Können Hunde Krebserkrankungen des Urogenitaltrakts erschnüffeln?9. Oktober 2026 (Symbolbild) Foto: © davidcrehner – stock.adobe.com Mit ihrem außergewöhnlichen Geruchssinn nehmen Hunde kleinste Geruchsnuancen wahr. Die Nase ist ihr wichtigstes Sinnesorgan, und vermutlich erleben Hunde ihre Umwelt deshalb ganz anders als wir Menschen. Das machen wir uns zunutze. So sind die Vierbeiner als Drogenspür-, Sprengstoffspür- und Jagdhunde aus der Detektionsarbeit nicht wegzudenken. Doch die Welt der Chemosensorik des Hundes scheint noch viel größer zu sein, als wir uns vorstellen können.In der Medizin finden Spürhunde immer mehr Beachtung: Als Ergänzung zu technischen Verfahren wie der Gaschromatographie oder elektronischen Sensoren („eNose“). Dass Hunde hier ganz vorne mitspielen, hat die Klinik für Kleintiere der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo) bereits 2020 gezeigt. Trainierte Hunde konnten SARS-CoV-2-Infektionen beim Menschen erkennen und von Gesunden unterscheiden. Das Besondere daran: Sie taten das in Echtzeit und häufig zuverlässiger als die damaligen Antigen-Schnelltests. Krankheiten haben einen eigenen Geruch Der Grund dafür, dass Hunde das konnten war, dass Krankheiten riechen. Veränderte Stoffwechselprozesse setzen eine spezifische Mischung flüchtiger organischer Verbindungen frei, die wie ein geruchlicher Fingerabdruck wirkt. Ist ein Hund auf diesen Fingerabdruck trainiert, erkennt er ihn zuverlässig wieder. Auch in Proben von Menschen, die er nie zuvor gerochen hat. Das klappt nicht nur bei Infektionskrankheiten wie SARS-CoV-2 oder Malaria. Hunde können zum Beispiel auch Unterzuckerungen bei Diabetes anzeigen. Und es gibt sogar Hinweise, dass sie vor epileptischen Anfällen warnen können. Das Projekt OnkoDog Das von der NBank mit 290.000 Euro geförderte, zweijährige Projekt „OnkoDog“ überträgt dieses besondere Talent von Hunden nun auf die Erkennung von Krebserkrankungen des Urogenitaltrakts. Prostatakrebs ist mit rund 80.000 Neuerkrankungen pro Jahr die häufigste Krebsart bei Männern in Deutschland, und gängige Früherkennungsverfahren wie der PSA-Test sind umstritten. Beteiligt sind neben der TiHo zwei Partner: die AWiAS Aviation Services GmbH, ein Unternehmen mit langjähriger Erfahrung in der Ausbildung von Spürhunden. Und Sindojan Automotive, ein Technologieunternehmen mit Schwerpunkt auf Softwareentwicklung. Im Projekt wird das Team um Sebastian Meller, PhD, und Prof. Holger Volk, PhD, medizinische Spürhunde ausbilden, die Prostata-, Blasen- und Nierenkrebs anhand von Urinproben erkennen sollen. Wie zuverlässig das gelingt, wird in verblindeten Tests überprüft. Ergänzend wird das Team die Geruchsprofile der Proben im Labor untersuchen, um besser zu verstehen, worauf die Hunde eigentlich anspringen. „Unsere Erfahrungen aus der COVID-19-Forschung haben gezeigt, wie präzise Hunde Erkrankungen am Geruch erkennen können“, erklärt Meller. „Nun wollen wir herausfinden, ob sie auch in der Krebsfrüherkennung eine verlässliche Unterstützung sein können und der Medizin frühzeitig Hinweise liefern können, wo genauer hingeschaut werden sollte.“ Betriebliche Gesundheitsvorsorge im Fokus Einen besonderen Fokus legt das Projekt auf die betriebliche Gesundheitsvorsorge. Unternehmen sollen ihren Mitarbeitenden künftig eine einfache, nicht-invasive Vorsorgeuntersuchung anbieten können. Die Mitarbeitenden geben eine Urinprobe ab, die von den Spürhunden untersucht wird. Ob das im Alltag funktioniert, wird im Projekt direkt in einem Betrieb unter realen Bedingungen erprobt. Eine eigens entwickelte Software anonymisiert dafür die Proben und ordnet auffällige Befunde den jeweiligen Arbeitsbereichen zu. So lassen sich mögliche physikalische, biologische oder chemische Belastungen am Arbeitsplatz erkennen und gezielt Gegenmaßnahmen ergreifen.Selbstverständlich soll der Hund dabei keine ärztliche Diagnose ersetzen. Seine Stärke liegt gerade in der möglichen Früherkennung. Gibt er frühzeitig einen Hinweis, können Betroffene rechtzeitig weiter untersucht und behandelt werden.
Mehr erfahren zu: "Rinder können auch ohne embryonales Interferon-tau trächtig werden" Rinder können auch ohne embryonales Interferon-tau trächtig werden LMU-Forschende widerlegen ein jahrzehntealtes Modell: Genetisch veränderte Rinderembryonen führen auch ohne Interferon-tau zu einer erfolgreichen Trächtigkeit und entwickeln sich zu gesunden Kälbern.
Mehr erfahren zu: "Gene in Wurmparasiten aus- und anschalten – Forschende etablieren CRISPR/Cas-Technik" Gene in Wurmparasiten aus- und anschalten – Forschende etablieren CRISPR/Cas-Technik Forschenden der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) ist es mit einem Team aus den USA gelungen, die Genscheren-Technik bei Schistosomen zu etablieren. Dies eröffnet neue Perspektiven für die Erforschung der komplexen Parasitenbiologie.
Mehr erfahren zu: "WWF: Schutz der Natur verbindlich in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft verankern" WWF: Schutz der Natur verbindlich in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft verankern Weltweit sind Wildtiere unter Druck, ihre Bestände nehmen seit Jahrzehnten immer weiter ab. Verantwortlich ist dafür der Mensch – der aber auch etwas tun kann.