Die körperliche Fitness von Transfrauen und Cis-Frauen ist vergleichbar5. Februar 2026 Laut einer aktuellen Studie ist die Fitness von Transfrauen und Cis-Frauen vergleichbar. (Bild: © Samo Trebizan/stock.adobe.com) Transfrauen können ein bis drei Jahre nach einer Hormontherapie mehr Muskelmasse aufweisen als Cis-Frauen, ihre körperliche Fitness ist jedoch vergleichbar. Dies geht aus einer Übersichtsarbeit hervor, die kürzlich im „British Journal of Sports Medicine“ veröffentlicht wurde. Ob Transgender-Frauen in Frauensportwettbewerben teilnehmen sollten und unter welchen Bedingungen, ist weiterhin stark umstritten. Politische Regelungen, die pauschale Ausschlüsse vorsehen, begründen dies oft mit potenziellen Vorteilen aus früherer Testosteronexposition. Während frühere Studien nahelegen, dass eine Hormontherapie die Körperzusammensetzung von Transpersonen verändern kann, ist die Studienlage zu ihrer funktionellen Leistungsfähigkeit und ihrem körperlichen Vorteil uneinheitlich. Studiendesign und Teilnehmende Zur Klärung sichteten die Forschenden Datenbanken nach Studien, die die Körperzusammensetzung oder die körperliche Fitness von Transgender-Personen vor und nach einer Hormontherapie mit der von Cisgender-Personen verglichen. Insgesamt erfüllten 52 Studien mit 6485 Teilnehmenden (2943 Transfrauen, 2309 Transmänner, 568 Cisgender-Frauen und 665 Cisgender-Männer; Altersspanne 14 bis 41 Jahre) die Einschlusskriterien. Die Studien unterschieden sich in Design und Methodik: 45 untersuchten Erwachsene, 7 Jugendliche. Nur 16 Studien erfassten körperliche Aktivität, die meisten verglichen Transgender-Athletinnen und -Athleten nicht mit Cis-Athletinnen und -Athleten. Nur sieben berücksichtigten potenziell einflussreiche Faktoren wie Körperzusammensetzung, Hormonspiegel und Nährstoffaufnahme. Von den Studien waren 22 prospektiv, 9 retrospektiv, 17 querschnittlich (observational); 3 randomisierte kontrollierte Studien und 1 quasi-experimentelle Studie. Vergleichbare Ober- und Unterkörperkraft Die gepoolte Analyse von 46 Studien zeigte: Transgender-Frauen unterscheiden sich in der Körperzusammensetzung sowohl von cisgender Männern als auch von Cisgender-Frauen. Transfrauen weisen signifikant höhere Körperfettanteile auf als Cis-Männer, jedoch vergleichbare Werte wie Cis-Frauen. Obwohl Transfrauen mehr fettfreie Masse (ein Indikator für Muskelmasse) besitzen, zeigten sich keine beobachtbaren Unterschiede in der Ober- oder Unterkörperkraft oder der maximalen Sauerstoffaufnahme (VO₂max) zwischen ihnen und Cis-Frauen. Die Ober- und Unterkörperkraft sowie die VO₂max von Transfrauen waren dementsprechend auch deutlich niedriger als bei Cis-Männern. Während eine Hormontherapie bei Transfrauen mit einem höheren Körperfettanteil und einem geringeren Muskelanteil einherging, wiesen Transmänner ein bis drei Jahre nach Behandlungsbeginn weniger Körperfett, mehr Muskelmasse und eine höhere Oberkörperkraft auf. Limitationen der Studie Die Forschenden weisen auf verschiedene Einschränkungen ihrer Ergebnisse hin, darunter die kurze Studiendauer und das Fehlen von Daten zu Leistungssportlern. Nur wenige Studien erfassten spezifische Leistungsparameter oder Effekte einer Pubertätsblockade. Einflussfaktoren wie Trainingshistorie, Ernährung, Basisfitness, körperliche Aktivität, Körperzusammensetzung oder vorherige Hormontherapie wurden ungleichmäßig erfasst und adjustiert. Auch Altersspektrum, Sportart und Wettbewerbsniveau waren in den Studien begrenzt. Trotz dieser Einschränkungen kommen die Forschenden zu dem Schluss: „Die Angleichung der funktionellen Leistungsfähigkeit von Transfrauen an die von Cis-Frauen, insbesondere in Bezug auf Kraft und Ausdauerkapazität, stellt Annahmen über angeborene sportliche Vorteile in Frage, die allein auf [geschlechtsangleichende Hormontherapie] oder verbleibende Unterschiede in der fettfreien Körpermasse zurückzuführen sind.“ Sie betonen zugleich, dass die derzeitige Evidenz keine pauschalen Ausschlüsse rechtfertige, aber Lücken bestehen, etwa die Unterrepräsentation von Transgender-Athletinnen und -Athleten, die möglicherweise mehr „Muskelgedächtnis“ behalten. Ausblick Um Spekulationen auszuräumen, sollten zukünftige Langzeitstudien zur körperlichen Fitness idealerweise leistungsspezifische Kennzahlen bei Transgender-Athletinnen und -Athleten priorisieren. Man sollte sich jedoch der geringen Anzahl von Transgender-Athletinnen und -Athleten, insbesondere im Spitzensport, bewusst sein, was die Durchführung aussagekräftiger Studien mit Trans-Hochleistungssportlerinnen und -Sportlern in spezifischen Sportdisziplinen erschwert, so die Autoren. Weiter betonen sie: „Angesichts dieser unvollständigen Datenlage und trotz der methodischen Herausforderungen ist die weitere Erforschung physiologischer und psychosozialer Entwicklungen bei Transgender-Athletinnen und -Athleten mit unterschiedlichen demografischen und klinischen Merkmalen essenziell. Sie ist notwendig, um faire Rahmenbedingungen zu entwickeln, die Gerechtigkeit, Inklusion und wissenschaftliche Strenge vereinen.“ (lj/BIERMANN) Außerdem interessant zum Thema Transgender: Hormontherapie: Proteine spiegeln Geschlechtsidentität wider Geschlechtsangleichende Hormontherapie: Auswirkungen auf Pharmakokinetik und Krebstherapie
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