Keimzelltumoren bei HIV-positiven Männern unter antiretroviraler Therapie: Gleiche Behandlung wie für HIV-negative Patienten empfohlen

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Eine aktuelle europäische Studie zeigt, dass Männer mit Keimzelltumoren (germ cell cancer, GCC), die wegen Infektion mit dem Humanen Immundefizienz-Virus (HIV) mittels antiretroviraler Kombinationstherapie (cART) behandelt werden (HIV-GCC), ähnliche Überlebensraten erreichen wie GCC-Patienten ohne HIV.

Prof. Marcus Ulrich Hentrich, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin III am Rotkreuzklinikum in München und seine Kollegen untersuchten Männer ≥18 Jahre mit HIV und einer histologisch gesicherten GCC-Diagnose. Ihr Ziel bestand darin, das Outcome von HIV-GCC im cART-Zeitalter zu bestimmen. Die primären Endpunkte waren OS und PFS.

Daten von 89 Männern mit insgesamt 92 HIV-GCCs (darunter 2 synchrone GCCs und 1 metachrones bilaterales GCC) wurden analysiert. Diese setzten sich zusammen aus 64 Seminomen (70%) und 28 Nicht­seminomen (30%). Das mediane Alter lag bei 36 Jahren, die mediane Zahl der CD4-Zellen (CD: cluster of differentiation) bei GCC-Diagnose betrug 420/µl und 77% der Patienten unter cART hatten eine HIV-RNA-Last <500 Kopien/ml. GCC im Stadium I wurde in 44/79 gonadalen GCCs (56 %) gefunden. Von 45 Fällen mit primär disseminiertem GCC wurden 78%, 18% und 4% den Gruppen mit guter, moderater bzw. schlechter Prognose nach Interna­tional Germ Cell Cancer Collaborative Group zugeordnet. Rezidive traten bei 14 Patienten auf. Insgesamt starben 12/89 Patienten (13%). Die Todesursachen waren refraktäres GCC (n=5), eine AIDS (acquired immune deficiency syndrome) definierende Krankheit (n=3) und andere Ursachen (n=4). Nach einer mittleren Nachbeobachtungszeit von 6,5 Jahren betrugen die 5- und 10-Jahres-Raten für das progressionsfreie Überleben (PFS) 81% bzw. 73% und die 5- und 10-Jahres-Raten für das Gesamtüberleben (OS) 91% bzw. 85%.

„Die 5- und 10-Jahres-PFS- und OS-Raten von Männern mit HIV-GCC waren ähnlich denen, die für HIV-negative Männer mit GCC berichtet wurden“, resümieren die Autoren und raten daher: „Patienten mit HIV-GCC sollten genauso behandelt werden wie HIV-negative Patienten.“

(ms)