Klosterfrau Group Award 2026: Forschung zu Atemwegsentzündungen und Lebensqualität bei seltenen Lungenerkrankungen ausgezeichnet9. April 2026 Abbildung: © ashan/stock.adobe.com Im März sind zwei Preise für herausragende Arbeiten im Bereich der pädiatrischen Atemwegsmedizin verliehen worden. Sie gingen in die USA und in die Schweiz. Der mit 30.000 Euro dotierte International Klosterfrau Group Award for Research of Airway Diseases in Childhood 2026 ging an Sam J. McCright, tätig an der University of Pennsylvania (USA). Den mit 20.000 Euro ausgeschriebenen International Klosterfrau Group Grant for Research of Airway Diseases in Childhood 2026 erhielt PD Dr. Elias Seidl vom Universitäts-Kinderspital Zürich (Schweiz). Vergeben wurden die Auszeichnungen am 20. März 2026 im Rahmen der 47. Jahrestagung der Gesellschaft für Pädiatrische Pneumologie. „Die diesjährigen Preisträger zeigen eindrucksvoll, wie exzellente Forschung dazu beitragen kann, aus der Grundlagenforschung wichtige Erkenntnisse für die Entwicklung besserer Therapien bei Lungenerkrankungen zu entwickeln und die Lebensrealität pädiatrischer Patientinnen und Patienten nachhaltig zu verbessern“, erklärte die Juryvorsitzende Prof. Gesine Hansen, Ärztliche Direktorin der Klinik für Pädiatrische Pneumologie, Allergologie und Neonatologie der Medizinischen Hochschule Hannover. „Sam J. McCright liefert wegweisende Erkenntnisse zur Rolle gesättigter Fettsäuren bei neutrophiler Entzündung und Adipositas-assoziiertem Asthma, während Elias Seidl klar aufzeigt, welche Faktoren die Lebensqualität bei seltenen interstitiellen Lungenerkrankungen bestimmen.“ Gesättigte Fettsäuren als Treiber neutrophiler Atemwegsentzündung In seiner prämierten Arbeit, im vergangenen Jahr publiziert in „Science Translational Medicine“, untersuchte McCright mithilfe eines präklinischen Modells für Adipositas die Wirkung verschiedener Fettsäuren auf die angeborene Immunität der Lunge. Der Forscher stellte dabei fest, dass sich gesättigte Fettsäuren in Lungen-Makrophagen anreichern. Gesättigte langkettige Fettsäuren, insbesondere Stearinsäure (SA), akkumulieren in residenten Lungenmakrophagen. Diese führen zu einer verstärkten Aktivierung des NLRP3-Inflammasoms und zu einer erhöhten Produktion von Interleukin(IL)-1β, einem Schlüsselfaktor der angeborenen Entzündung. McCright stellt außerdem dar, dass SA die neutrophile Entzündung verstärkt – unabhängig vom Körpergewicht. Eine SA-reiche Ernährung erhöhte im präklinischen Modell die neutrophile Entzündung der Atemwege, auch ohne Gewichtszunahme. Die Gabe der einfach ungesättigten Fettsäure Ölsäure zeigte gegenteilige Effekte: reduzierte Inflammasom-Aktivität und weniger Entzündung. Außerdem beobachtete McCright, dass eine pharmakologische Hemmung vor Entzündung schützt. Die Blockade von IL-1β oder die Hemmung der Endonuklease IRE1α verhinderte SA-induzierte Lungenentzündungen. Neue therapeutische Perspektiven durch diätetische Faktoren In Lungenproben übergewichtiger pädiatrischer Patienten mit Asthma wurden Monozyten gefunden, die dieselben Aktivierungsmerkmale wie SA-exponierte Makrophagen im präklinischen Modell aufwiesen. Die Erkenntnisse untermauern, dass diätetische Faktoren, insbesondere gesättigte Fettsäuren, die Intensität und Qualität pulmonaler Entzündung beeinflussen können – unabhängig vom Körpergewicht. Daraus ergeben sich zwei potenzielle therapeutische Ansätze: Zum einen eine Ernährungsmodifikation zur Reduktion gesättigter Fettsäuren, zum anderen pharmakologische Interventionen gegen IRE1α, NLRP3 oder IL-1β. Klinikaufenthalte und Gedeihstörung: Hochrelevant für die Lebensqualität bei seltenen interstitiellen Lungenerkrankungen Der in diesem Jahr vergebene Research Grant ging an Seidl für eine im Februar dieses Jahres im „European Respiratory Journal“ publizierte Arbeit, an der er als Letztautor beteiligt war. Darin hatte man in einer multinationalen Kohorte von 424 Kindern aus zehn europäischen Ländern untersucht, welche Faktoren die gesundheitsbezogene Lebensqualität (HRQoL) von Kindern mit chILD („childhood interstitial lung diseases“) am stärksten beeinflussen. Grundlage sind prospektiv erhobene Daten aus dem chILD-EU-Register. Elias Seidl (li.), Gewinner des International Klosterfrau Group Grant for Research of Airway Diseases in Childhood 2026 und Juryvorsitzende Gesine Hansen.(Foto: © Gareth Harmer/GPP) Seidls Analyse zeigt, dass es zwei wichtige unabhängige Prädiktoren für eine deutlich reduzierte Lebensqualität bei Kindern mit chILD gibt: Dies sind vorangegangene stationäre Aufenthalte sowie eine Gedeihstörung. Beide Faktoren überschreiten die bekannten minimal klinisch bedeutsamen Unterschiede (MICDs) klar und gelten somit als hochrelevant für die klinische Praxis. Andere Parameter – darunter chronische Medikation, respiratorische Symptome, Pulmonale Hypertonie oder soziale Faktoren – wiesen lediglich geringe Zusammenhänge mit der patientenberichteten Lebensqualität auf. Verbesserte Lebensqualität durch gezielte medizinische Intervention Seidls Erkenntnisse liefern laut der Jury wertvolle Ansatzpunkte, um die Versorgung von Kindern mit seltenen Lungenerkrankungen gezielt zu verbessern. Insbesondere die beiden identifizierten Schlüsselparameter sind medizinisch beeinflussbar und ermöglichen damit konkrete Interventionsstrategien: eine optimierte Ernährungstherapie, um Gedeihstörungen frühzeitig entgegenzuwirken, und eine Verlagerung geeigneter diagnostischer und therapeutischer Eingriffe in den ambulanten Bereich, um stationäre Aufenthalte zu reduzieren. Über den Klosterfrau Group Award Der International Klosterfrau Group Award for Research of Airway Diseases in Childhood wird seit 2001 jährlich verliehen. Er zeichnet Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus, die durch ihre Arbeiten einen wichtigen Beitrag zur Grundlagenforschung, Diagnostik und Therapie pädiatrischer Atemwegserkrankungen geleistet haben. Ein optionaler Research Grant wird vergeben, wenn eine weitere Arbeit besonders auszeichnungswürdig erscheint. In diesem Jahr wurde der Klosterfrau Group Award zum 26. Mal verliehen.
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