Karneval: Tiere weder verkleiden noch zu Umzügen mitnehmen11. Februar 2026 (Symbolbild) Foto: © Drazen – stock.adobe.com Der Deutsche Tierschutzbund warnt in einer Mitteilung ausdrücklich davor, Haustiere zu verkleiden oder als „Accessoire“ in das bunte Karnevalstreiben einzubeziehen. Auch ruft der Tierschutzbund Städte und Veranstalter auf zu pferdefreien Umzügen. Für viele Hunde, Katzen und andere Haustiere bedeutet Karneval vor allem Stress: Laute Musik, Menschenmassen und Kostüme können Angst und Unsicherheit auslösen. Zudem sorgen Kostüme dafür, dass Tiere missverstanden werden. Tiere sind kein Accessoire zur Selbstdarstellung „Tiere sind keine Karnevalsrequisite – egal, ob für ein Social-Media-Foto, für ein Video oder beim Straßenumzug. Was für manche Menschen Spaß ist, bedeutet für viele Hunde und Katzen puren Stress. Kostüme schränken sie in ihrer Bewegungsfreiheit und bei der Kommunikation ein und können Angst auslösen oder sogar gefährlich werden“, sagt Nina Brakebusch, Fachreferentin beim Deutschen Tierschutzbund. „Wer sein Haustier liebt, respektiert seine Bedürfnisse – und lässt es auch an Karneval einfach Tier sein.“ Karnevalsumzüge und –sitzungen sind aufgrund der Menschenmengen und der hohen Lautstärke nichts für Tiere. Diese Veranstaltungen sollten daher grundsätzlich ohne Tiere besucht werden. Kostüme behindern die Körpersprache der Tiere Hunde, Katzen aber andere Haustiere kommunizieren mit ihren Artgenossen vor allem über ihre Körpersprache. Kostüme, die Rücken, Ohren oder Schwanz verdecken, schränken diese wichtige Form der Kommunikation erheblich ein. Signale, wie aufgestellte Nackenhaare oder Bewegungen von Ohren und Schwanz, die womöglich Angst- oder Drohverhalten zeigen, können nicht mehr richtig gezeigt und wahrgenommen werden. Dadurch steigt das Risiko von Missverständnissen sowohl im Kontakt mit Artgenossen als auch mit Menschen. Materialien von Tierkostümen bergen Risiken Ungewohnte Kleidung am Körper wird von vielen Tieren als bedrohlich und unangenehm empfunden. Kostüme können scheuern, die Atmung behindern oder die Temperaturregulation stören. Zudem besteht die Gefahr, dass Tiere an Bändern, Knöpfen oder kleinen Accessoires kauen und diese verschlucken. Viele der verwendeten Materialien in Kostümen enthalten Substanzen, die für Tiere giftig sein können, wie der Deutsche Tierschutzbund erklärt. Auch allergische Reaktionen und Strangulationsgefahr sind nicht auszuschließen. Tierschutzbund appelliert für pferdefreie Umzüge Städte, Veranstalter und Festkomitees werden aufgefordert, bei Karnevalsumzügen auf Pferde zu verzichten. Die Tiere geraten im Trubel schnell unter Stress: Lärm, Menschenmengen und ständig wechselnde Reize können Fluchtreaktionen auslösen. Das birgt Risiken für die Tiere und für die Menschen am Zugweg. Unfälle mit Pferdekutschen in der Vergangenheit zeigen die Gefahr deutlich. Auch Reiter auf Pferden sind im Kölner Rosenmontagszug im Einsatz. Foto: © Deutscher Tierschutzbund e.V. „Karnevalsumzüge schaffen Situationen, die für Pferde unvorhersehbar sind. Gedränge, laute Musik oder ein plötzlicher Griff ans Tier können ausreichen, damit ein Pferd scheut, anzieht oder durchgeht. Das gefährdet alle, die danebenstehen