Kardiovaskuläres Risiko durch Süßstoff26. November 2024 © Danijela – stock.adobe.com (Symbolbild) Kalorienarme Süßstoffe sind weit verbreitete Zuckerersatzstoffe in verarbeiteten Lebensmitteln, denen ein gesundheitlicher Nutzen nachgesagt wird. Viele kalorienarme Süßstoffe sind Zuckeralkohole, die auch endogen produziert werden, allerdings in Mengen, die mehr als 1000-mal niedriger sind als die, die nach dem Verzehr als Zuckerersatz beobachtet werden. Negative Auswirkungen des Zuckerersatzstoffes Xylit auf das kardiovaskuläre System entdeckte nun eine Forschergruppe um Marco Witkowski von der Charité – Universitätsmedizin Berlin und der Cleveland Clinic in Ohio (USA). Sie schreibt Xylit zu, das Risiko für schwere unerwünschte kardiovaskuläre Ereignisse (MACE) sowie die Thrombozytenreaktivität und das Thrombosepotenzial zu erhöhen. Die Forscher sammelten Nüchternplasmaproben von einer Entdeckungskohorte mit 1157 konsekutiven stabilen Probanden, die sich elektiven diagnostischen Herzuntersuchungen unterzogen. Auf Basis ungezielter Metabolomics-Studien brachten sie Xylit mit dem MACE-Risiko (3 Jahre) in Verbindung. In einer nichtüberlappenden Validierungskohorte mit 2149 Probanden führten Witkowski und Kollegen anschließend Analysen mit stabiler Isotopenverdünnung durch Flüssigchromatographie-Tandem-Massenspektrometrie (LC-MS/MS) für Xylit (und nicht für seine strukturellen Isomere) durch. Diese bestätigten die Assoziation mit dem MACE-Risiko (bereinigte HR 3. vs. 1. Tertil 1,57; 95%-KI 1,12-2,21; p<0,01). In ergänzenden Studien mit isolierten menschlichen Blutplättchen, plättchenreichem Plasma, Vollblut und Tiermodellen untersuchten die Forscher außerdem die Wirkung von Xylit auf die Thrombozytenreaktivität und die Thrombusbildung in vivo. Sie zeigten, dass Xylit mehrere Indizes der Thrombozytenreaktivität und der In-vivo-Thrombosebildung in einer Weise erhöht, die im Nüchternplasma beobachtet wurde. Schließlich führten die Wissenschaftler eine Interventionsstudie durch, um die Auswirkungen des Xylit-Konsums auf die Thrombozytenfunktion bei gesunden Freiwilligen (n=10) zu bewerten. Darin erhöhte der Verzehr eines mit Xylitol gesüßten Getränks die Plasmaspiegel deutlich und steigerte bei allen Probanden mehrere funktionelle Messgrößen der Thrombozytenreaktivität. FazitXylit wird mit einem erhöhten MACE-Risiko in Verbindung gebracht. Außerdem erhöhte Xylit sowohl die Thrombozytenreaktivität als auch das Thrombosepotenzial. Die Studienautoren heben hervor, dass die kardiovaskuläre Sicherheit von Xylit in weiteren Studien untersucht werden sollte. (ah) Autoren: Witkowski M et al.Korrespondenz: Stanley L Hazen; [email protected]Studie: Xylitol is prothrombotic and associated with cardiovascular risk Quelle: Eur Heart J 2024;45(27):2439–2452.Web: https://doi.org/10.1093/eurheartj/ehae244
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