Kein Nutzen: Postoperative Strahlentherapie beim nicht kleinzelligen Lungenkarzinom

Foto: © LIGHTFIELD STUDIOS/Adobe Stock

Eine postoperative Strahlentherapie (PORT) bei Patienten mit nicht kleinzelligem Lungenkrebs (NSCLC) nach vollständiger Resektion und nach (neo-)adjuvanter Chemotherapie ergibt keinen statistisch signifikanten Unterschied beim krankheitsfreien 3-Jahres-Überleben (DFS). Das zeigen Daten, die beim ESMO Virtual Congress 2020 vorgestellt wurden.1 Diese Ergebnisse gäben Onkologen eine Antwort, auf die sie lange gewartet hätten, so die European Society of Medical Oncology (ESMO).

Über die PORT bei Patienten mit vollständig reseziertem NSCLC ist im Hinblick auf Betroffene mit Beteiligung der mediastinalen Lymphknoten (pN2) lang diskutiert worden, seit eine Metaanalyse aus dem Jahr 19982 Zweifel an ihrem Nutzen aufgeworfen hatte. In jüngerer Zeit kamen jedoch eine bessere Selektion, eine (neo)adjuvante Chemotherapie bei Patienten mit einem resezierten Karzinom des Stadiums III sowie eine verbesserte Strahlentherapie hinzu. Zudem deuten neuere, nicht prospektive Studien darauf hin, dass eine moderne PORT das Outcome verbessern könnte.3,4,5,6,7

Somit bestand ein Bedarf an einer großen, randomisierten Studie, um die Rolle der modernen mediastinalen PORT bei richtig eingestuften und chirurgisch behandelten Patienten zu bewerten. Diese Studie liefert nun robustere Daten, die den Mediziner dabei unterstützen, die beste Vorgehensweise für solche Patienten zu bestimmen.

In der beim ESMO Virtual Congress 2020 vorgestellten Studie wurde die Rolle der modernen mediastinalen PORT bei Patienten mit vollständig reseziertem NSCLC mit histologisch/zytologisch nachgewiesener Lymphknotenbeteiligung untersucht. Insgesamt nahmen die Autoren 501 Patienten in die Intention-to-Treat-Analyse auf; davon erhielten 252 über einen Zeitraum von fünf Wochen eine PORT, 249 nicht (Kontrollarm). Eine Sicherheitsanalyse wurde bei 487 Patienten durchgeführt.

Das krankheitsfreie Überleben betrug 47,1 Prozent im PORT-Arm und 43,8 Prozent im Kontrollarm (statistisch nicht signifikant) bei einer Hazard Ratio von 0,85 (95%-Konfidenzintervall [KI] 0,67-1,07]; p=0,16) für Patienten, die eine PORT erhielten, im Vergleich zu den Kontrollen.

Das Gesamtüberleben nach drei Jahren betrug 66,5 Prozent (95%-KI 59-73) im PORT-Arm im Vergleich zu 68,5 Prozent (95%-KI 61-75]) im Kontrollarm.

Die Autorin der Studie, Dr. Cecile Le Pechoux, Radioonkologin am Institut Gustave Roussy in Paris (Frankreich), erklärte: „Eine PORT kann nicht für alle Patienten mit NSCLC im Stadium II und III mit Beteiligung der mediastinalen Lymphknoten empfohlen werden. Möglicherweise hilft sie jedoch einigen Patienten, da sie die Rate mediastinaler Rezidive um 50 Prozent senkt. Dies muss gegen das Risiko einer übermäßigen kardiopulmonalen Toxizität abgewogen werden. Wir müssen weitere Analysen durchführen, um festzustellen, ob ganz bestimmte Patienten davon profitieren könnten“, fügte sie hinzu.

Prof. Rafal Dziadziuszko, Radioonkologe an der Medizinischen Universität Danzig (Polen) kommentierte die Ergebnisse folgendermaßen: „Eine postoperative, auf das Mediastinum abzielende Strahlentherapie nach adjuvanter Chemotherapie sollte nicht als Standardbehandlung empfohlen werden. Dies wird die Behandlungspraxis in vielen Einrichtungen ändern, die bei diesen Patienten die Strahlentherapie als Standard eingeführt haben. Wir können mit Sicherheit sagen, dass sich dadurch kein Nettonutzen ergibt, aber mögliche Nachteile, was wir aus dieser Studie ablesen können. Sie zeigt, dass jegliche potenzielle Vorteile bei einigen Patienten durch ein überwiegendes höheres Risiko für kardiopulmonale Toxizitäten zunichte gemacht werden.“