Kognitives Dysfunktionssyndrom bei älteren Hunden

Foto: © Thomas Suchanek/ Vetmeduni

Der Alltag stellt Hunde jeden Alters vor Herausforderungen. Mit zunehmendem Alter aber steigen die Hürden. Woran das liegt, untersucht ein Forschungsteam der Ambulanz für Physikalische Medizin und Rehabilitation an der Vetmeduni Wien.

Zielstrebig läuft Lilo den Raum ab. In einer Ecke liegt ein kleiner Stapel Matten. Lilo zögert kurz und untersucht sie interessiert. Ein weiterer Schnüffler, dann kehrt sie erwartungsvoll zu ihrer Besitzerin Christiane Lutonsky zurück. Lilo ist eine von aktuell 49 Hunden, die an einer FWF-geförderten Studie teilnehmen. Ziel ist herauszufinden, welchen Einfluss das kognitive Dysfunktionssyndrom (CDS) bei älteren Hunden auf die posturale Stabilität hat.

Es gilt als das canine Pendant zum menschlichen Alzheimer. In der Studie lösen die Hunde Aufgaben, die Aufschluss über geistige und körperliche Fähigkeiten geben. Dazu kommen eine tiermedizinische Untersuchung sowie eine Ganganalyse, um Lahmheiten zu erkennen bzw. diese auszuschließen und zu testen, ob die Hunde orthopädisch gesund sind.

„Ältere Hunde mit CDS erkennen ihre BesitzerInnen nicht, sind desorientiert, stehen plötzlich herum oder starren vor sich hin“, erklärt Studienleiterin Barbara Bockstahler. „Pathohistologische Untersuchungen wiesen Veränderungen im Gehirn nach, die vergleichbar mit jenen bei an Alzheimer erkrankten Menschen sind.“ Eine weitere Parallele: Sowohl PatientInnen mit Alzheimer als auch alternde Hunde haben eine verminderte posturale Stabilität.

Laut den Forschenden beschreibt posturale Stabilität die Fähigkeit, während verschiedenen Körperpositionen und Aktivitäten die Balance zu halten oder wiederherzustellen. Eine Verminderung der posturalen Stabilität erschwere alltägliche Herausforderungen wie beispielsweise über Treppen oder Hindernisse zu steigen, könne aber auch Indikator für Erkrankungen wie das kognitive Dysfunktionssyndrom oder orthopädische bzw. neurologische Beeinträchtigungen sein.

Die Hunde der Studie sind in drei Gruppen eingeteilt: jung und gesund, alt und gesund sowie alt und dement. Lilo gehört zur ersten Gruppe. Ihre Besitzerin Christiane Lutonsky ist Doktorandin und wissenschaftliche Mitarbeiterin der FWF-Forschungsstudie. Heute steht für Lilo „Fernsehen“ auf dem Programm. Auf einem Bildschirm werden Menschen und Hunde mit unterschiedlicher Mimik gezeigt, dazwischen Kontrollbilder. Dabei muss die dreijährige Mischlingshündin ruhig stehen bleiben. Mittels einer Druckmessplatte im Boden wird laufend ihr Körperschwerpunkt bestimmt, dessen Schwankungen den Forschenden verrät, wie stabil sie steht.

„Man geht davon aus, dass Emotionen, aber auch erschwerte Bedingungen wie das Stehen auf einer Schrägen die Stabilität beeinflussen“, sagt Bockstahler

Text: Stephanie Scholz, erschienen in VETMED 03/2023 der Vetmeduni Wien