Keimbahntestung beim Prostatakarzinom: Genetische Beratung durch den behandelnden Arzt ist effektiv20. Januar 2023 Genetische Beratung beim behandelnden Arzt könnte ein Weg sein, damit mehr Patienten eine Keimbahntestung erhalten. Foto: Gorodenkoff Die Indikationen für eine Keimbahntestung haben bei Patienten mit Prostatakarzinom (PCa) in den vergangenen 10 Jahren beträchtlich zugenommen. Doch es mangelt an ausreichend Beratungsmöglichkeiten für die Patienten. Eine Studie aus den USA zeigt nun, dass die genetischen Beratungen sehr effektiv von den behandelnden Ärzten durchgeführt werden könnten. Die Urologin Dr. Sophia M. Abusamra von der University of Michigan, Ann Arbor, USA, und ihre Kollegen schlossen in ihre Untersuchung Patienten mit metastasiertem oder lokalisiertem PCa ein, welche die Kriterien des National Comprehensive Cancer Network für eine genetische Testung erfüllten. Ihnen wurde im Rahmen ihrer klinischen Routineversorgung eine genetische Beratung durch ihren Urologen oder internistischen Onkologen angeboten. Gleichzeitig wurden sie gefragt, ob sie an der Studie “Germline Genetics in Prostate Cancer” teilnehmen möchten. Die Patienten, die zustimmten, füllten nach der genetischen Beratung durch den Arzt einen validierten Bewertungsbogen aus. Patienten, die sich für eine genetische Testung entschieden, füllten einen weiteren Bewertungsbogen aus, nachdem sie die Ergebnisse bekommen hatten. Der primäre Endpunkt war der Anteil an Patienten, der sich für eine Keimbahntestung entschied, mit einem Ziel von >60%. Der sekundäre Endpunkt war die Zufriedenheit der Patienten mit der Beratung, mit einem Ziel von >85%. Insgesamt wurden 275 Patienten in die Studie eingeschlossen und 203 (74%) entschieden sich für eine genetische Testung. 265 Patienten füllten den Bewertungsbogen nach der Beratung aus und 132 Patienten auch den Bogen nach Erhalt der Testergebnisse. Die Patientenzufriedenheit erwies sich als hoch, 98% gaben an, mit der Qualität der genetischen Beratung zufrieden gewesen zu sein. „Unsere Ergebnisse sprechen dafür, dass die ärztlich durchgeführte genetische Beratung beim PCa effektiv ist“, schreiben die Autoren. Mit einer entsprechenden Weiterbildung der Ärzte könne der Ansatz genutzt werden, um den Zugang zu einer angemessenen genetischen Keimbahntestung zu verbessern. Prof. Michael Stöckle, Direktor der Klinik für Urologie und Kinderurologie am Universitätsklinikum des Saarlandes und Herausgeber von Kompakt Urologie, ermutigt die Kollegen hierzulande, es ihnen gleichzutun: “Auch in Deutschland besteht ja nun die Möglichkeit, dass Urologen oder Onkologen, die eine Qualifikation zur fachgebundenen genetischen Beratung besitzen, diese Beratung für urologische Tumore durchführen.” (nec/ms)
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