Katarakt und andere Augenerkrankungen: Neue Herausforderungen im Alter

Kataraktoperation.Symbolbild:©Oktay-stock.adobe.com

Infolge der immer älter werdenden Bevölkerung treten zunehmend mehrere Augenerkrankungen gleichzeitig auf. Welche Herausforderungen damit verbunden sein können, erklärte Prof. Marcus Blum auf der Kongress-Pressekonferenz der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG).

Die Katarakt ist die weltweit häufigste Ursache für den Verlust von Sehvermögen. Jeder Mensch ist irgendwann von der Katarakt betroffen, zumindest wenn man alt genug wird. Denn die Eintrübung der Augenlinse ist altersbedingt, wie Blum (Erfurt) eingangs erörterte.

Überschneidungen von Katarakt und anderen Augenerkrankungen

Wie der Ophthalmologe weiter berichtete, wurden bereits in der Antike Operationen an der eingetrübten Augenlinse vorgenommen. Trotz zahlreicher Versuche gebe es bis heute aber keine medikamentöse oder sonstige nicht chirurgische Behandlungsoption. Standardtherapie sei heute der Ersatz der eingetrübten Linse durch eine Kunstlinse. In früheren Jahrhunderten hingegen wurde nur die Linse entfernt. Das Auge verblieb aphak und die fehlende Brechkraft musste durch sehr dicke Brillengläser korrigiert werden.

Mit der Alterung der Bevölkerung nehmen laut Blum auch die Fälle zu, in denen sich die Kataraktoperation mit anderen Augenerkrankungen überschneidet. Die Chirurgie an der Augenlinse stehe damit in einer Wechselwirkung mit anderen chirurgischen Eingriffen am gleichen Auge.

Phakoemulsifikation kann Zustand am geschwächten Endothel verschlechtern

Blum zufolge gibt es beispielsweise häufiger Patienten, bei denen neben der Katarakt Veränderungen der Hornhaut vorliegen. Insbesondere Schäden am Endothel könnten zu einer Eintrübung und Verdickung der Hornhaut infolge einer Wassereinlagerung führen. Blum wies darauf hin, dass dieser Zustand durch eine Phakoemulsifikation verschlechtert werden könne. Daher werde diskutiert, ob zunächst die Hornhaut und anschließend die Linse oder umgekehrt operiert werden sollte – oder ob eine Kombination beider Eingriffe in einer Operation möglich sei. „Welche Vorgehensweise dort die beste und erfolgversprechendste ist, ist zurzeit aber noch Gegenstand der wissenschaftlichen Diskussion“, ergänzte Blum.

Individuelle Entscheidung notwendig

Gleiches gilt für die häufige Kombination aus Katarakt und Glaukom. Bei einer Glaukom-Operation soll der Augendruck gesenkt werden und auf den ersten Blick erscheint die Operation der Linse mit einer gleichzeitigen Senkung des Augendrucks sehr attraktiv. Der Nachteil einer kombinierten Operation ist laut Blum weniger die technische Durchführung, sondern liege in der nach der Operation stattfindenden Wundheilung. Er erörterte, dass die Biologie der Entzündungsreaktion klaren Regeln folgt und die Kombination von zwei Eingriffen zu einer zusätzlicher Entzündungsbelastung führt. Hier sei eine individuelle Entscheidung bei jedem einzelnen Patienten notwendig. „Da ist also nicht nur die Operationstechnik wichtig, sondern auch die Nachbetreuung der Patienten“, betonte Blum.

Erfolg der Linsenoperation von Funktion der Netzhautmitte abhängig

Bei der Kombination von Grauem Star mit einer gleichzeitig bestehenden alterskorrelierten Makuladegeneration (AMD) sei der Erfolg der Linsenoperation von der verbleibenden Funktion der Netzhautmitte abhängig. Ist die Linsentrübung deutlich und die Netzhaut noch funktionstüchtig, kann Blum zufolge mit gutem Erfolg operiert werden. Sei die Funktion der Netzhaut sehr schwer beeinträchtigt und die Linsentrübung nur mäßig, werde das Ergebnis der Operation den Patienten beziehungsweise die Patientin mit großer Wahrscheinlichkeit enttäuschen. „Die Bildauflösung durch die optimale Linse kann nur so gut sein, wie die Netzhaut sozusagen noch Pixel hat“, fasste Blum abschließend zusammen.

(sas/BIERMANN)