Kampf gegen Fake-News in der Krebsmedizin11. Februar 2026 Prof. Dr. Eckart von Hirschhausen spricht auf dem DKK darüber, wie Menschen mit Krebs im Internet verlässliche Informationen erhalten können, statt auf Fake-News hereinzufallen. (Symbolbild: © guukaa/stock.adobe.com) Prof. Eckart von Hirschhausen studierte Medizin und Wissenschaftsjournalismus. Auf dem DKK 2026 spricht er über echte Partnerschaften zwischen Betroffenen und Behandelnden. Was er genau darunter versteht und wie man Fake-News in der Krebsmedizin begegnen kann, verrät er im Interview. Prominenter Besuch auf dem Deutschen Krebskongress (DKK) 2026: Prof. Eckart von Hirschhausen hält am 18. Februar die Keynote-Lecture „Krebs? Wie Reden hilft!“. Das Wort Krebs löst bei vielen Betroffenen Ängste aus. Wie können Ärztinnen und Ärzte dem begegnen? von Hirschhausen: Beim Deutschen Krebskongress darf ich ja genau dazu einen Impuls geben, zusammen mit vielen Aktiven aus der Selbsthilfe und Eva Winkler, einer Onkologin, die aktuell auch im Ethikrat arbeitet. Angst ist nie ein guter Ratgeber. Und sieht man sich an, wie viele Menschen, auch jüngere, von Krebs betroffen sind, kann ich die Angst gut verstehen. Ich beschäftige mich als Beirat der Deutschen Krebshilfe und mit der Initiative Vision Zero schon lange mit der Kommunikation rund um onkologische Erkrankungen. Und betone dabei, dass es nicht „den Krebs“ gibt, sondern sehr viele grundverschiedene Erkrankungen. Dass zum zweiten sowohl die Früherkennung und die Behandlung in vielen Bereichen sensationelle Fortschritte gemacht haben. Und dass ein großer Hebel in der Prävention liegt und wir mit unserem Lebensstil mit darüber entscheiden. Selbstwirksamkeit ist das Zauberwort. Sie sagen, dass echte Partnerschaft zwischen den Betroffenen und den Behandelnden positive Veränderungen bringen kann. Was meinen Sie damit? von Hirschhausen: In der eigenen Familie habe ich erlebt, wie desaströs bis heute die Diagnosevermittlung und die Begleitung aus der Ärzteschaft sein kann. In meinem Buch „Wunder wirken Wunder“ beschreibe ich, wie einem Freund sein Darmkrebsbefund herzlos um die Ohren gehauen wurde. „Mit ihrem Stadium sterben in zwei Jahren 95 Prozent der Patienten.“ Und er antwortete: „Mit welchem Recht nehmen Sie mir gerade jede Hoffnung? Erzählen Sie mir lieber was über die fünf Prozent!“ Er hat dann auch länger als zwei Jahre gelebt … Und hätte noch viel bessere Chancen gehabt, weil er mit Anfang 30 zu einem Gastroenterologen ging, um seinen Darm spiegeln zu lassen. Der Arzt schickte ihn fatalerweise ohne Untersuchung wieder weg mit den Worten: „Sie haben ja noch Zeit, die Kasse empfiehlt die Untersuchung erst ab 50.“ Was er leider unterlassen hatte, war, die entscheidende Frage zu stellen: „Gab es schon Fälle von Darmkrebs in Ihrer Familie?“ Die hatte es gegeben, bereits mehrere Angehörige waren daran verstorben. Worte und Fragen auf Augenhöhe können Leben retten. Zu Krebs zirkulieren viele Desinformationen im Netz, angefangen von bestimmten Krebsdiäten bis hin zu unseriösen Heilversprechen. Wie kann es Betroffenen gelingen, an die richtigen Infos zu kommen – gerade in Zeiten von KI? von Hirschhausen: Das ist ein absolut entscheidender Punkt, auf den ich im Vortrag tiefer eingehe. Nur, weil jeder an Informationen im Netz kommt, ist dennoch die Gesundheitskompetenz in Deutschland die letzten Jahre schlechter geworden, sprich die Fähigkeit, Quellen nach Qualität zu beurteilen. Viele geben sich mit einer KI-Zusammenfassung zufrieden, bei der völlig unklar ist, auf welchen Daten die beruht. Dazu kommen noch gezielte Deepfakes. Mit echten Fernsehausschnitten und einer gefälschten Stimme und betrügerischen Anzeigen fallen Tausende Menschen jeden Tag auf Fakes herein, bestellen Mittel im Internet, bei denen völlig unklar ist, was sie enthalten und welchen Schaden sie anrichten. Die Plattformen verdienen an jedem Klick auf solche Betrugsseiten mit und löschen daher trotz eindeutiger Rechtslage diese Inhalte nicht. Und die Fakes werden rasend besser, so dass wir dringend mehr dazu erklären müssen: Welche Internetseiten sind geprüft und verlässlich, woran erkenne ich Betrüger, warum ist „Fragen Sie Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder in der Apotheke!