Keine verbesserte Blutverlusttoleranz durch Ketamin30. Oktober 2020 Foto: © Getmilitaryphotos – Adobe Stock Eine niedrige intravenös verabreichte Ketamin-Dosis kann bei gesunden Menschen nicht die Blutverlusttoleranz verändern. Mit anderen Worten, wenn jemand Ketamin aufgrund der mit einer Verletzung verbundenen Schmerzen erhält, kann er den Blutverlust genauso gut bzw. schlecht tolerieren wie jemand, der kein Ketamin erhalten hat. Dies geht aus neuen Forschungsergebnissen hervor, die im Journal of Physiology veröffentlicht wurden. Mediziner der US-Armee geben Ketamin zur Schmerzlinderung bei Verletzungen im Einsatz. Solche Verletzungen gehen oft mit einem erheblichen Blutverlust einher. Ketamin wird außerdem bereits von zivilem medizinischem Personal, wie z. B. Rettungskräften, zur Schmerzkontrolle nach einem traumatischen Unfall verwendet. Es war jedoch noch wenig darüber bekannt, ob Ketamin die Fähigkeit eines Individuums verändert, einen schweren Blutverlust nach einer Verletzung besser zu tolerieren. Die neue von der US-Armee finanzierte Studie kam zu dem Ergebnis, dass die verabreichte Ketamin-Dosis die Fähigkeit einer Person, eine Simulation eines schweren Blutverlusts zu tolerieren, nicht verändert. Dieser Befund wurde sowohl bei gesunden Männern als auch bei Frauen festgestellt, die eine niedrige Dosis Ketamin (20 mg intravenös) erhielten. An der Studie nahmen insgesamt 30 gesunde Freiwillige teil, 15 Männer und 15 Frauen, deren körperliche Eigenschaften mit denen der US-Soldaten vergleichbar waren. Jeder Freiwillige nahm in zufälliger Reihenfolge an zwei Experimenten teil, in denen er unmittelbar vor Beginn eines simulierten Blutverlustverfahrens, entweder Kochsalzlösung als Placebo oder Ketamin erhielt. Die Simulation des Blutverlustes erfolgte per Unterdruckverfahren. Während die Probanden auf dem Rücken lagen, wurde sie dazu von der Taille abwärts in einer kastenartigen Kammer eingeschlossen und ein Unterdruck angelegt. Der Unterdruck führt zu einer Übertragung des Blutes vom Oberkörper (Brust- und Kopfbereich) zu den unteren Gliedmaßen, was einen allmählichen Blutverlust simuliert. Die Toleranzkapazität dieser Simulation des Blutverlusts wurde durch die Zeit bestimmt, die dazu benötigt wird bekannte physiologische Symptome einer bevorstehenden Ohnmacht zu erreichen (Vorsynkope). Die Teilnehmer erhielten unabhängig von der Körpergröße die identische Menge an Ketamin, also 20 mg intravenöses racemisches Ketaminhydrochlorid, da diese Dosis den Richtlinien des Komitees für taktische Kampfunfallversorgung der US-Armee entspricht. Eine angepasste Dosierung in Abhängigkeit vom individuellen Gewicht könnte daher eventuell zu anderen Ergebnissen führen, wurde aber im Rahmen dieser Studie nicht untersucht. Zu betonen ist zudem die Tatsache, dass es sich bei den Teilnehmern um junge, gesunde Personen ohne Vor- oder Grunderkrankungen handelte. Eine Übertragung der Studienergebnisse auf andere Bevölkerungsgruppen ist daher ebenfalls nicht möglich. Craig Crandall, ein Autor der Studie, kommentierte: „Ketamin ist eines von vier Schmerzmitteln, die nach einer schweren Verletzung bei einem Einsatz empfohlen werden. Weitere Studien sind erforderlich, um zu untersuchen, ob die Verwendung der anderen drei Medikamente – Fentanyl, Morphin und Sufentanil – die Toleranz gegenüber simuliertem Blutverlust verändern kann. Zudem sind weitere Forschungen erforderlich, um unterschiedliche Dosierungen von Ketamin zu bewerten und herauszufinden wie Ketamin bei einer vielfältigeren Population wirkt.”
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