Katheterbehandlung auch bei schweren Schlaganfällen wirksam17. Oktober 2023 Prof. Götz Thomalla (Foto: © UKE) Auch bei schweren Schlaganfällen zeigt die Thrombektomie Erfolge. Bei knapp 20 Prozent der so behandelten Patienten konnte durch ein entsprechendes Verfahren der Tod oder eine Pflegebedürftigkeit verhindert werden. Das ergab die erste Auswertung einer internationalen klinischen Studie unter Leitung des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) und des Universitätsklinikums Heidelberg (UKHD). Die von der Europäischen Union mit sechs Millionen Euro geförderte TENSION-Studie (Efficacy and safety of ThrombEctomy iN Stroke with extended leSION and extended time window: a randomized, controlled trial) wurde in 40 Schlaganfallzentren in acht Ländern Europas sowie in Kanada durchgeführt. Untersucht wurde die Behandlung von Patienten mit einem akuten ischämischen Schlaganfall, dem ein großer Gefäßverschluss zugrunde lag, der bereits zu einem größeren Infarktkern geführt hatte. Die Patienten wurden nach dem bei klinischen Studien üblichen Zufallsprinzip entweder der medikamentösen Standardtherapie oder zusätzlich einer endovaskulären Thrombektomie zugeteilt. Bislang wurde die Katheterbehandlung von Schlaganfallpatienten gemäß internationaler Leitlinien nur dann angewandt, wenn nachweisbar erst wenig Hirngewebe durch den Schlaganfall geschädigt worden war. Katheterbehandlung kann Krankheitsverlauf verbessern Im Zuge der Auswertung des Krankheitsverlaufs von 253 Patienten zeigte sich bei der zusätzlichen Katheterbehandlung 90 Tage nach Abschluss der Therapie ein deutlich besseres klinisches Ergebnis gemäß der modifizierten Rankin-Skala (mRS), die das Maß einer Behinderung nach einem Schlaganfall beschreibt. In der Gruppe mit zusätzlicher Katheterbehandlung waren deutlich mehr Patienten nach dem Schlaganfall nicht auf dauerhafte Hilfe angewiesen (2 % vs. 17 %); 31 Prozent waren selbstständig gehfähig (gegenüber 13 % in der Vergleichsgruppe). Der Anteil an Patienten, die in Folge des Schlaganfalls starben oder pflegebedürftig wurden, war in dieser Gruppe um fast 20 Prozent reduziert (69 % vs. 87 %), die Zahl der Todesfälle lag um elf Prozent niedriger (40 % vs. 51 %). Aufgrund der so bereits frühzeitig nachgewiesenen Wirksamkeit der endovaskulären Thrombektomie bei schweren Schlaganfällen wurde die Studie nach der ersten geplanten Zwischenanalyse vorzeitig beendet. „Die Ergebnisse der TENSION-Studie zeigen, dass eine Katheterbehandlung auch bei schweren Schlaganfällen wirksam ist. Diese Behandlungsmethode kann dazu beitragen, dass die betroffenen Patienten weniger Folgeschäden entwickeln und ein Leben in größerer Selbstständigkeit führen. Auf dieser Grundlage kann die Standardtherapie bei schweren Schlaganfällen erweitert und so die Patientenversorgung verbessert werden“, erklärte Studienkoordinator Prof. Götz Thomalla, Direktor der Klinik und Poliklinik für Neurologie des UKE. „Die TENSION-Studie leistet einen wichtigen Beitrag, um die akute Schlaganfallversorgung nachhaltig zu verbessern. Sie belegt eindrucksvoll den unmittelbaren Nutzen, den gut gemachte und international angelegte Studien für die Patientinnen und Patienten haben können“, ergänzte Prof. Martin Bendszus, klinischer Studienleiter von TENSION und Ärztlicher Direktor der Abteilung für Neuroradiologie am UKHD.
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