oder mitlaufen“, sagt Andrea Mihali, Expertin für Pferde beim Deutschen Tierschutzbund. Viele Umzüge führten durch enge Innenstädte, begleitet von Rufen aus der Menge, Trommeln und Musik. Kostüme, Fahnen und Konfetti verändern ständig das Bild. Dazu kommen Gerüche, etwa durch Rauch, Alkohol oder Essen. Auch für trainierte Pferde ist diese Vielzahl an Reizen herausfordernd. Ausweichen ist für die Pferde in solchen Momenten nicht möglich. Leitlinien und Training lösen das Grundproblem nicht In Karnevalshochburgen wie Köln oder Düsseldorf verweisen Befürworter von Umzügen mit Pferden auf die im Jahr 2022 eingeführten Leitlinien des Ministeriums für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz in Nordrhein-Westfalen. Diese sehen unter anderem mehrere Punkte an der Zugsstrecke vor, an denen Pferde bei Bedarf aus dem Umzug genommen werden können. Zudem sollen die Pferde regelmäßig auf ihren Einsatz vorbereitet werden – zum Beispiel, indem sie an bestimmte Reize wie Wurfmaterial, Lärm oder Flatterbänder gewöhnt werden. Doch auch diese Maßnahmen ändern nichts an der Tierschutzproblematik. Menschenmengen bleiben unberechenbar. In diesem Falle existiere kein vernünftiger Grund, die Pferde solchen stressigen Erfahrungen auszusetzen, so der Deutsche Tierschutzbund. Pferdefreie Umzüge wie in Bonn funktionieren Ob ein Pferd überfordert ist, lässt sich nicht immer zuverlässig erkennen. Die Tiere können zunächst noch äußerlich ruhig wirken, obwohl sie bereits unter starker Anspannung stehen. Im Trubel können die feinen Signale eines Pferdes leicht übersehen werden. Verantwortliche müssen in Sekunden entscheiden, ob ein Tier noch kontrollierbar bleibt, während der Umzug weiterläuft. Grundsätzlich braucht Karneval keine Tiere. Musikzüge, Fußgruppen, Tanzformationen und Wagen sorgen auch ohne Pferde für Stimmung. Städte wie Bonn zeigen bereits, dass pferdefreie Umzüge funktionieren. Der Deutsche Tierschutzbund ruft dazu auf, Pferde aus den Zugplänen zu streichen. So lassen sich Unfallrisiken senken und Tiere vor vermeidbaren Extremsituationen schützen, die allein der Unterhaltung dienen.
Mehr erfahren zu: "Der Verlust von Haustieren und das Tabu des Todes" Der Verlust von Haustieren und das Tabu des Todes Das Schweigen brechen. Forschende der Veterinärmedizinischen Universität Wien haben ein oft übersehenes Thema im Rahmen einer aktuellen Studie untersucht. Sie haben den Tod von Haustieren in der gegenwärtigen Gesellschaft in […]
Mehr erfahren zu: "Fallserie: Totalendoprothese nach Femurkopfhalsresektion beim Hund" Fallserie: Totalendoprothese nach Femurkopfhalsresektion beim Hund In einem Gastbeitrag, der in KOMPAKT VETMED 05/2025 erschienen ist, hat Dr. Diane Meiler die Totalendoprothese des Hüftgelenks bei drei Hunden mit vorausgegangener Femurkopfhalsresektion (FKHR) vorgestellt.
Mehr erfahren zu: "Wegen Ressourcenkonkurrenz? Forschende beobachten Welpentötung bei einer Hündin" Wegen Ressourcenkonkurrenz? Forschende beobachten Welpentötung bei einer Hündin Forschende der Vetmeduni und der Universität Hildesheim haben erstmals direkt beobachtet, dass eine frei lebende Hündin, „Fig“ genannt, die Welpen eines verwandten Rudelmitglieds tötete und teilweise fraß.