Kieler Forschungsteam ermittelt Status quo des Tierwohls in der Milchviehhaltung7. August 2023 (Symbolbild) Foto: © Charlie Boyd – pixabay.com Wie unterscheiden sich die verschiedenen Tierwohlstandards im Bereich der Milchproduktion? Und welche Interessen bestehen auf Seiten der VerbraucherInnen, des Lebensmitteleinzelhandels und der MilchviehhalterInnen? Diese Fragen haben ForscherInnen der Fachhochschule Kiel und des ife Instituts Kiel untersucht. Mit ihrer Studie wollen sie einen Beitrag für eine langfristig tragfähige Konzeption einer Tierwohlkennzeichnung leisten. VerbraucherInnen interessieren sich zunehmend für die Haltungsbedingungen von Nutztieren, auch im Bereich der Milchwirtschaft. Dabei priorisieren sie mehr Platz für die Tiere, einen Weidezugang sowie die Möglichkeit für die Tiere, ihr natürliches Verhalten auszuleben. Auch auf Seiten der Politik ist das Interesse an den Haltungsbedingungen gestiegen. Die Bundesregierung plant die Einführung eines staatlichen Tierwohllabels. Tatsächlich gibt es bereits zahlreiche Labels, aber was sich hinter Namen wie „PRO WEIDELAND“, „Für mehr Tierschutz“ oder „Naturplus“ konkret verbirgt, sei für VerbraucherInnen nicht auf den ersten Blick erkennbar, erklärt Prof. Dr. Holger Schulze von der FH Kiel. „Unser Vergleich der relevantesten Tierwohlstandards in der Milchviehhaltung hat gezeigt, dass der Standard ‚Für mehr Tierschutz‘ in der Premium-Stufe des Deutschen Tierschutzbundes e. V. insgesamt die meisten und höchsten Anforderungen aufweist. Für VerbraucherInnen ist es aber schwierig, die verschiedenen Labels und Stufen zu unterscheiden, die jeweiligen Anforderungen zu kennen und zum Teil auch zu verstehen.“Store Checks zeigen wachsende Verbreitung von Tierwohllabels bei MilchproduktenEin Schritt zu mehr Transparenz, so Schulze, sei die Kennzeichnung der Haltungsformen, die der Lebensmitteleinzelhandel seit Anfang 2022 verwendet. Dieser hat die bestehenden Tierwohlstandards in vier Stufen eingeteilt, von 1 „Stallhaltung“ bis 4 „Premium“. Um zu erfassen, wie verbreitet diese Kennzeichnung und andere Tierwohllabels sind, führte das ife Institut sogenannte Store Checks durch. Das Ergebnis: Lebensmittelhandel und insbesondere die Discounter bieten immer häufiger Milch mit ihren eigenen Labels an; bislang ohne einen stabilen Preisaufschlag zu erheben. „Ursächlich hierfür könnte neben der allgemeinen Preisentwicklung auch der geringe Bekanntheitsgrad der Tierwohllabel unter den VerbraucherInnen sein“, erklärt Prof. Dr. Silke Thiele vom ife Institut für Ernährung und Ernährungswirtschaft. Ein höherer Bekanntheitsgrad, so Thiele, könnte in Zukunft Preisaufschläge nach sich ziehen.Doch wie ist es um die Bereitschaft der MilchproduzentInnen bestellt, höhere Tierwohlstandards umzusetzen? Um dies herauszufinden haben die Kieler AgrarwissenschaftlerInnen untersucht, welche Vor- und Nachteile die ProduzentInnen hiervon erwarten. Das größte Risiko, erklärt Doktorandin Henrike Grotsch von der FH Kiel, sähen diese in den Investitionskosten für den Umbau von Ställen, einem höheren Flächenbedarf und steigendem Arbeitsaufwand: „Die Teilnahme an einem Tierwohlprogramm muss sich für LandwirtInnen lohnen. Sie müssen für zertifizierte Milch einen höheren Preis erhalten.“„Insgesamt konnten wir feststellen, dass das Potenzial im Bereich des Tierwohls und der Tierwohl-Standards in Deutschland hoch ist“, stellt Prof. Dr. Holger Thiele klar. „VerbraucherInnen, Lebensmitteleinzelhandel und MilchviehhalterInnen haben ein hohes Interesse daran. Wobei der Lebensmitteleinzelhandel bei der Kennzeichnung weiter ist, als die Politik.“Die Autoren empfehlen Ausgleich von Mehrkosten und Orientierung an bestehenden LabelnUm das Potenzial voll ausschöpfen zu können, so der Agrarwissenschaftler der FH Kiel, sei es zwingend erforderlich, die Interessen und Restriktionen aller beteiligten AkteurInnen zu kennen. Die Bundesregierung hat gerade einen Gesetzentwurf für eine Tierhaltungskennzeichnung mit einer 5-stufigen Haltungsformenskala vorgelegt. Diese soll die Gastronomie einbeziehen, aber nicht Milchprodukte aus dem Ausland. Ihre Analyse, so die ExpertInnen der FH Kiel und des ife Instituts, habe gezeigt, dass die Politik gut beraten sei, sich bei der Konzeption einer weiteren Tierwohlkennzeichnung an bereits bestehenden Haltungsstufen zu orientieren. Außerdem empfiehlt das Forschungsteam die entstehenden Mehrkosten für die milcherzeugenden Betriebe durch eine verlässliche Finanzierung mit stabilen Preisaufschlägen auszugleichen. Originalpublikation: https://www.rentenbank.de/export/sites/rentenbank/dokumente/Band-39-Implikatione…
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