Klimawandel verändert Hauterkrankungen weltweit

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Mehr als 40 Prozent der Länder weltweit berichten über klimabedingte Veränderungen der Prävalenz und/oder des Schweregrads von Hauterkrankungen. Länder mit niedrigerem Einkommen sind davon unverhältnismäßig stark betroffen.

Der Klimawandel stellt durch steigende Temperaturen, Extremwetterereignisse, veränderte Niederschlagsmuster, klimabedingte Migration und Störungen von Ökosystemen eine zunehmende Bedrohung für die Hautgesundheit dar. Er beeinflusst die Inzidenz und den Schweregrad von Hauterkrankungen. Trotz des zunehmenden Bewusstseins für klimawandelbedingte Hauterkrankungen sind deren globale Dimension und klinische Implikationen weiterhin nur unzureichend verstanden.

Die auf dem Kongress der European Academy of Dermatology and Venereology (EADV) vorgestellte Studie lud Vertreter aus den 194 Mitgliedstaaten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zur Teilnahme an einer Erhebung des Global Access to Skin Health Observatory (SkinObservatory) ein. Die Teilnehmenden berichteten über ihre Einschätzungen zu den Auswirkungen des Klimawandels und zur Prävalenz klimawandelbedingter Hauterkrankungen in ihren Ländern.

Große regionale und sozioökonomische Unterschiede

Die Daten wurden in 136 Ländern aus allen vier Einkommensgruppen der Weltbank erhoben. Insgesamt berichteten 42,6 Prozent der Länder über Veränderungen der Prävalenz und/oder des Schweregrads von Hauterkrankungen infolge des Klimawandels. Dabei bestanden deutliche Unterschiede in Abhängigkeit vom Einkommensniveau.

Mehr als die Hälfte der Länder mit niedrigem Einkommen (55,6%) und mit niedrigem mittlerem Einkommen (52,5%) berichtete über klimabedingte Veränderungen von Hauterkrankungen. Demgegenüber traf dies auf 43,8 Prozent der Länder mit hohem mittlerem Einkommen und auf 28,3 Prozent der Länder mit hohem Einkommen zu.

Auch die geografischen Unterschiede waren beträchtlich: Veränderungen wurden am häufigsten in der Westpazifik-Region berichtet (64,7%), gefolgt von der Region Östlicher Mittelmeerraum und der südostasiatischen Region (jeweils 60,0%). In der Europäischen Region lag der entsprechende Anteil bei 16,1 Prozent. In der Afrikanischen Region waren 42,9 Prozent der Befragten hinsichtlich der Auswirkungen des Klimawandels auf Hauterkrankungen unsicher, was auf mögliche Lücken bei Surveillance und Evidenz hindeutet.

Von den 58 Ländern, die klimawandelassoziierte Auswirkungen auf Hauterkrankungen berichteten, gaben 81,0 Prozent eine Zunahme von Hitzeausschlägen und 75,9 Prozent eine Zunahme entzündlicher Hauterkrankungen an. Veränderungen bei Infektionskrankheiten wurden von 62,1 Prozent berichtet; die Hälfte davon berichtete Veränderungen bei vektorübertragenen Erkrankungen.

Klimawandel kann Hauterkrankungen verstärken

„Die wichtigste Erkenntnis unserer Studie ist, dass der Klimawandel bereits mit nachteiligen Auswirkungen auf Hauterkrankungen assoziiert ist und dass diese Effekte Länder mit niedrigem Einkommen unverhältnismäßig stark belasten“, so Studienautorin Dr. Esther Freeman von der International League of Dermatological Societies und dem Massachusetts General Hospital, Boston, USA. „Bei den Folgen von Extremwetter denken wir häufig an Hitzschlag, kardiovaskuläre Probleme und Atemwegserkrankungen, doch die Haut ist unsere erste Schutzbarriere gegenüber dem Klimawandel.“

Zur möglichen Erklärung dieser Effekte ergänzt Freeman: „Höhere Temperaturen und eine höhere Luftfeuchtigkeit können das Schwitzen und Hautirritationen verstärken, während Hitze, Luftverschmutzung und andere Umweltexpositionen Entzündungen auslösen oder verschlimmern können. Veränderungen von Temperatur und Niederschlägen können zudem die Habitate von Mücken, Zecken und anderen Krankheitsvektoren beeinflussen und ihnen möglicherweise das Überleben in Regionen ermöglichen, in denen sie zuvor selten vorkamen.“

Geringe Ressourcen verschärfen die klimabedingte Vulnerabilität

Die Forschenden weisen darauf hin, dass die Ergebnisse auf eine ausgeprägte globale Ungleichheit hindeuten. Obwohl Länder mit geringeren Ressourcen am wenigsten zum Klimawandel beitragen, berichteten sie häufiger über klimabedingte dermatologische Veränderungen. Dies sei besonders alarmierend, da es sich häufig um dieselben Länder handelt, die über die geringsten Anpassungskapazitäten verfügen.

Viele Länder mit niedrigerem Einkommen liegen in Regionen, in denen extreme Hitze, Überschwemmungen und veränderte Niederschlagsmuster auftreten. Gleichzeitig ist dort der Zugang zu medizinischer Versorgung, Dermatologen, Arzneimitteln und Public-Health-Infrastruktur eingeschränkter. Dadurch entstehe eine sich verstärkende Vulnerabilität, in der die größten Gesundheitsrisiken auf Gesundheitssysteme treffen, die über geringere Ressourcen verfügen, um Erkrankungen zu verhindern, zu erkennen und zu behandeln.

Mit Blick auf die Zukunft fordern die Forschenden eine stärkere Surveillance, Aufklärung und lokal angepasste Strategien, insbesondere in Regionen mit begrenzten Ressourcen. „Wir müssen die Hautgesundheit als Bestandteil der Vorsorge im Bereich Klimawandel und Gesundheit behandeln“, so Dr. Freeman. „Das bedeutet, die Surveillance zu stärken, damit Veränderungen früher erkannt werden können, die Fortbildung und das Bewusstsein bei Gesundheitsfachkräften und in der Bevölkerung zu verbessern sowie Anpassungsstrategien zu entwickeln, die die lokalen Klimaexpositionen, Erkrankungsmuster und Ressourcen der Gesundheitssysteme berücksichtigen.“ (ins)