„Klimawandel und Gesundheit sind untrennbar“

Das Eröffnungsplenum war gut besucht. © sh

Festredner beim Eröffnungsplenum des Deutschen Kongresses für Laboratoriumsmedizin (DKLM) 2023 waren  der Meteorologe und Ozeanograph Prof. Mojib Latif, Seniorprofessor der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel & GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel sowie Präsident der Akademie der Wissenschaften in Hamburg, Prof. Kari Nadeau, u.a. Professorin am Lehrstuhl für Umweltgesundheit und für Klima- und Bevölkerungsstudien an der Harvard School of Public Health, sowie Dr. Ellen Lundershausen, Vizepräsidentin der Bundesärztekammer. Sie alle referierten über den Klimawandel aus unterschiedlichen Perspektiven.

Prof. Harald Renz, Tagungspräsident DKLM und Präsident der Deutsche Gesellschaft für Klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin e. V. (DGKL) eröffnete die Veranstaltung mit einer freudigen Botschaft: Im Vergleich zum letzten Jahr hat sich die Zahl der Kongressregistrierungen von 920 auf 985 erhöht. Christiane Maschek, Tagungspräsidentin DKLM und Präsidentin des Dachverband für Technologen/-innen und Analytiker/-innen in der Medizin Deutschland e.V. (DVTA) begrüßte im Speziellen die Medizinischen Technologen, die früher allzuoft nicht die Zeit gefunden haben teilzunehmen.

Lundershausen thematisierte in ihrer Rede die Transformationen wegen des Klimawandels und stellte klar: „Es gibt kein Erkenntnis- sondern ein Umsetzungsproblem“. Sie benannte die gemeinsame Verantwortung von allen und benannte die Notwendigkeit diese nicht nur deutlich zu machen sondern auch umzusetzen. Sie sagte weiter: „Jeder trägt Verantwortung. Das geht aber auch mit Geldforderungen einher. Aber wie viel Geld wird dafür zur Verfügung stehen?“. Ein besonders wichtiges Thema dabei ist der Gebrauch von Einmalmaterial und die damit einhergehenden Treibhausgasemissionen. Ein Beispiel aus ihrem Fachbereich der Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde machte eines der Probleme deutlich. Das Einmalmaterial ist viel günstiger und es ist kein Autoklave nötig.

Sie verdeutlichte, dass der Wille zur Umstellung da sein muss. Biologisch abbaubare Einmalhandschuhe sind ein Beispiel, aber generell müssen natürlich auch die hygienischen Gesichtspunkte erfüllt sein. Aber auch beim Energieverbrauch und dem Umgang mit Wasser sollte angesetzt werden. „Nur ein gesunder Planet bedeutet gesundes Leben. Um dies zu erreichen Bedarf es grundlegender transformation. Wir leben im Anthropozän und der Einfluss des Menschen ist deutlich. Jetzt muss der Mensch den Wandel schaffen, denn Klimaschutz ist Gesundheitsschutz und das ist unsere gemeinsame Aufgabe“, lauteten Lundershausen abschließende Worte.

Latif referrierte zum Thema „Herausforderung des langzeitigen Klimawandels“. Er betonte, dass „man nicht mit der Physik diskutieren und mit ihr auch keine Kompromisse schließen kann“. Er gab einen Überblick zum Klimawandel, der globalen Erwärmung (z.B. anhand von Hitzetagen) und den Einfluss auf die Gesundheit, die die Weltgesundheitsorganisation (WHO) als große Bedrohung einstuft. „Es wird klar, dass wir unter Druck stehen und das Klimaproblem ist primär ein Energieproblem. Wir verbrennen um Energie zu produzieren und Kohlenstoffdioxid bleibt lange in der Atmosphäre“, so Latif weiter.

Aber: „Auch einzelne Länder haben einen großen Einfluss, Deutschland hat die Energiewende beispielsweise bezahlbar gemacht. Es gibt viel Hoffnung für die Zukunft, aber wir müssen uns beeilen“, sagte Latif. Er schloss seinen Vortran mit einem Zitat Albert Einsteins: „Unsere signifikanten Probleme können wir nicht auf der gleichen Ebene des Denkens lösen, auf der wir sie geschaffen haben.”

Nadeau sprach über den Einfluss des Klimawandels auf unsere Gesundheit. Sie betonte gleich zu Beginn: „ Wir müssen ein Auge auf die menschliche Gesundheit und die unseres Planeten werfen“. Der Klimawandel hat viele Auswirkungen. Führt beispielsweise zur Ausbreitung von Infektionen/Parasiten, Flut- und Hitzeereignissen, Feuern sowie Sand- und Staubstürmen. Gerade Herz- und Lungenerkrankte, Menschen, die in medizinisch unterversorgten Gegenden leben,  Ältere und Kinder sind Risikogruppen. „Jedes jetzt geborene Kind, wird mindestens von einer Auswirlkung betroffen sein“, verdeutlichte Nadeau.

Auch auf das Thema Allergien ging Nadeau in ihrer Lecture ein. So besagen Prognosen, dass sich die Ambrosia ausbreiten wird, die wegen der Erwärmung in mehr und mehr Gegenden heimisch werden können wird, in denen es sie bis dato niemals gab. Dabei kommen der Ambrosia zwei Dinge zu Gute: die Erderwärmung und der Kohlenstoffdioxidgehalt in der Luft, der sie produktiver in der Samenproduktion werden lässt. Zum Schluss ging Nadeau auf das Green-Lab-Movement aus Heidelberg ein und legte dar wie viel Einmalplastikmüll ein deutscher Wissenschaftler im Vergleich zur Normalbevölkerung produzieren: 1000 zu 175 kg/Jahr. „Selbst kleine Dinge machen schon einen Unterschied, wie enzelne Geräte über Nacht abzuschalten. Gehen Sie bitte auf mygreenlab.org und suchen sie sich 4-5 Punkte heraus, die Sie umsetzen werden und schließen Sie sich der globalen Gemeinschaft an“, so ihr Appell.

Zum Schluss des Eröffnungsplenums wurden noch der Ivar-Trautschold-Nachwuchsförderpreis (gesponsort von Sonic Healthcare) und der Felix-Hoppe-Seyler-Preis verliehen. Ersterer ging an Kathrin Jäger aus Rostock und Dr. Marko Barovic aus Dresden. Den alle drei Jahre verliehenen Felix-Hoppe-Seyler-Preis erhielt Prof. Joachim Thiery aus Kiel. (sh)