Knapp 20 Prozent der Briten leiden unter Misphonie

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Etwa 18 Prozent der Bevölkerung in Großbritannien könnten Misphonie haben, wie eine aktuelle repräsentative Befragung ergeben hat.

Menschen mit Misphonie reagieren sehr negativ auf eigentlich alltägliche Geräusche beispielsweise Kauen oder Schlürfen. Zur Prävalenz der Misphonie in der allgemeinen Bevölkerung gibt es wenig Studien. Frühere Schätzungen gehen davon aus, dass fünf bis 20 Prozent der Personen bestimmter Gruppen – beispielsweise Studenten – unter Misphonie leiden.

In der aktuellen Studie wurde eine für die Bevölkerung Großbritannien repräsentative Gruppe von 768 Personen befragt. Von diesen identifizierten sich 51 Prozent als weiblich, 48 Prozent als männlich und vier gaben nichtbinär/anders an. Das mittlere Alter lag bei 46,4 Jahr. 13,6 Prozent der Befragten kannten den Begriff „Misphonie“ schon vor der Studie. 2,6 Prozent gaben an selbst unter Misphonie zu leiden.

Die Studie fragte unter anderem nach auslösenden Geräuschen („trigger sounds“) und die Befragten wurden gebeten ihre emotionale Reaktion und deren Intensität auf eine Skala von ein bis zehn zu beschreiben. Die Studienautoren wollten auch wissen, wie diese Geräusche das Leben der Betroffenen beeinflussen und wie diese sich selbst sowie ihre privaten und beruflichen Beziehungen sehen.

Es wurden Interviews mit 26 Personen durchgeführt, die angaben Misphonie zu haben und mit 29 Personen aus der allgemeinen Stichprobe, um einen Grenzwert für signifikante Misphonie-Symptome zu entwickeln. Der neue Fragebogen ermögliche es Forschenden und klinisch tätigen Ärzten und Ärztinnen Misphonie-Symptome zu messen und wie sich diese mit der Zeit verändern, so die Autoren der Studie.

Die Befragung ergab, dass 18 Prozent der Teilnehmenden signifikante Misphonie-Symptome zu haben scheint. Das kann das Gefühl sein sich eingeengt und hilflos zu fühlen, wenn man bestimmten Geräuschen ausgesetzt ist sowie Selbstvorwürfe für starke Reaktionen auf bestimmte Geräusche oder dafür Dinge nicht zu tun, wegen der Geräusche.

Die am häufigsten genannte Reaktion auf spezielle Geräusche in der allgemeinen Studienpopulation war Irritation. Bei Menschen mit Misphonie war diese hingegen das Gefühl eingesperrt oder hilflos zu sein, wenn sie dem auslösenden Geräusch nicht ausweichen konnten. Es zeigten sich keine signifikanten Unterschiede in der Prävalenz der Misphonie bezüglich des Geschlechts. Allerdings waren Personen mit Misphonie im Durchschnitt 3,3 Jahre jünger als die allgemeine Studienpopulation. Ein kleiner, aber signifikanter Unterschied, wie die Autoren der Studie betonen.

Auch wenn diese Ergebnisse für Großbritannien gelten und daher möglicherweise nicht auf andere Länder und Kulturen übertragbar sind, könnte der Fragenkatalog allgemein für Kliniker nützlich sein, die im Bereich Misphonie arbeiten, so die Autoren.

Silia Vitoratou vom King’s College London, Großbritannein, betonte: „Es ist ein wichtiges Ergebnis unserer Studie, dass eine von fünf Personen in Großbritannien signifikante Misphonie-Reaktionen zeigt, aber nur eine kleiner Teil den Begriff kennt. Da heißt, die meisten Menschen mit Misphonie haben keinen Namen für ihre Erfahrungen.“ Das Team arbeite hart dafür, die Störung bekannt zu machen und Kliniker mit Werkzeugen auszustatten, um Misphonie zu verstehen und effektiv zu bewerten.