Kognitive Verhaltenstherapie beim therapierefraktären Reizdarmsyndrom10. Februar 2020 © buritora – stock.adobe.com RDS betrifft weltweit 10–20% der erwachsenen Bevölkerung. Viele Betroffene berichten von anhaltenden Symptomen trotz Erstlinientherapie. Die kognitive Verhaltenstherapie (CBT) wird in den Leitlinien für das therapierefraktäre RDS empfohlen, aber es besteht nach wie vor Unsicherheit darüber, ob ein Nutzen längerfristig anhält. Die Bewertung von 2 CBT-Ansätzen wurde nun in der ACTIB-Studie bei RDS-Patienten eingehend untersucht. Hierfür wurden 558 Erwachsene mit refraktärem RDS zufällig 3 Studien-Armen zugeordnet: einer vom Therapeuten verabreichten Telefon-CBT (Telefon-CBT-Gruppe), einer Web-basierten CBT mit minimaler Unterstützung durch den Therapeuten (Web-CBT-Gruppe) sowie einer üblichen Therapie-Behandlung (TAU-Gruppe). Eine Nachbeobachtung erfolgte zunächst über 12 Monate. Bei 323 (58%) von 558 Teilnehmern wurde eine 24-monatige Nachbeobachtung erreicht: bei 64% in der Telefon-CBT-Gruppe, bei 54% in der Web-CBT-Gruppe sowie bei 56% in der TAU-Gruppe. Nach 24 Monaten war der mittlere RDS Symptom-Severity Score (RDS-SSS) in der Telefon-CBT-Gruppe um 40,5 Punkte (95%-KI 15,0–66,0; p=0,002) und in der Web-CBT-Gruppe um 12,9 Punkte (95%-KI –12,9 bis 38,8; p=0,33) niedriger als in der TAU-Gruppe. Der mittlere Work and Social Adjustment Scale (WSAS) Score war in der Telefon-CBT-Gruppe um 3,1 Punkte (1,3–4,9; p<0,001) und in der Web-CBT-Gruppe um 1,9 Punkte (95%-KI 0,1–3,7; p=0,036) niedriger als in der TAU-Gruppe. Eine klinisch signifikante RDS-SSS-Änderung (≥50 Punkte) von der Grundlinie auf 24 Monate wurde bei 71% in der Telefon-CBT-Gruppe, bei 63% in der Web-CBT-Gruppe und bei 46% in der TAU-Gruppe festgestellt. Fazit Die ACTIB-Studie demonstrierte deutlich, dass beide Formen der CBT für das RDS nach 12 Monaten signifikant wirksamer waren als übliche Behandlungen. Nach 24 Monaten wurden in beiden CBT-Gruppen nachhaltige Verbesserungen des RDS im Vergleich zur üblichen Therapie (TAU) festgestellt. Die RDS-spezifische CBT hat somit das Potenzial, eine langfristige Verbesserung des RDS zu bewirken. Ein verbesserter Zugang zur CBT muss gewährleistet werden, um einen Patientennutzen zu erzielen. (je) Autoren: Everitt HA et al. Korrespondenz: Hazel A. Everitt; [email protected] Studie: Cognitive behavioural therapy for irritable bowel syndrome: 24-month follow-up of participants in the ACTIB randomised trial Quelle: Lancet Gastroenterol Hepatol 2019;4(11):863–872. Web: https://doi.org/10.1016/S2468-1253(19)30243-2