Kawasaki-Syndrom-ähnliche Erkrankung im italienischen COVID-19-Epizentrum2. September 2020 © fotogestoeber – stock.adobe.com Eine italienische Arbeitsgruppe berichtet, dass sie in der Provinz Bergamo eine 30-fach erhöhte Inzidenz von dem Kawasaki-Syndrom ähnlichen Erkrankungen beobachtet hat. Kinder, bei denen die Diagnose nach Beginn der COVID-19-Pandemie gestellt wurde, zeigten Anzeichen einer Immunantwort auf SARS-CoV-2, waren älter als zuvor betroffene Kinder, hatten eine höhere Rate an Herzbeteiligungen und Merkmale des Makrophagen-Aktivierungssyndroms (MAS). Die Wissenschaftler erwarten einen ähnlichen Ausbruch von dem Kawasaki-Syndrom ähnlichen Erkrankungen in Ländern, die ebenfalls von der COVID-19-Pandemie betroffen sind. In dieser Studie schienen sich die klinischen und biochemischen Merkmale von Patienten mit Kawasaki-Krankheit, die während der COVID-19-Pandemie diagnostiziert wurden, von der historischen Patientengruppe zu unterscheiden. Deshalb wurden die jüngeren Fälle als „Kawasaki-ähnlich“ bezeichnet. Für ihre Analyse teilten die Forscher alle Patienten, bei denen in den vergangenen 5 Jahren im Hospital Papa Giovanni XXIII (Bergamo) eine dem Kawasaki-Syndrom ähnliche Erkrankung diagnostiziert worden war, in einer Gruppe vor (Gruppe 1) oder nach dem Beginn der COVID-19-Pandemie ein. Fälle, die bei Präsentation dem Kawasaki-Syndrom ähnelten, wurden wie eben dieses gemäß den Empfehlungen der American Heart Association behandelt. Das Kawasaki-Schock-Syndrom (KDSS]) wurde durch das Vorhandensein einer Kreislaufstörung und des MAS nach den Kriterien der Pediatric Rheumatology International Trials Organization definiert. Die Ärzte suchten nach aktuellen oder stattgehabten Infektionen mittels Reverse-Transkriptase-Polymerase-Kettenreaktion in nasopharyngealen und oropharyngealen Abstrichen sowie anhand von serologischen qualitativen Test zum Nachweis von SARS-CoV-2-Antikörpern (Immunglobulin(Ig)-M bzw. IgG). Die Gruppe 1 umfasste 19 Patienten (7 Jungen, 12 Mädchen; Durchschnittsalter 3 Jahre [SD 2,5]), die zwischen dem 1. Januar 2015 und dem 17. Februar 2020 diagnostiziert wurden. Gruppe 2 bildeten 10 Patienten (7 Jungen, 3 Mädchen; Durchschnittsalter 7,5 Jahre [SD 3,5]), bei denen die Diagnose zwischen dem 18. Februar und dem 20. April 2020 gestellt wurde; 8 von 19 wurden positiv auf IgG oder IgM oder beides getestet. Die Gruppen unterschieden sich hinsichtlich der Krankheitsinzidenz (Gruppe 1: 0,3 vs. Gruppe 2: 10/Monat), des Durchschnittsalters (3 vs. 7,5 Jahre) und der Herzbeteiligung (2 von 19 vs. 6 von 10). Auch im Hinblick auf das KDSS (0 von 19 vs. 5 von 10) sowie MAS (0 von 19 vs. 5 von 10) und der Notwendigkeit einer zusätzlichen Steroidbehandlung (3 von 19 vs. 8 von 10; alle p<0,01) gab es Unterschiede. Fazit In der Provinz Bergamo wurde eine 30-fach erhöhte Inzidenz von dem Kawasaki-Syndrom ähnlichen Erkrankungen beobachtet. Kinder, bei denen die Diagnose nach Beginn der COVID-19-Pandemie gestellt wurde, zeigten Anzeichen einer Immunantwort auf SARS-CoV-2, waren älter als zuvor betroffene Kinder, hatten eine höhere Rate an Herzbeteiligungen und Merkmale des Makrophagen-Aktivierungssyndroms (MAS). (ac) Autoren: Verdoni L et al. Korrespondenz: Lorenzo D’Antiga; [email protected] Studie: An Outbreak of Severe Kawasaki-like Disease at the Italian Epicentre of the SARS-CoV-2 Epidemic: An Observational Cohort Study Quelle: Lancet 2020;395(10239):1771–1778. Web: https://doi.org/10.1016/S0140-6736(20)31103-X