und Herzrhythmusstörungen (670.859). Bei den extremen Temperaturperzentilen waren sowohl Hitze (99. Perzentil) als auch Kälte (1. Perzentil) mit einem höheren Risiko verbunden, an einer dieser Ursachen (außer Herzrhythmusstörungen) zu versterben, verglichen mit der minimalen Sterblichkeitstemperatur. Die überzähligen Todesfälle berechneten Alahmad et al. für eine Reihe von Tagen mit extremen Temperaturen. Dabei waren heiße Tage (>97,5. Perzentil) und kalte Tage (<2,5. Perzentil) für 2,2 (95% empirisches KI [eKI] 2,1–2,3) bzw. 9,1 (95%-eKI 8,9–9,2) zusätzliche Todesfälle/1000 kardiovaskulärer Todesfälle verantwortlich. Herzinsuffizienz war mit 2,6 (95%-eKI 2,4–2,8) bzw. 12,8 (95%-eKI 12,2–13,1) zusätzlichen Todesfällen/1000 Herzinsuffizienz-bedingten Todesfällen mit dem höchsten Anteil an überzähligen Todesfällen an extrem heißen und kalten Tagen verbunden. Fazit In der großen, multinationalen Stichprobe war die Exposition gegenüber extremen heißen und kalten Temperaturen mit einem höheren Sterblichkeitsrisiko aufgrund mehrerer häufiger Herz-Kreislauf-Erkrankungen assoziiert. Patienten mit Herzinsuffizienz scheinen aber besonders anfällig für extreme Temperaturen zu sein. Die Zusammenhänge müssten in der heutigen Zeit und insbesondere unter den Bedingungen des Klimawandels gründlich untersucht werden, resümieren die Forschenden. (ah) Autoren: Alahamad B et al. Korrespondenz: Barrak Alahmad; [email protected] Studie: Associations Between Extreme Temperatures and Cardiovascular Cause-Specific Mortality: Results From 27 Countries Quelle: Circulation 2023;147(1):35–46. Web: https://doi.org/10.1161/CIRCULATIONAHA.122.061832
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