KI in der Medizin: Ärztetag setzt Leitplanken für die Anwendung30. Mai 2025 Peter Bobbert, Co-Vorsitzender des Ausschusses „Digitalisierung in der Gesundheitsversorgung“ der BÄK. Foto: © Christian Glawe-Griebel/helliwood.com Die Einführung Künstlicher Intelligenz (KI) in der Medizin wird vom 129. Deutsche Ärztetag grundsätzlich unterstützt. Als Voraussetzung wird jedoch genannt, dass sie „verantwortungsvoll geschieht und ärztliche Perspektiven beim Einsatz stärker berücksichtigt“. Lernende Systeme werden nach Einschätzung der Bundesärztekammer (BÄK) schon in wenigen Jahren Teil des medizinischen Alltags sein. Sie würden Verwaltungsabläufe in Klinik und Praxis effizienter machen oder Ärzte bei Diagnose und Therapie unterstützen und sogar ärztliche Aufgaben in Teilen übernehmen.„Vor einigen Jahren klang KI nach Science-Fiction, heute ist sie medizinische Praxis“, sagte BÄK-Präsident Dr. Klaus Reinhardt zu Beginn der Debatte. „Doch der Einsatz wirft auch Fragen auf, nach Datensicherheit, Transparenz und ärztlicher Verantwortung.“Diesen Fragen hat sich der Ärztetag intensiv gewidmet. In einem Grundsatzbeschluss stellte der Ärztetag klar, dass die Arzt-Patienten-Beziehung nicht in den Hintergrund geraten darf. Um das Vertrauen der Patienten zu erhalten, fordern die Abgeordneten, KI nur dann einzusetzen, wenn sie evaluiert und validiert ist, Datenschutz berücksichtigt und die ärztliche Schweigepflicht schützt. „Airbus-Moment“ in der KI-Entwicklung „Uns bleibt nicht mehr viel Zeit“, sagte PD Dr. Peter Bobbert, Co-Vorsitzender des Ausschusses „Digitalisierung in der Gesundheitsversorgung“ der BÄK mit Blick auf das Tempo, mit dem sich die KI-Angebote derzeit entwickeln. „Das sollte uns ein Ansporn sein, um unsere berufspolitischen Entscheidungen und unsere Kernkompetenz, die ärztliche Weiterbildung, schnell anzupassen.“ Er betonte, dass sich Europa in der KI-Forschung nicht auf internationale Tech-Konzerne mit ihren Geschäftsinteressen verlassen dürfe: „Wir brauchen jetzt Souveränität, Unabhängigkeit und einen echten europäischen ,Airbus-Moment‘ in der KI-Entwicklung.“ „Wir sind nach wie vor in einem sehr frühen Stadium der Implementierung, maximal in der Pilotphase“, sagte Prof. Ulrike Attenberger, Leiterin der Klinik für Radiologie und Nuklearmedizin an der Medizinischen Universität Wien/Universitätsklinikum AKH Wien. Die KI-Spezialistin ist Mitglied des Wissenschaftlichen Beirates der BÄK und leitet den Arbeitskreis „KI in der Medizin“. Sie erklärte: „Der Erfolg hängt bei Diagnosen mit KI-Unterstützung von der Qualifikation der Anwender ab. Erfahrene Ärzte finden häufiger die Fehler in den Vorschlägen der KI, sodass die Systeme sinnvoll weiterlernen können.“ Prof. Aldo Faisal, Digital-Health-Forscher am Imperial College London und an der Universität Bayreuth sowie Mitglied im Deutschen Ethikrat, betonte in einem Grundsatzreferat auf dem Ärztetag, dass das Gesundheitssystem durch KI profitieren werde. In Studien seien mithilfe von KI Risikopatienten identifiziert und so Todesfälle verhindert worden. „Daten retten Leben“, resümierte Faisal. Erik Bodendieck, Co-Vorsitzender des Digitalisierungsausschusses, stellte heraus, wie differenziert und informiert sich die Ärzteschaft mit dem Thema in der Diskussion befasst habe. Die Vorarbeit für die KI-Zukunft sei bereits gemacht: Die BÄK habe im Thesenpapier „Künstliche Intelligenz in der Gesundheitsversorgung“ und in der Stellungnahme „Künstliche Intelligenz in der Medizin” die Anforderungen formuliert, die in einer digitalisierten Zukunft aus ärztlicher Sicht erfüllt sein sollten. Beide Papiere waren laut BÄK Grundlage der Beratungen auf dem Ärztetag.
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