Kombinationstherapie beim platinempfindlichen Ovarialkarzinom: Koprimäre Studienziele mit Immuncheckpoint-Inhibitoren nicht erreicht

STRASBOURG (Biermann) – Jean-Emmanuel Kurtz vom Institut de cancérologie Strasbourg Europe (Frankreich) und seine Kollegen erforschten mit ihrer Studie (ATALANTE/ENGOTov29), ob die Immuntherapie auch beim Ovarialkarzinom (OC) synergistisch mit Bevacizumab und Chemotherapie helfen könnte.

Die koprimären PFS-Studienziele konnten in den Intention-to-Treat(ITT)- oder Programmed-cell-death-ligand-1(PD-L1)-positiven Populationen allerdings nicht erreicht werden. Die Nachbeobachtung des OS wird fortgesetzt und es sind wohl weitere Untersuchungen von Biopsien nötig, um die immunologische Landschaft der Krebsart zu entschlüsseln.

ATALANTE/ENGOT-ov29 ist eine placebokontrollierte, doppelblinde, randomisierte Phase-III-Studie, in die Patientinnen mit rezidivierendem epithelialen OC, 1–2 vorherigen Chemotherapielinien und platinfreiem Intervall (PFI) >6 Monate aufgenommen wurden. Die Forscher randomisierten die Patientinnen nach dem Zufallsprinzip 2:1 (1200 mg Atezolizumab oder Äquivalent 1-mal alle 3 Wochen oder Placebo). Die Patientinnen erhielten das Studienschema ≤24 Monate in Kombination mit Bevacizumab und 6 Zyklen Platin-Dubletten-Chemotherapie.

Die Stratifizierung erfolgte nach PFI, PD-L1-Status und Chemotherapie-Schema. Koprimäre
Endpunkte der ITT- und PD-L1-positiven Population waren das vom Prüfarzt beurteilte PFS (für jede Population α=0,025). Zwischen 09/2016 und 10/2019 erhielten 410 Patientinnen Atezolizumab und 204 Placebo, wobei 38 % PD-L1-positive Tumore hatten. Nach einer medianen Nachbeobachtungszeit von 3 Jahren erreichte der PFS-Unterschied zwischen Atezolizumab und Placebo weder in der ITT- (HR 0,83; 95 %-KI 0,69–0,99; p=0,041; Median 13,5 vs. 11,3 Monate) noch in der PD-L1-positiven Population (HR 0,86; 95 %-KI 0,63–1,16; p=0,30; Median 15,2 bzw. 13,1 Monate) statistische Signifikanz.

Die HR für das vorläufige OS betrug 0,81 (95 %-KI 0,65–1,01; Median 35,5 vs. 30,6 Monate mit Atezolizumab bzw. Placebo). Die gesundheitsbezogene Lebensqualität unterschied sich
nicht zwischen den Behandlungsarmen. Unerwünschte Ereignisse vom Grad ≥3 traten bei 88 % der mit Atezolizumab und 87 % der mit Placebo Behandelten auf. Für eine Immuntherapie typische Nebenwirkungen vom Grad ≥3 traten unter Atezolizumab häufiger auf (13 % bzw. 8 %). (sh)

Autoren: Kurtz JE et al.
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Studie: Atezolizumab Combined With Bevacizumab and Platinum-Based Therapy for Platinum-Sensitive Ovarian Cancer: Placebo-Controlled Randomized Phase III ATALANTE/ENGOT-ov29 Trial
Quelle: J Clin Oncol 2023;41(30):4768–4778.
Web: www.doi.org/10.1200/JCO.23.00529