KfH-Kongress setzt Impulse für mehr Heimdialyse

Der 15. Kölner Heimdialysekongress des KfH setzte erneut europaweite Impulse für die Zukunft der Nierenersatztherapie. Mit einem breiten Fachpublikum aus Klinik, Forschung, Pflege, Technik, Politik und Patientenorganisationen erreichte er nach eigenen Angaben mit rund 600 Teilnehmenden in diesem Jahr einen neuen Besucherrekord. (Foto: N. Krütt-Hüning)

Fachleute erwarten, dass die Heimdialyse künftig deutlich an Bedeutung gewinnen wird. Dies ist eine Erkenntnis vom 15. Kölner Heimdialysekongress des KfH am 24./25. April im Kölner Gürzenich.

An der einzigen Fachveranstaltung ihrer Art in Europa nahmen knapp 600 deutsche und internationale Fachleute aus Medizin und Pflege, Patientenvertreterinnen und -vertreter sowie Industriepartner teil. Auf dem Programm standen mehr als 20 Fachvorträge und Workshops zu den beiden Heimverfahren Peritoneal- und Heimhämodialyse (PD und HD).

Trotz der vielen Vorteile sind Heimverfahren in Deutschland im internationalen Vergleich bislang unterrepräsentiert, informiert das KfH. Weniger als sieben Prozent der dialysepflichtigen Menschen behandeln sich selbst zu Hause, unter den mehr als 17.400 KfH-Patienten sind es immerhin etwa 9,5 Prozent. Schätzungen zufolge könnte aber etwa ein Drittel aller Personen mit chronischem Nierenversagen, die eine Dialyse benötigen, zu Hause dialysieren.

Heimverfahren gelten laut KfH als Behandlungsoption mit bestmöglicher Lebensqualität, da sie bei gleichwertiger medizinischer Qualität selbständig zu Hause durchgeführt werden können. Damit entfallen die Fahrten in ein Zentrum zur Dialysebehandlung. Dr. Benno Kitsche, über viele Jahre in der wissenschaftlichen Leitung des Kongresses, betonte, dass alle Patienten, die sich ein Heimdialyseverfahren wünschen, dieses auch erhalten sollen.

Dr. Dominik Bös, im KfH Geschäftsleiter zur Förderung und Weiterentwicklung der Heimdialyse, ist zuversichtlich: „Die Heimdialyse in Deutschland nimmt Fahrt auf.“ Das komme nicht nur den Betroffenen zugute, sondern auch der Umwelt: Heimdialyse verbraucht weniger Wasser und Energie und hat geringere Transportemissionen.

Innovationen in der Heimdialyse

Traditionell schaut der Kölner Heimdialysekongress des KfH in die Zukunft der Nierenersatztherapie. Beispielsweise wird in den Niederlanden an tragbaren Peritoneal- und Hämodialysegeräten im Miniaturformat geforscht. Erste Geräte mit einem Gewicht von 2,5 Kilogramm (PD) und 13 Kilogramm (HD) befinden sich bereits in klinischen Studien. Mit der Markteinführung sei in zwei Jahren zu rechnen, hieß es.

Der Schlüssel zur Verkleinerung von Dialysemaschinen ist ein geringerer Wasserverbrauch. Heute übliche Apparate verbrauchen 250 bis 600 Liter Trinkwasser pro Dialysebehandlung – das schränkt die Mobilität ein. Ein neuer Ansatz setzt auf Sorbentien. Fachleute hoffen, dass so bald nur noch fünf Liter pro Behandlung notwendig sind. Der Bericht von einem Pilotprojekt zeigte, was aktuell schon möglich ist: Portable Geräte, die bereits zugelassen sind, wurden erstmals in Deutschland im Universitätsklinikum Essen in einem Pilotprojekt eingesetzt.

Seit Dezember 2025 wird ein mobiles Hämodialysegerät eines französischen Herstellers im KfH in den Pilotzentren Köln-Lindenthal und Erding/Freising getestet. Der würfelförmige Apparat mit circa 40 Zentimeter Kantenlänge und 25 Kilogramm Gewicht verfügt über ein leicht bedienbares Kassettensystem, lässt sich an eine gängige Schukosteckdose anschließen und benötigen keine weiteren Installationen.

