Klinische Studie: Niedrig dosiertes Atropin verlangsamt Myopie-Progression bei Kindern14. Juni 2023 Symbolbild.©Robert Przybysz-stock.adobe.com Die Ergebnisse einer neuen klinischen Studie deuten darauf hin, dass eine medikamentöse Therapie zur Verlangsamung des Fortschreitens der Kurzsichtigkeit bei Kindern in greifbare Nähe rücken könnte. Die dreijährige Untersuchung ergab, dass die tägliche Gabe einer geringen Dosis Atropin in jedes Auge besser geeignet ist als ein Placebo, um das Längenwachstum des Auges bei kurzsichtigen Kindern im Alter von sechs bis zehn Jahren zu verhindern und Änderungen der Brillenstärke zu begrenzen. Untersucht wurde eine große, heterogene Population aus 27 klinischen Einrichtungen in Nordamerika und fünf europäischen Ländern. Die Ergebnisse der Childhood Atropine for Myopia Progression(CHAMP)-Studie wurden im Fachjournal „JAMA Ophthalmology“ veröffentlicht. Etwa einer von drei Erwachsenen weltweit ist kurzsichtig, und es wird prognostiziert, dass die globale Prävalenz der Myopie bis 2050 auf 50 Prozent ansteigen wird. Während eine zugelassene Kontaktlinse das Fortschreiten der Kurzsichtigkeit verlangsamen kann, sind in den Vereinigten Staaten oder Europa bislang keine pharmazeutischen Produkte zur Behandlung von Kurzsichtigkeit zugelassen. Tierversuche haben schon vor Jahren angedeutet, dass Atropin das Wachstum des Auges verlangsamen kann. Jedoch haben die Beeinträchtigung des Nahsehens durch das unverdünnte Medikament und die Bedenken hinsichtlich der Pupillenerweiterung frühe Überlegungen zu seinem Potenzial als Therapie für Myopie beim Menschen verhindert. Neuere Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass eine niedrige Dosis von Atropin die Lösung sein könnte. In dieser randomisierten, doppelt verblindeten Phase-III-Studie wurden die Sicherheit und Wirksamkeit von zwei niedrig dosierten Lösungen mit einer Atropinkonzentration von 0,01 oder 0,02 Prozent im Vergleich zu Placebo untersucht. Um die Wirksamkeit des Medikamentes zu untersuchen, wurden 489 Kinder im Alter von sechs bis zehn Jahren täglich mit einem Tropfen pro Auge vor dem Schlafengehen behandelt. So konnte die Nebenwirkung des Verschwommensehens durch Atropin auf ein Minimum reduziert werden. Überraschenderweise wurden die signifikantesten Verbesserungen zu allen Zeitpunkten im Vergleich zu Placebo von der Lösung mit 0,01 Prozent Atropin erzielt. Die 0,02-prozentige Atropinformulierung verlangsamte das Fortschreiten der Myopie ebenfalls besser als Placebo, jedoch waren die Ergebnisse weniger konsistent. “Die Ergebnisse der 0,01-prozentigen Formulierung sind klarer und deutlicher, da sie sowohl das Wachstum des Auges deutlich verlangsamt als auch zu einer niedrigeren Brillenstärke führt”, sagte Karla Zadnik, Hauptautorin der Studie, Professorin und Dekanin des College of Optometry an der Ohio State University (USA). Ein Schlüsselelement der Untersuchung war die Einbeziehung der Messung des Augenlängenwachstums. „Das Feld bewegt sich tatsächlich in Richtung Achsenverlängerung, die genauso wichtig ist wie oder wichtiger als die Brillenverordnung, wenn es um das aussagekräftigste Ergebnis geht“, erklärte Zadnik. Die Sicherheit der Medikamente wurde in einer größeren Stichprobe von 573 Teilnehmern, zu denen auch Kinder im Alter von drei bis 16 Jahren gehörten, überprüft. Beide niedrig dosierten Formulierungen waren sicher und wurden gut vertragen. Die häufigsten Nebenwirkungen waren Lichtempfindlichkeit, allergische Bindehautentzündung, Augenreizung, erweiterte Pupillen und verschwommenes Sehen, obwohl nur wenige Berichte über diese Nebenwirkungen vorlagen. Das experimentelle Medikament wird ohne Konservierungsstoffe hergestellt und würde, falls es als Therapie zugelassen wird, in Einwegverpackungen vertrieben werden. Atropin in niedriger Dosierung, das derzeit in Apotheken erhältlich sei, so die Forschenden, könne hingegen Konservierungsstoffe enthalten, die zu trockenen Augen und Hornhautreizungen führen könnten. (SaS)
Mehr erfahren zu: "Von Pollen, Pollution bis Proteom: Warum die Träne mehr verraten kann als das Auge" Weiterlesen nach Anmeldung Von Pollen, Pollution bis Proteom: Warum die Träne mehr verraten kann als das Auge Prof. Uwe Pleyer von der Augenklinik der Charité – Universitätsmedizin Berlin berichtet an dieser Stelle regelmäßig über aktuelle Themen aus Ophthalmologie. Dieses Mal stehen okuläre Allergien im Mittelpunkt.
Mehr erfahren zu: "Resilienz: Gehirn passt sich aktiv an" Resilienz: Gehirn passt sich aktiv an Nach einem belastenden Ereignis entwickeln einige Menschen eine stressbedingte Störung, andere hingegen nicht. Eine neue Studie zeigt, dass Resilienz kein starrer Grundzustand ist, sondern aktiven Veränderungen im Gehirn unterliegt. Sie […]
Mehr erfahren zu: "Krebsforschung: Mini-Antikörper reaktivieren den Wächter des Genoms" Krebsforschung: Mini-Antikörper reaktivieren den Wächter des Genoms Das Protein p53 ist in vielen Krebszellen mutiert, sodass es seine Schutzfunktion vor der Entstehung von Tumoren nicht mehr erfüllen kann. Forschern ist es jetzt gelungen, eine Art Mini-Antikörper (DARPins) […]