Kinder in der Notaufnahme: Nasenspray kann Schmerzen rasch lindern

Knochenbrüche und Luxationen sind nicht nur die häufigsten Ursachen für Behandlungen von Kindern in der Notaufnahme, sondern auch sehr schmerzhaft. (Foto: © Halfpoint – stock.adobe.com)

Eine Schmerzbehandlung via Nasenspray bietet laut einer auf dem Europäischen Kongress für Notfallmedizin vorgestellten Studie eine wirksame, nadelfreie Option für Kinder, die wegen verschiedener Verletzungen in der Notaufnahme behandelt werden.

„Schmerzen bei Kindern werden nach wie vor zu selten erkannt und unzureichend behandelt. Fast ein Drittel der Kinder mit mäßigen bis starken Schmerzen erhält innerhalb der in internationalen Leitlinien empfohlenen 15 bis 20 Minuten keine angemessene Schmerzlinderung. In dieser Studie untersuchten wir, ob eine Kombination aus schmerzstillenden Medikamenten, verabreicht über ein einfaches Dosiersystem, dazu beitragen könnte, Kindern, die in der Notaufnahme behandelt werden, eine schnelle und wirksame Schmerzlinderung zu verschaffen“, erklärte Prof. Shammi Ramlakhan, Facharzt für Notfallmedizin am Sheffield Children’s Hospital, Großbritannien.

Deutliche Schmerzlinderung nach 30 Minuten

An der Studie nahmen 152 Kinder im Alter von einem bis 17 Jahren mit mäßigen bis starken Schmerzen teil, die zwischen Mai 2024 und Mai 2025 in einer von sieben Krankenhausnotaufnahmen im Vereinigten Königreich und in Spanien behandelt wurden. Die Mehrheit wies Verletzungen an den Gliedmaßen auf, wie Frakturen und Luxationen, während andere Kinder Verbrennungen oder Weichteilverletzungen hatten.

Allen Kindern wurde eine Kombination aus zwei schmerzlindernden Medikamenten – Sufentanil und Ketamin – über ein Nasenspray verabreicht. Die Dosis wurde entsprechend dem Körpergewicht jedes Kindes durch die Anzahl der Sprühstöße des Nasensprays angepasst. Die Kinder wurden 15 Minuten nach der Verabreichung der Behandlung und erneut nach 30 Minuten untersucht. Die Forscher verwendeten Standard-Bewertungsinstrumente, um das Ausmaß der Schmerzen der Kinder zu ermitteln und mögliche Nebenwirkungen der Behandlung festzustellen.

Nach 15 Minuten hatten mehr als die Hälfte der Kinder (54 %) weniger Schmerzen, und nach 30 Minuten war dies bei den meisten Kindern (88 %) der Fall. Bei der Mehrheit der Kinder (86,2 %) waren die Schmerzen 30 Minuten nach der Behandlung um etwa die Hälfte zurückgegangen. Die Nebenwirkungen waren mild und umfassten Übelkeit oder Erbrechen, Schwindel und Juckreiz in der Nase.

Auswahl der Therapieoptionen für Kinder ist begrenzt

„Unsere Studie zeigt, dass dieses Medikament Kindern, die in der Notaufnahme behandelt werden, eine schnelle und deutliche Schmerzlinderung verschaffen kann. Die Kinder vertrugen das Nasenspray gut, ohne dass größere Nebenwirkungen auftraten. Das sind gute Nachrichten für die Kinder und ihre Familien. Außerdem bietet dies Ärzten eine einfache und wirksame Option zur Behandlung ihrer Patienten, wo derzeit nur sehr wenige Möglichkeiten bestehen“, eklärte Ramlakhan.

Das Nasenspray wurde im Rahmen des Programms zur Zulassung für die pädiatrische Anwendung (PUMA) der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) getestet, das Hersteller dazu anregen soll, Medikamente speziell für Kinder zu entwickeln und anzupassen. Nach Angaben der Forscher dürfte das Präparat in naher Zukunft in Europa zur Anwendung bereitstehen.

„In ganz Europa werden jedes Jahr Millionen von Kindern in der Notaufnahme behandelt. Als Ärzte möchten wir unseren Patienten wirksame Behandlungen anbieten, und dazu gehört auch die Linderung der Schmerzen, unter denen sie leiden. Die derzeit für Kinder verfügbaren Möglichkeiten zur Schmerzlinderung sind jedoch begrenzt, weshalb wir in der Notaufnahme dringend mehr Behandlungen dieser Art benötigen“, kommentierte Dr. Maša Sorić, Mitglied des EUSEM-Auswahlkomitees für Abstracts und Leiterin der Notaufnahme am Universitätsklinikum Merkur in Zagreb, Kroatien, die Egebnisse.