Keynote: Von der Idee zum klinischen Einsatz – Home-Monitoring bei nAMD

Der OCT-Einsatz im Home-Monitoring durch AMD-Patienten hat das Potenzial, ein neues digitales Gesundheitsmodell zu schaffen (Symbolbild). Illustration: © Moonroad – stock.adobe.com

Wie kann die optische Kohärenztomographie (OCT) im Home-Monitoring die Versorgung von Patienten mit neovaskulärer Altersbedingter Makuladegeneration (nAMD) verändern? Dieser Frage ging Prof. Anat Loewenstein aus Tel Aviv (Israel) in ihrer Keynote nach.

Die weltweit renommierte Retinologin schlug einen weiten Bogen von den technischen Grundlagen über die klinischen Einsatzmöglichkeiten bis hin zu neuen Versorgungsmodellen. Die zentrale Botschaft von Loewenstein war, dass die zu Hause eingesetzte OCT nicht nur als technologische Option zu verstehen sei. Im Kern stelle die OCT im Heimgebrauch eine innovative Form der Gesundheitsversorgung dar, bei der die Patienten aktiv miteinbezogen würden – ein neues digitales Gesundheitsmodell. Ein weiterer wesentlicher Punkt: Home-OCT kann die Behandlungslast sowohl für die Patienten als auch die Behandler senken.

Anat Loewenstein nimmt von DOG-Präsident Lars-Olof Hattenbach
die Urkunde zur Keynote entgegen. Foto: Schulz/Biermann Medizin

Home-Monitoring bietet tiefere Einblicke in das Therapieansprechen

In der Keynote blickte Loewenstein auf ihre insgesamt rund 20-jährige Beschäftigung mit dem Thema zurück, ein Thema, das sich aus ihrer täglichen Betreuung von AMD-Patienten ergeben habe. Der Grundgedanke des Home-OCT sei, Einblicke auch in die Zeiten zwischen den ärztlichen Visiten und bessere Erkenntnisse über das Ansprechen auf die Therapie zu gewinnen, erklärte sie. Der Workflow beginne in diesem System mit dem Augenarzt, gefolgt von einem Monitoring Center und den per Home-Monitoring gewonnenen Daten beziehungsweise Scans, die dann automatisiert an das Monitoring Center übermittelt würden. Von diesem wiederum erhalte anschließend der behandelnde Augenarzt eine Übersicht über die zwischenzeitlich eingetretenen Veränderungen und Informationen zu zentralen Biomarkern.

Home-Monitoring zur Überbrückung der Zwischenzeiten

Indem die Zwischenzeiten überbrückt werden könnten, sei eine bessere patientenzentrierte Überwachung möglich, betonte Loewenstein. Die Überwachung der Krankheitsaktivität bei nAMD werde so verändert, dass sie besser erkannt und somit auch besser auf sie reagiert werden könne.

Real-World-Studien hätten zudem gezeigt, dass die Anwendung des Home-OCT durch die zumeist hochaltrigen Patienten gut sei. Die Adhärenz sei insbesondere bei sechs Scans pro Woche hoch gewesen. Die Scan-Zeit habe bei durchschnittlich 48 Sekunden gelegen und in den allermeisten Fällen seien auswertbare Aufnahmen bereitgestellt worden.

KI-Einsatz beim Home-Monitoring

Des Weiteren berichtete Loewenstein über eine Studie zur Performance des Einsatzes von Künstlicher Intelligenz beim Home-OCT. Die wichtigsten Aussagen hierzu waren eine hohe Überstimmung der KI-gestützten Scan-Auswertungen mit denen von menschlichen Gradern und die Fähigkeit der KI, Hinweise zu geben, nicht zu behandeln oder früher zu behandeln als in der Standardtherapie vorgesehen. Somit zeige sie positive Effekte auf das AMD-Management.

Auch mit Blick auf künftige klinische Studien, so Loewenstein abschließend, biete KI im Home-Monitoring neue Möglichkeiten. Sie könne Studien erleichtern, indem sie mehr standardisierte Daten biete – und dies ohne die Notwendigkeit der manuellen Eingabe. (dk/BIERMANN)