“ in digitalen Zeiten nicht überflüssig geworden, sondern umso wichtiger. Was können Ärzteschaft und Selbsthilfe beitragen? von Hirschhausen: Je weniger wir mit den Menschen reden, desto mehr treiben wir sie in die Hände von Scharlatanen und dubiosen Mittelchen. Das Grundbedürfnis der Betroffenen ist ja völlig richtig: Ich möchte nichts unversucht lassen. Da muss es doch was geben, was mir noch hilft. Nur, wenn etwas zu schön klingt, um wahr zu sein, ist es meistens nicht wahr! In der Verzweiflung halten sich viele an jeden Strohhalm, geben ihr ganzes Erspartes aus und tun das oft parallel zur Behandlung, die das Kassensystem ihnen anbietet. Weil das oft „hinter dem Rücken der Schulmedizin“ passiert, schämen sich die Patienten oft, davon zu erzählen. Also, sowohl in der Praxis wie auch der Selbsthilfe offenes Visier, direkt nachfragen: „Ich kann verstehen, dass Sie sich informieren, was noch zu Ihrer Heilung beitragen könnte. Worauf sind Sie da gestoßen, ich lerne gerne was dazu, niemand kann alles wissen, aber ich kann mich gerne auch für Sie schlau machen …“Und was sollte die Politik tun? von Hirschhausen: Deepfake-Mafia ernst nehmen, über die Methoden, die Gefahren und die skrupellose Abzocke dahinter auf allen ihren Kanälen informieren und den gesetzlichen Rahmen verschärfen. Ich musste zwei Jahre über zwei Instanzen gegen Meta vor dem Oberlandesgericht klagen, bekam Recht, und trotzdem wird das Problem nicht kleiner, sondern größer. Es braucht leicht zugängliche Meldestellen, klare Strafen, wenn die Plattformen nicht oder verzögert reagieren, und das Verbot vom Fälschen von echten Menschen, so wie es in Dänemark schon gilt. Positiv formuliert müssen wir die Wissenschaft und den fundierten Wissenschaftsjournalismus viel stärker gegen Anfeindungen und gezielte Attacken schützen. Das ist der Kern von guter Medizin, Schutz der Patienten und auch der Demokratie, denn mit jedem Betrug schwindet Vertrauen in Menschen, in Institutionen und den Staat. Trotz aller Probleme: Kann KI für Krebspatient:innen und Onkolog:innen auch Vorteile haben? von Hirschhausen: Natürlich! Ich sehe auch die großen Chancen. Sowohl in der Diagnostik, wo KI einen kleinen Tumor mit 100.000 anderen Röntgenbildern besser vergleichen kann als jeder Mensch, als auch in der aktuellen und spezifischen Behandlung. Ein Freund von mir hat nur überlebt, weil er sehr hartnäckig für seine seltene Krebserkrankung über alle Datenbanken hinweg gesucht hat, wer dazu gerade forscht und welche Studien laufen. Was aber dem Menschen überlassen bleiben wird: Empathie, wertebasierte gemeinsame Entscheidungsfindung und Humor. Wer zuletzt lacht, lacht am besten! Mit meiner ersten Stiftung „Humor hilft heilen“ haben wir auch mit Clownsvisiten auf Palliativstationen viel zu lachen. Augenzwinkern auf Augenhöhe. Und auch das wird auf dem Kongress nicht zu kurz kommen, versprochen! Das Interview wurde bereitgestellt vom DKK. Session: Plenarsitzung „Zusammen – gezielt – zukunftsfähig: Echte Partnerschaften zwischen Patient:innen und Mediziner:innen eröffnen Chancen für Veränderungen“Mittwoch, 18.02., 15 bis 17 Uhr, Raum A2
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