Kognitive Dysfunktion bei Typ-1-Diabetes

©LIGHTFIELD STUDIOS – stock.adobe.com

Wissenschaftler der Universität Danzig haben Schlüsselstudien zusammengefasst, welche die Epidemiologie, Mechanismen und Konsequenzen einer kognitiven Dysfunktion (CD) bei Typ-1-Diabetes untersuchen.

In einer Reihe von Studien wurde der Schweregrad von CD bei Typ-1-Diabetes durch das Alter bei Kranheitsbeginn und die Dauer des Auftretens sowie das Vorliegen einer proliferativen Retinopathie und einer autonomen Neuropathie beeinflusst. Diabetesbedingte CD wurde nicht nur bei Erwachsenen, sondern auch bei Kindern und Jugendlichen beobachtet. Die meisten bildgebenden Untersuchungen an Patienten mit Typ-1-Diabetes zeigten keine Unterschiede im gesamten Gehirnvolumen. Sie zeigten jedoch selektive Defizite im Volumen oder in der Dichte der grauen Substanz innerhalb des frontalen, posterioren und temporalen Kortex und der subkortikalen grauen Substanz. Studien an Erwachsenen mittleren Alters mit langjährigem Typ-1-Diabetes unter Verwendung der Diffusions-Tensor-Bildgebung haben partielle Läsionen in der weißen Substanz und eine verminderte fraktionale Anisotropie in den posterioren Hirnregionen gezeigt.

Die Mechanismen, die der diabetesbedingten CD zugrunde liegen, sind sehr komplex und umfassen Faktoren, die mit Diabetes per se und mit diabetesbedingten kardiovaskulären Erkrankungen und mikrovaskulären Funktionsstörungen zusammenhängen, einschließlich chronischer Hyperglykämie, Hypoglykämie, Makro- und mikrovaskulärer Erkrankungen und einer erhöhten inflammatorischen Zytokinexpression. Diese Mechanismen könnten zur Entwicklung und zum Fortschreiten sowohl der vaskulären Demenz als auch der Alzheimer-Krankheit beitragen.

Höhere CD-Raten und ein schnelles Fortschreiten des Typ-1-Diabetes lassen sich sowohl durch die direkten Auswirkungen eines veränderten Glukosestoffwechsels auf das Gehirn als auch durch diabetes­bedingte kardiovaskuläre Erkrankungen erklären. Da das Vorhandensein einer CD die Lebensqualität von Patienten mit Diabetes erheblich verschlechtert, sind weitere multidisziplinäre Studien erforderlich, die die jüngsten Fortschritte der Bildgebung und der Diabetes­behandlung berücksichtigen. (rl)

Fazit
Die Mechanismen, die der diabetesbedingten kognitiven Dysfunktion zugrunde liegen, umfassen Faktoren, die mit Diabetes per se und mit diabetesbedingten kardiovaskulären Erkrankungen und mikrovaskulären Funktionsstörungen zusammenhängen. Diese Mechanismen könnten zur Entwicklung und zum Fortschreiten sowohl der vaskulären Demenz als auch der Alzheimer-Krankheit beitragen.

Autoren: Shalimova A et al.
Korrespondenz: Anna Shalimova; [email protected]
Studie: Cognitive Dysfunction in Type 1 Diabetes Mellitus
Quelle: J Clin Endocrinol Metab 2019 Jun 1;104(6):2239–2249.
Web: www.academic.oup.com/jcem/article-abstract/104/6/2239/5290155