Kompetenznetz empfiehlt Booster-Impfung bei MS10. Dezember 2021 Foto: ©PhotoSG – stock.adobe.com Nach Überzeugung des Krankheitsbezogenen Kompetenznetzes Multiple Sklerose (KKNMS) ist die Impfung gegen SARS-CoV-2 – auch bei Personen mit Multipler Sklerose – die wichtigste Strategie, um die pandemische Lage in eine endemische Lage zu überführen und die Normalität in unserer Gesellschaft wiederherzustellen. Wichtig sei, dass sich möglichst viele der noch Unentschlossenen so schnell wie möglich impfen ließen, erklärte das Krankheitsbezogene Kompetenznetz Multiple Sklerose (KKNMS) in einer Stellungnahme. „Es sei hier nochmals klar gesagt: Insbesondere Menschen mit Autoimmunerkrankungen wie der Multiplen Sklerose (MS) profitieren von einem Impfschutz gegen SARS-CoV-2 – eine MS-Erkrankung und auch eine Immuntherapie bei MS sind aufgrund vorliegender Daten keine Kontraindikation gegen eine Impfung“, betonte Prof. Mathias Mäurer, Chefarzt der Neurologischen Klinik des Juliusspitals in Würzburg, Sprecher des Fachausschuss Versorgungsstrukturen und Therapeutika und Mitglied des Vorstands des KKNMS. Zum Zweiten gewinne die Auffrischungsimpfung derjenigen, die schon einen zweifachen Impfschutz erhalten haben, an Bedeutung. So hätten Daten aus Israel zur dritten Impfung mit dem Impfstoff von Biontech/Pfizer belegt, dass die dritte Impfung in Bezug auf Krankenhausaufenthalte, schwere COVID-19-Verläufe und Tod noch einmal eine signifikante Verbesserung gegenüber zwei Impfungen mit dem Impfstoff von Biontech/Pfizer zeige – “die Zahlen gehen nach der dritten Impfung nahezu gegen null”, heißt es in der Stellungnahme. Seit September 2021 hat auch die STIKO allen Personen mit Immundefizienz, wozu auch MS-Patienten unter einer Immuntherapie gezählt werden, eine Auffrischungsimpfung sechs Monate nach der zweiten Impfdosis empfohlen und diese Empfehlung seit Mitte November auf alle Erwachsenen ab 18 Jahren ausgedehnt. Vor diesem Hintergrund hat auch der Fachausschuss „Versorgungsstrukturen und Therapeutika“ des KKNMS zusammen mit der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG) und dem Berufsverband Deutscher Neurologen (BDN) seine Stellungnahme vom Sommer 2021 aktualisiert: Danach wird allen Personen mit MS empfohlen, sich eine Auffrischungsimpfung (Booster-Impfung) gegen SARS-CoV-2 mit einem mRNA-Impfstoff geben zu lassen. Diese Empfehlung richtet sich insbesondere an Personen mit MS, die eine Immuntherapie mit S1P-Modulatoren (Fingolimod, Siponimod, Ozanimod oder Ponesimod) oder einer B-Zell-depletierenden Therapie (Rituximab, Ocrelizumab oder Ofatumumab) durchführen. Da diese Gruppen eine im Mittel abgeschwächte Antikörperantwort auf die Impfung haben, sollte angesichts der aktuell hohen Inzidenzen und der Tatsache, dass bereits eine Woche nach der Booster-Impfung ein deutlich besserer Schutz besteht, die Auffrischung möglichst bald erfolgen. Für diese Patientengruppen könne bereits nach vier Wochen eine Auffrischungsimpfung erfolgen, um einen vollständigen Impfschutz zu erreichen. Überlegungen zur Wirkung der aktuellen Impfstoffe auf neue Varianten oder Erwartungen von Zulassungen neuer Impfstoffe (z. B. adjunvantierte Impfstoffe) sollten derzeit für die Impfentscheidung keine Rolle spielen. „Auch wenn bisher wenig zu weiteren Virusmutationen bekannt ist, so lässt sich sicher sagen, dass es auch bei neuen Formen des Virus bislang in jedem Fall besser ist, geimpft als nicht geimpft zu sein“, erklärte Prof. Heinz Wiendl, Direktor der Klinik für Neurologie des Universitätsklinikums Münster und Sprecher des Vorstands des Kompetenznetz Multiple Sklerose. Es wäre daher anzustreben, dass – bis auf wenige individuelle Ausnahmen – alle Patienten mit MS vollständig gegen SARS-CoV-2 geimpft sind, vorzugsweise mit drei Impfdosen der aktuellen mRNA-Impfstoffe, auch wenn noch keine Daten zu MS-spezifischen Reaktionen für die dritte Impfung vorliegen. „Höchstwahrscheinlich ist die dritte Impfung ebenso wie bei vielen anderen Totimpfstoffen notwendig für die volle Ausprägung des Impfschutzes“, erklärte Prof. Frauke Zipp, Direktorin der Klinik und Poliklinik für Neurologie der Universitätsmedizin Mainz und Stellvertretende Sprecherin des Vorstands des Kompetenznetz Multiple Sklerose. Allgemeiner Hinweis zur Impfung (mit Ausnahme von Lebendimpfstoffen) von Personen mit MS Prinzipiell stelle die Diagnose MS keine Kontraindikation gegen Impfungen dar, erklärte das KKNMS. Durch Impfungen vermeidbare Infektionen könnten einerseits schwerwiegende Erkrankungen verursachen, andererseits bei MS-Patienten darüber hinaus Schübe auslösen und zur Krankheitsverschlechterung beitragen. Dieses Risiko sei grundsätzlich höher einzuschätzen als potenzielle Risiken durch Impfungen. Personen mit MS sollten daher entsprechend den allgemeinen von der Ständigen Impfkommission (STIKO) des Robert Koch-Institutes empfohlenen Impfungen im Erwachsenenalter geimpft werden, stellen die Experten des Kompetenznetzes klar. Um einen Impferfolg bei MS-Patienten, die ein Immuntherapeutikum erhalten, zu unterstützen, sollten Impfungen idealerweise mindestens sechs Wochen vor Einleitung einer Immuntherapie abgeschlossen sein. Grundsätzlich seien Impfungen mit Totimpfstoffen auch unter Zell-depletierenden Therapien möglich, das Ansprechen auf die Impfung könne unter solchen Therapien allerdings vermindert sein, erklärte das KKNMS. Idealerweise sollten Impfungen zwar frühestens vier Monate nach der jeweiligen Medikamentengabe erfolgen, bei aktivem Infektionsgeschehen könne jedoch auch von dieser Faustregel abgewichen werden und eine frühere Impfung erfolgen.
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