Kindheit prägt lebenslange Gesundheit7. November 2018 Foto: © VadimGuzhva – Fotolia.com Traumatische Erlebnisse in der Kindheit können die lebenslange Gesundheit stark beeinflussen. Im Forschungsprojekt „Kids2Health“ untersuchen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Charité – Universitätsmedizin Berlin die biologischen Spuren, die solche Erfahrungen hinterlassen, und wie sich Kinder bestmöglich behandeln lassen. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert das Projekt bis 2021 mit mehr als fünf Millionen Euro. Kinder, die belastende oder traumatische Erlebnisse erfahren mussten, haben ein höheres Risiko, später psychisch oder körperlich zu erkranken, als Menschen mit einer glücklichen Kindheit. Welche biologischen Mechanismen hinter diesem erhöhten Risiko stecken und ob diese frühe „Programmierung“ des Körpers umkehrbar ist, erforscht das Team um Prof. Christine Heim, Projektleiterin von „Kids2Health“ und Direktorin des Instituts für Medizinische Psychologie der Charité. „Wenn wir die biologischen Spuren kennen, die das Erkrankungsrisiko ein Leben lang prägen, können wir diese Prozesse auch beeinflussen und gezielt neue Therapien entwickeln“, erklärte Heim. Sie möchte herausfinden, ob gezielte therapeutische Behandlungen eingesetzt werden können, um stressbezogene biologische Veränderungen rückgängig zu machen oder ihnen vorzubeugen. Das Ziel des Projektes ist es, Kinder mit erhöhtem Erkrankungsrisiko frühzeitig zu erkennen und zu behandeln. „Die Forschungsergebnisse sollen dazu beitragen, die Chancen auf eine lebenslange Gesundheit zu erhöhen und Kindern ein gesundes Heranwachsen zu ermöglichen“, sagte Heim. Die Forscher untersuchen Kinder, die traumatische Situationen wie Missbrauch, Gewalt oder Flucht erleben mussten. Zusätzlich werden neugeborene Kinder von misshandelten Müttern betrachtet, um herauszufinden, über welche Prozesse sich Stresserfahrungen generationsübergreifend übertragen. Auch mögliche Zusammenhänge zwischen belastenden Lebenserfahrungen und frühem chronischen Übergewicht bei Kindern werden analysiert. Die Wissenschaftler ergründen, wie sich die biologischen Mechanismen der kindlichen Stresserfahrungen auf die Gehirnentwicklung, das Immunsystem, den Stoffwechsel und den Hormonhaushalt von Kindern auswirken. Das Projektteam untersucht vier Studiengruppen mit Kindern über einen Zeitraum von zwei Jahren. Dabei kommen klinische Untersuchungen in Kombination mit Methoden der Psychobiologie, der Molekulargenetik und mit bildgebenden Verfahren zum Einsatz. Zudem wird der Einfluss von Psychotherapie auf die biologischen Spuren von traumatisierenden Erfahrungen überprüft. Mithilfe von Tiermodellen erproben die Forscher neue Therapieansätze, die direkt an den biologischen Mechanismen ansetzen und beispielsweise bestimmte Gene hemmen.
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