Katarakt-Operation verbessert Fahrsicherheit im Alter1. Juli 2021 PD Claus Zehetner, stellvertretender interimistischer Direktor der Universitätsaugenklinik Innsbruck. Foto: T. Mair/MUI Das Kontrastsehen hat einen großen Einfluss auf die Reaktionszeit von Autofahrern. Mit zunehmendem Alter entwickelt nahezu jeder Mensch eine Katarakt. Ein Team um PD Claus Zehetner, stellvertretender interimistischer Direktor der Universitätsklinik für Augenheilkunde und Optometrie der Medizinischen Universität Innsbruck, fand heraus, dass durch eine beidseitige Kataraktoperation die Fahrsicherheit älterer Verkehrsteilnehmer deutlich erhöht wird.Die Fähigkeit, ein Fahrzeug zu lenken, ist für viele ältere Menschen wichtig, um ein unabhängiges Leben führen zu können. Doch oft ist der Graue Star die Ursache, dass die ältere Generation im Straßenverkehr das Nachsehen hat. Experten gehen davon aus, dass von einer Katarakt betroffene Autofahrer doppelt so oft in Kollisionen verwickelt sind wie Autofahrer, die sich einer Kataraktoperation unterzogen haben. Mediziner an der Universitätsklinik für Augenheilkunde und Optometrie unter der Leitung von Zehetner haben in einer Studie, die im Fachjournal „Acta Ophtalmologica“ publiziert wurde, gezeigt, dass ein beidseitiger Linsenersatz sowohl die Sehschärfe als auch das Kontrastsehen wesentlich verbessert. Anhand eines experimentellen Fahrsimulators stellten sie fest, dass sich Reaktions- und Bremszeit der behandelten Probanden wesentlich verbessert haben. „Die Ergebnisse dieser Studie unterstreichen die Bedeutung der Kataraktoperation für die Straßenverkehrssicherheit älterer Verkehrsteilnehmer“, sagt Zehetner.Bremsweg verkürzt sich um eine ZebrastreifenbreiteInsgesamt nahmen 107 Führerscheinbesitzer an der Studie teil. Alle absolvierten eine Sehprüfung und eine Fahrsimulation an einem von der Innsbrucker Universitätsklinik für Orthopädie und Traumatologie entwickelten und geeichten Autositz samt Pedalen. Hierbei wurde neben der Sehkraft und dem Kontrastsehen auch die neurologische und die Gesamtreaktionszeit getestet. Bei 53 Studienteilnehmern wurde eine beidseitige Kataraktoperation durchgeführt und einen Monat danach erneut getestet. Es zeigte sich, dass sich der Bremsweg bei den operierten Führerscheinbesitzern im Vergleich zu den nicht operierten bei einer Ausgangsgeschwindigkeit von 50 Kilometern pro Stunde um eine Zebrastreifenbreite (2,3 m) verkürzte. Die Patienten wiesen nach der Operation ein verbessertes Kontrastsehen gegenüber den Teilnehmern in der Vergleichsgruppe auf.„Aus wissenschaftlicher Sicht ist für uns neu, dass das Kontrastsehen einen derart großen Einfluss auf die Reaktionszeit hat. Die erhöhte Blendempfindlichkeit bei einer Katarakt fließt eklatant in die Bremszeit mit ein“, sagt Zehetner. Ihm zufolge heben die Studienergebnisse die Notwendigkeit hervor, bei älteren Verkehrsteilnehmern das Kontrastsehen in die Behandlungsentscheidung vor einer Kataraktoperation miteinzubeziehen.Originalpublikation:Bilateral cataract surgery improves neurologic brake reaction time and stopping distance in elderly drivers. https://doi.org/10.1111/aos.14748Weitere Informationen unter: https://www.youtube.com/watch?v=ikVkAZ349u0
Mehr erfahren zu: "Digitalisierungspläne: BVA kritisiert Referentenentwurf des GeDIG" Digitalisierungspläne: BVA kritisiert Referentenentwurf des GeDIG Im Hinblick auf den Referentenentwurf des Gesetzes für Daten und digitale Innovationen im Gesundheitswesen (GeDIG) warnt der Berufsverband der Augenärztinnen und Augenärzte Deutschlands (BVA) vor Untergrabung der Autonomie der Ärzte.
Mehr erfahren zu: "Boehringer Ingelheim stoppt Investitionen in Deutschland" Boehringer Ingelheim stoppt Investitionen in Deutschland 900 Millionen Euro, die eigentlich für hiesige Standorte des Pharma-Konzerns Boehringer Ingelheim vorgesehen waren, werden nun in anderen Weltregionen investiert. Der Unternehmenschef wählt klare Worte.
Mehr erfahren zu: "KI: Neuer Trainingsansatz stärkt künstliche Sehsysteme" KI: Neuer Trainingsansatz stärkt künstliche Sehsysteme Künstliche Intelligenz (KI) wird immer größer, datenhungriger und rechenintensiver. Doch eine neue Studie der Universität Osnabrück zeigt: Für robustes Sehen ist größer nicht immer besser. Entscheidend kann vielmehr sein, wie […]