KI in der Schwangerschaftsvorsorge

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Auffälligkeiten beim ungeborenen Kind früh zu erkennen, kann die weitere Betreuung verbessern. Nach Einschätzung der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) kann Künstliche Intelligenz (KI) dazu beitragen, pränatale Ultraschalluntersuchungen vollständiger, einheitlicher und besser überprüfbar zu machen.

Eine Ultraschalluntersuchung in der Schwangerschaft kann wichtige Entscheidungen anstoßen: Muss ein Befund weiter abgeklärt werden? Ist die Vorstellung in einem spezialisierten Zentrum erforderlich? Wie lassen sich Schwangerschaft und Geburt vorbereiten? Und welche Versorgung braucht das Kind nach der Geburt? „Damit solche Entscheidungen auf einer möglichst sicheren Grundlage stehen, muss die Untersuchung nicht nur technisch gut gelingen. Sie muss vollständig, strukturiert und fachlich richtig eingeordnet werden“, erklärt Prof. Christian Enzensberger, Ärztlicher Leiter der Pränatal- und Geburtsmedizin an der Uniklinik RWTH Aachen und Stellvertretender Leiter des DEGUM-Arbeitskreises „Künstliche Intelligenz“.

Genau hier kann KI ansetzen. Denn die Qualität einer pränatalen Ultraschalluntersuchung hängt von mehreren Faktoren ab: von der technischen Ausstattung ebenso wie von der Erfahrung der Untersuchenden, von klaren Abläufen und von der sicheren Beurteilung der Befunde. KI kann vor allem dort helfen, wo sich einzelne Untersuchungsschritte zuverlässig überprüfen und vereinheitlichen lassen. „Der eigentliche Fortschritt liegt in der Standardisierung“, sagt Enzensberger. Der Nutzen moderner Systeme bestehe derzeit weniger darin, seltene Fehlbildungen selbstständig zu erkennen. Vielmehr könnten sie Untersuchende dabei unterstützen, notwendige Untersuchungsebenen vollständig zu erfassen, die Qualität der Bilder einzuschätzen und standardisierte Messungen reproduzierbar durchzuführen. „So soll KI nicht die ärztliche Untersuchung ersetzen, sondern ihre Qualität im Alltag besser absichern.“

Vom Messwerkzeug zur digitalen Untersuchungsassistenz

Bei einer pränatalen Ultraschalluntersuchung müssen viele einzelne Schritte zusammenpassen. Ärztinnen und Ärzte beurteilen nicht nur ein einzelnes Bild, sondern untersuchen systematisch, ob wichtige Bereiche des ungeborenen Kindes ausreichend dargestellt sind. Sie messen, dokumentieren und ordnen mögliche Auffälligkeiten medizinisch ein.

Frühe KI-Anwendungen konzentrierten sich vor allem auf automatische biometrische Messungen. Inzwischen gehen die Systeme weiter: Sie können Ärztinnen und Ärzte während der Untersuchung begleiten und beispielsweise prüfen, ob wichtige Untersuchungsebenen bereits erfasst wurden oder ob die Qualität der Bilder für eine Beurteilung ausreicht. „Das kann vor allem bei Routineaufgaben entlasten“, erklärt Enzensberger. Die Untersuchenden gewinnen dadurch mehr Raum für das, was die Technologie nicht leisten kann: Befunde medizinisch einordnen, Zusammenhänge erkennen und gemeinsam mit den werdenden Eltern die nächsten Schritte besprechen.

Der nächste Entwicklungsschritt zeichnet sich bereits ab: Künftig könnten KI-Systeme nicht mehr nur einzelne Ultraschallbilder, sondern komplette Untersuchungen analysieren. Damit würde KI stärker vom einzelnen Messvorgang zu einer digitalen Begleitung des gesamten Untersuchungsablaufs werden.

Was bedeutet das für Schwangere?

Für Schwangere und ihre Kinder kann eine möglichst vollständige und verlässliche Untersuchung konkrete Folgen haben. Wird eine Auffälligkeit erkannt, kann dies eine gezielte Beratung notwendig machen. Je nach Befund kann die Schwangere rechtzeitig an ein spezialisiertes Zentrum überwiesen werden. Auch die weitere Betreuung der Schwangerschaft, die Planung der Geburt und die Versorgung des Kindes nach der Geburt können frühzeitig vorbereitet werden.

Die DEGUM betont zugleich die Grenzen der Technologie. „KI erkennt Muster und bewertet Wahrscheinlichkeiten. Sie übernimmt aber keine Verantwortung für Diagnose, Beratung oder Therapie“, betont Enzensberger. Auch die Einordnung eines Befundes bleibe eine ärztliche Aufgabe – ebenso wie das Gespräch mit den werdenden Eltern über mögliche Konsequenzen. „Auch in Zukunft muss gelten: KI unterstützt die ärztliche Entscheidung – die Verantwortung für Diagnose, Beratung und Therapie bleibt beim Menschen.“

KI muss transparent und wissenschaftlich geprüft eingesetzt werden

Aus Sicht der DEGUM wird es künftig darauf ankommen, KI-Anwendungen sinnvoll, transparent und wissenschaftlich validiert in den klinischen Alltag zu integrieren. Perspektivisch könnten KI, Ultraschall, genetische Diagnostik und klinische Informationen stärker miteinander verknüpft werden. Entscheidend sei jedoch, dass neue Verfahren nicht nur technisch möglich, sondern medizinisch belastbar und qualitätsgesichert angewendet werden. Diese Entwicklung begleitet die DEGUM mit dem dafür eigens eingerichteten Arbeitskreis „Künstliche Intelligenz“.