KI in der Arztpraxis: Was ist heute schon möglich? Was bringt die Zukunft?

Foto: LALAKA – stock.adobe.com

Immer schneller dringt die Künstliche Intelligenz (KI) in alle Lebensbereiche vor. Auch in den Arztpraxen hält das selbstlernende System in allen Bereichen Einzug.

Dass die KI dabei nicht nur mit der bekannten Anwendung ChatGPT gleichzusetzen ist, steht für den Berufsverband für Arthroskopie (BVASK) außer Frage, da inzwischen viele verschiedene Anbieter und Anwendungen in den Startlöchern stünden.

In der Kommunikation und Patientenführung wird die KI heute schon genutzt. Per intelligenter Steuerung können Termine beim für das spezielle Problem spezialisierten Arzt vermittelt werden, Chatbots können wichtige Fragen der Patienten beantworten, die sonst „niemanden ans Telefon“ bekommen würden. Die Simulation eines natürlichen Gespräches ist hier eine der wichtigsten Funktionen, betont der Berufsverband.

KI gesteuerte Telefone und durch KI geführte Interviews mit den Patienten sind bereits in der Anwendung weiß auch PD Dr. Philip Rößler, Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie und Spezialist für Kniechirurgie am Gelenkzentrum Mittelrhein, der zu dem Thema auf dem BVASK-Kongress Anfang Februar in Düsseldorfer referiert. „Allerdings geht das noch nicht für eine medizinische Beratung, weil es bislang kaum validierte und medizinisch zugelassene KI-Versionen gibt. Hierfür müssen erst entsprechende Regularien geschaffen werden“, so der Mediziner.

Auch in der Bildgebung ist die Künstliche Intelligenz längst nicht mehr wegzudenken. Das gilt nicht nur für die intelligente Auswertung von Bildern, sondern reicht bis hin zur komplexen OP-Planung. Orthopäden können im Rahmen der Planung von Knieoperationen heute bereits die anatomischen und mechanischen Beinachsen von Software automatisch ermitteln und selbst korrigieren lassen, konstatiert der BVASK weiter.

Zudem nehme die KI gerade in der medizinischen Dokumentation langsam Fahrt auf. Erste intelligente OP-Berichte, die der Operateur nach eigenen Kriterien anpassen und verfeinern kann, intelligente Textschreibung und Diktierprogramme, die speziell auf die Bedürfnisse der einzelnen Fachbereiche abzielen, erleichterten die Arbeit der Niedergelassenen.

„Die Systeme werden immer feiner und komplexer, aber wir müssen sicherstellen, dass wir bei dieser Entwicklung stets die Kontrolle behalten“, mahnt Rößler. Gerade im operativen Bereich müssen die Kollegen daher wachsam sein.“

Auch in Sprechstunden, Behandlungsplänen, in der Reha und Physiotherapie hält die KI dem BVASK zufolge nach und nach Einzug. Digitale Gesundheitsanwendungen (DiGAs) und andere, vergleichbare Apps ermöglichten eine zunehmend immersive Patientenführung. Sensoren am Bein nach einer OP zum Beispiel würden bereits heute den Grad der Beweglichkeit und des Muskelaufbaus messen, einen individuellen Nachbehandlungsplan erstellen und die Reha selbstständig immer wieder anpassen. „Bei aller Erleichterung unserer Arbeit, darf das uns als Behandlungsführer jedoch nicht dazu verleiten einfach den Autopiloten zu aktivieren“, so Rößler.

In Zukunft wird die KI auch die Betriebswirtschaft in den Praxen umkrempeln, ist der Berufsverband überzeugt. KI-gestützte Praxis-Management-Systeme und eine intelligente Abrechnungssoftware werden dann zur Regel. Kaum ein Niedergelassener schaue im Dschungel der vielen verschiedenen Abrechnungsziffern und -Modalitäten noch vollends durch oder könne neben dem Tagesgeschäft mit den stetigen Anpassungen Schritt halten. „So kann die KI dabei helfen, Personal und Zeit einzusparen und drohende Abrechnungsverluste zu verhindern”, erklärt der BVASK.

Der 34. BVASK-Kongress findet vom 2. bis 3. Februar im Düsseldorfer Medienhafen statt.