Kombinierte orale Kontrazeptiva und Krebs

orale Kontrazeptiva
Symbolbild: orale Kontrazeptiva © Africa Studio – fotolia.com

Die meisten Frauen, die sich für orale Kontrazeptiva entscheiden, setzen sich laut der aktuellen „Royal College of General Practitioners‘ Oral Contraception Study“ damit keinen langfristigen Schäden durch Krebs aus. Hingegen profitieren sogar viele Frauen von wichtigen Risikoreduktionen, die viele Jahre nach dem Einnahmestopp persistieren.

Im Rahmen dieser Studie wurden 46.022 Frauen, die zwischen 1968 und 1969 rekrutiert worden waren, bis zu 44 Jahre lang beobachtet. ­Direkt standardisierte Raten spezifischer und jeglicher Krebserkrankungen wurden für Frauen, die „jemals“ und „niemals“ kombinierte orale Kontrazeptiva (KOK) genommen hatten, berechnet. Dabei standardisierten die Autoren um Dr. Lisa Iversen­ von der University of Aberdeen die Daten nach Alter, Parität, sozialer Klasse und Rauchen.

Wie sie feststellten, gab es 4661 Frauen, die jemals KOK genommen hatten, mit mindestens einer Krebserkrankung in 884.895 Frauenjahren mit Nachbeobachtung und 2341 Frauen, die niemals KOK verwendet hatten, mit mindestens einer Krebserkrankung 388.505 Frauenjahren mit Nachbeobachtung.

Die Einnahme von KOK war mit reduzierten Risiken für Kolorektalkarzinome (Inzidenzratenverhältnis [IRR] 0,81; 99 %-Konfidenzintervall [KI] 0,66–0,99), Endometrium­karzinome (IRR 0,66; 99 %-KI 0,48–0,89), Ovarialkarzinome (IRR 0,67; 99 %-KI 0,50-0,89) sowie lymphatische und hämatopoetische Krebs­erkrankungen (IRR 0,74; 99 %-KI 0,58–0,94) assoziiert. Ein erhöhtes Lungenkrebsrisiko sahen Iversen und ihre Koautoren nur bei jenen KOK-­Anwenderinnen, die zum Zeitpunkt der Rekrutierung geraucht hatten.

Ein erhöhtes Risiko für Mamma- und Zervixkarzinome sahen die Wissenschaftler bei Frauen, die aktuell KOK nahmen oder bis vor kurzem genommen hatten. Allerdings schien dieses innerhalb von rund 5 Jahren nach dem Einnahmestopp der KOK wieder zurückzugehen. Dabei fanden die Autoren für diese beiden Krebserkrankungen keine Anhaltspunkte für ein erhöhtes Rezidivrisiko bei KOK-Anwenderinnen im Laufe der Zeit. Bei KOK-Anwenderinnen gab es auch im späteren Leben keine Evidenz für neue Krebsrisiken. Damit sei die Gesamtbilanz der Krebs­risiken unter früheren Anwenderinnen von KOK neutral gewesen, bilanzieren die Studienautoren. Dabei würden die erhöhten Risiken durch die Vorteile in punkto Endo­metrium-, Ovarial- und Kolorektalkarzinome, die mindestens 30 Jahre lang anhalten, ausgeglichen.

Autoren: Iversen L et al.
Korrespondenz: [email protected]
Studie: Lifetime cancer risk and combined oral contraceptives: the Royal College of General Practitioners‘ Oral Contraception Study
Quelle: Am J Obstet Gynecol 2017;216(6):580.e1–580.e9
Web: dx.doi.org/10.1016/j.ajog.2017.02.002