Kognitives Dysfunktionssyndrom bei älteren Hunden11. Januar 2024 Foto: © Thomas Suchanek/ Vetmeduni Der Alltag stellt Hunde jeden Alters vor Herausforderungen. Mit zunehmendem Alter aber steigen die Hürden. Woran das liegt, untersucht ein Forschungsteam der Ambulanz für Physikalische Medizin und Rehabilitation an der Vetmeduni Wien. Zielstrebig läuft Lilo den Raum ab. In einer Ecke liegt ein kleiner Stapel Matten. Lilo zögert kurz und untersucht sie interessiert. Ein weiterer Schnüffler, dann kehrt sie erwartungsvoll zu ihrer Besitzerin Christiane Lutonsky zurück. Lilo ist eine von aktuell 49 Hunden, die an einer FWF-geförderten Studie teilnehmen. Ziel ist herauszufinden, welchen Einfluss das kognitive Dysfunktionssyndrom (CDS) bei älteren Hunden auf die posturale Stabilität hat. Es gilt als das canine Pendant zum menschlichen Alzheimer. In der Studie lösen die Hunde Aufgaben, die Aufschluss über geistige und körperliche Fähigkeiten geben. Dazu kommen eine tiermedizinische Untersuchung sowie eine Ganganalyse, um Lahmheiten zu erkennen bzw. diese auszuschließen und zu testen, ob die Hunde orthopädisch gesund sind. „Ältere Hunde mit CDS erkennen ihre BesitzerInnen nicht, sind desorientiert, stehen plötzlich herum oder starren vor sich hin“, erklärt Studienleiterin Barbara Bockstahler. „Pathohistologische Untersuchungen wiesen Veränderungen im Gehirn nach, die vergleichbar mit jenen bei an Alzheimer erkrankten Menschen sind.“ Eine weitere Parallele: Sowohl PatientInnen mit Alzheimer als auch alternde Hunde haben eine verminderte posturale Stabilität. Laut den Forschenden beschreibt posturale Stabilität die Fähigkeit, während verschiedenen Körperpositionen und Aktivitäten die Balance zu halten oder wiederherzustellen. Eine Verminderung der posturalen Stabilität erschwere alltägliche Herausforderungen wie beispielsweise über Treppen oder Hindernisse zu steigen, könne aber auch Indikator für Erkrankungen wie das kognitive Dysfunktionssyndrom oder orthopädische bzw. neurologische Beeinträchtigungen sein. Die Hunde der Studie sind in drei Gruppen eingeteilt: jung und gesund, alt und gesund sowie alt und dement. Lilo gehört zur ersten Gruppe. Ihre Besitzerin Christiane Lutonsky ist Doktorandin und wissenschaftliche Mitarbeiterin der FWF-Forschungsstudie. Heute steht für Lilo „Fernsehen“ auf dem Programm. Auf einem Bildschirm werden Menschen und Hunde mit unterschiedlicher Mimik gezeigt, dazwischen Kontrollbilder. Dabei muss die dreijährige Mischlingshündin ruhig stehen bleiben. Mittels einer Druckmessplatte im Boden wird laufend ihr Körperschwerpunkt bestimmt, dessen Schwankungen den Forschenden verrät, wie stabil sie steht. „Man geht davon aus, dass Emotionen, aber auch erschwerte Bedingungen wie das Stehen auf einer Schrägen die Stabilität beeinflussen“, sagt Bockstahler Text: Stephanie Scholz, erschienen in VETMED 03/2023 der Vetmeduni Wien
Mehr erfahren zu: "Eignungstests an Österreichs Vetmeduni starten übermorgen" Eignungstests an Österreichs Vetmeduni starten übermorgen Am 22. Juli starten die Eignungstests für das Diplomstudium Veterinärmedizin an der Veterinärmedizinischen Universität Wien. Auch in diesem Jahr haben sich wieder achtmal so viele junge Menschen für einen Studienplatz […]
Mehr erfahren zu: "Feline idiopathische Zystitis (FIC): Low-Dose-Radiotherapie als neue Behandlungsoption" Feline idiopathische Zystitis (FIC): Low-Dose-Radiotherapie als neue Behandlungsoption Dr. Svenja Teichmann-Knorrn und Dr. Imke Schöpper von der Tierklinik Hofheim, einer der fortschrittlichsten Tierkliniken Deutschlands, berichten über die Low-Dose-Radiotherapie bei Katern, die an feliner idiopathischer Zystitis (FIC) leiden.
Mehr erfahren zu: "Grüne fordern Verbot für Tiger und andere Raubtiere in Privathand" Grüne fordern Verbot für Tiger und andere Raubtiere in Privathand Nach dem tödlichen Tigerangriff in Dölzig fordern die Grünen Konsequenzen: Wie riskant ist die Haltung wilder Raubtiere, und was muss sich in Sachsen ändern?