Solche tragbaren Dialysegeräte stellen für die Forschung Übergangslösungen dar. Ziel ist die implantierbare künstliche Niere. Sie besteht, wie ein Experte aus Kanada berichtete, aus Hämofiltern (Silizium-Nanotechnologie) und einem Bioreaktor mit Nieren-Tubuluszellen. Eine implantierte künstliche Niere würde wie das gesunde Körperorgan dauerhaft schonend entgiften und nicht nur dreimal in der Woche. Fachleute und Patientenvertretungen appellierten vor dem Hintergrund der Zunahme chronischer Nierenkrankheit an die europäische Politik, die Notwendigkeit der Forschung an der künstlichen Niere zu unterstützen.

Zukunftsweisende Strukturen

Mehr Heimdialyse kann eine Frage der Technik sein, es müssen aber auch die Versorgungsstrukturen stimmen. Hierzu zeigten in Köln Vertreter vom Universitätsklinikum Schleswig-Holstein in Kiel auf, was hinter dem Projekt SKIP-SH (Sektorenübergreifende Koordinierungsstelle zur nachhaltigen Intensivierung der Peritonealdialyse in Schleswig-Holstein) steckt. Das Projekt setzt auf die Information der Patienten, eine Vernetzung mit den niedergelassenen Ärzten sowie die stärkere Integration der Peritonealdialyse (PD) in Lehre und Ausbildung, um alle Studierenden der Humanmedizin damit in Kontakt zu bringen.

Inzwischen sind alle nephrologischen Praxen in Schleswig-Holstein eingebunden und es ist ein deutlicher Anstieg der PD-Katheter-Implantationen zu verzeichnen. Das Nadelöhr der PD-Katheteranlage, eine Kernkompetenz der Chirurgie, übernimmt in Kiel die Nephrologie selbst. In Deutschland bieten nicht alle Kliniken diesen operativen Eingriff an. Nachdem sie bei Experten die Technik lernten, umgehen die Nephrologen in Schleswig-Holstein lange Wartezeiten.

Von Kindern und Jugendlichen lernen

Ein Kongressschwerpunkt behandelte die Heimdialyse von Kindern und Jugendlichen. Das KfH selbst betreut in 17 spezialisierten Nierenzentren den Großteil der nierenkranken Kinder und Jugendlichen in Deutschland, die Mehrheit von ihnen mit Heimdialyse, in der Regel mit dem PD-Verfahren.

Ein Vortrag zeigte, wie Jugendliche an die Selbstpunktion ihrer in der Regel am Unterarm gelegten Shunt herangeführt werden können. Gute Shuntchirurgen sind in Deutschland rar. Patientenvertreter erinnerten in Köln daran, dass Ärzte frühzeitig die Option der Selbstpunktion für die Heimdialyse ansprechen und Zeit für die Entscheidungsfindung einplanen.

Heimdialysepreis für KfH-Nierenzentrum Neuwied

Erstmals verlieh das KfH beim Kongress den Heimdialysepreis „Team Engagement“ an eines seiner Zentren und zeichnete speziell die Teamleistung aus: Preisträger ist der KfH-Standort Neuwied bei Koblenz. Das Team hatte im Jahr 2020 ohne bestehende Heimdialysestrukturen begonnen und betreut heute zehn Heimdialysepatienten mit der Peritonealdialyse. Gelungen sei dies, indem für die Betreuung gemeinsam eigene Schulungs- und Arbeitsmaterialien entwickelt wurden sowie durch eine besonders praxisnahe, persönliche Aufklärung, um mehr Sicherheit und Routine bei der Dialyse zu Hause zu vermitteln, heißt es in der Pressemitteilung. Durch enge interne Zusammenarbeit und eine aktive Vernetzung mit dem kooperierenden Krankenhaus konnte eine kontinuierlich wachsende Heimdialyseversorgung aufgebaut werden.